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Gehacktes von gebratenen Schnepfen mit saurem Senf

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit45 Min.BuchEin new Kochbuch (~1581)

Gehacktes von Schnepfen, die gebraten sind: Wenn du es gehackt hast, gieße eine gute Rindfleischbrühe darüber und lass es damit aufkochen. Wenn du es auf den Tisch geben willst, gib ein wenig sauren Senf, der mit Weinessig angemacht ist, hinein. Das ist gut und wohlschmeckend und reinigt den Kopf.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Schnepffen/ die gebraten Gebratene Schnepfen - - -
gute Rindtfleischbruͤh Gute Rindfleischbrühe - - -
ein wenig sauren Senff Ein wenig saurer Senf - - -
Weinessig Weinessig - - -

Welches Gericht ist das? Ein Gehacktes aus schon gebratenen Schnepfen: Das Bratenfleisch wird klein gehackt, mit einer guten Rindfleischbrühe übergossen und kurz aufgekocht. Erst beim Anrichten kommt ein wenig Senf dazu, der mit Weinessig angerührt ist. Rumpolt macht es mit gebratenem Fleisch im ganzen Buch so, etwa beim gehackten Hasenbraten. Der Text nennt keine Bindung, kein Brot, kein Mehl und kein Ei: Das Ergebnis ist gehacktes Fleisch in Brühe, keine gebundene Sauce.

Das Gehackte. Rumpolt sagt nur „Gehack von Schnepffen/ die gebraten“. Ob Haut, Knochen oder Innereien mitgehackt werden, steht nicht da. Am einfachsten löst man das gebratene Fleisch von den Knochen und hackt es mit dem Messer oder Wiegemesser klein.

Die Brühe. Wie viel Brühe darübergegossen wird, sagt der Text nicht. Ein guter Ausgangspunkt: gerade so viel, dass das Gehackte knapp bedeckt ist. Das Fleisch ist vom Braten schon gar, das Aufsieden bringt Fleisch und Brühe nur kurz zusammen zum Kochen.

Der Senf. Der saure Senf kommt erst zum Anrichten hinein und kocht nicht mit, so bleiben Schärfe und Säure frisch. Senfmehl oder gestoßene Senfkörner mit Weinessig angerührt liegen näher am Text als ein fertiger süßer Senf. Weitere Gewürze nennt Rumpolt nicht; die Brühe bringt Salz mit.

Praxis. Küchenfertige Schnepfen am Spieß oder in der Pfanne braten, das dauert etwa 20 bis 25 Minuten. Das Fleisch auslösen, klein hacken, in einen Topf geben, mit Rindfleischbrühe knapp bedecken und bei mäßiger Hitze einmal aufkochen lassen. Kurz vor dem Servieren ein wenig mit Weinessig angerührten Senf unterziehen. Die Zubereitungszeit von etwa 45 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Wo bekomme ich Schnepfen?

Im normalen Handel kaum. Frag beim Wildhändler oder bei einem Jäger nach, ob und wann Schnepfen zu bekommen sind.

Was bedeutet „purgieret das Häupt“?

purgieren heißt reinigen, das Haupt ist der Kopf. Rumpolt sagt also, das Gericht reinige den Kopf. Wie er sich diese Wirkung vorstellt, erklärt er nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frisches Wildgeflügel braucht eine Kühlkette, und die Schnepfen müssen vorher gebraten werden. Hacken, Aufkochen in Brühe und der Senf zum Schluss gehen danach in einem Topf am Feuer.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

7. Gehack von Schnepffen, die gebraten, wenn du es gemacht hast, so geuß daruͤber ein gute Rindtfleischbruͤh, vnnd laß darmit auffsieden, wenn du es wilt auff ein Tisch geben, so thu ein wenig sauren Senff, der mit Weinessig angemacht ist, darein, das ist gut vnd wolgeschmack, vñ purgieret das Haͤupt.
Gehack

Klein gehacktes Fleisch, hier von schon gebratenen Schnepfen. Kein rohes Hackfleisch: Bei Rumpolt ist das Fleisch für ein Gehacktes durchweg vorher gebraten.

auffsieden

Aufkochen lassen, nur kurz; das Fleisch ist bereits gar.

purgieret das Haͤupt

purgieren heißt reinigen, besonders den Körper; das Haupt ist der Kopf. Rumpolt schreibt dem Gericht eine reinigende Wirkung auf den Kopf zu, ohne sie zu erklären.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Schnepfen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

gute Rindtfleischbruͤhmeat stock Q67860017
Weinessigvinegar Q41354

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGehack

Gewählte Lesart: Gehacktes aus bereits gebratenen Schnepfen: Der Text sagt „die gebraten“, und Rumpolt hackt auch beim Hasen, Hammel, Lamm und Kalb jeweils schon gebratenes Fleisch.

Andere mögliche Lesart:

  • Rohes Hackfleisch, das erst danach gegart wird - Das Wort allein ließe es zu, aber „die gebraten“ und der Gebrauch im übrigen Buch sprechen dagegen.

LesartUmfang des Gehackten

Gewählte Lesart: Offen: Rumpolt sagt nur „Gehack von Schnepffen/ die gebraten“; ob Haut, Knochen oder Innereien einbezogen sind, steht nicht im Text.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur das gebratene Fleisch, vom Knochen gelöst und mit dem Messer klein gehackt - Die einfachste heutige Ausführung, so in der Zubereitung beschrieben.

Lesartgeuß daruͤber ein gute Rindtfleischbruͤh

Gewählte Lesart: Die Menge ist nicht genannt; es kann auch nur ein Guss zum Anfeuchten gemeint sein.

Andere mögliche Lesart:

  • Gerade so viel Brühe, dass das Gehackte knapp bedeckt ist - Praktischer Ausgangspunkt für ein Gehacktes in Brühe, so in der Zubereitung empfohlen.

Lesartso thu ein wenig sauren Senff ... darein

Gewählte Lesart: Der Zeitpunkt ist klar, beim Auftragen; ob der Senf in den Topf oder in die einzelne Schüssel kommt, bleibt offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Beim Anrichten ein wenig mit Weinessig angerührten Senf unterziehen, nicht mitkochen - Hält Schärfe und Säure frisch, so in der Zubereitung beschrieben.

LesartSchnepffen

Gewählte Lesart: Schnepfe ohne Artfestlegung: Rumpolt und sein Kapitel nennen keine bestimmte Art.

Andere mögliche Lesarten:

  • Waldschnepfe - Denkbar als die gewöhnliche Tafelschnepfe, aber nicht belegt.
  • Bekassine (Sumpfschnepfe) - Ebenso möglich, aber ebenfalls nicht belegt.

Lesartpurgieret das Haͤupt

Gewählte Lesart: „reinigt den Kopf“: purgieren = reinigen, besonders den Körper; die Wendung „das Haupt purgieren“ ist auch aus Arzneitexten belegt.

Andere mögliche Lesart:

  • „führt ab“ - purgieren kann auch das Abführen meinen, doch hier steht ausdrücklich das Haupt als Gegenstand.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXXXVIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0767
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frisches Wildgeflügel braucht eine Kühlkette, und die Schnepfen müssen vorher gebraten werden. Brühe, Senf und Weinessig sind danach einfach und in einem Topf am Feuer zu machen.
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Stand dieser Fassung: 07.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.