Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Nimm eine Ruttenleber, gib sie in ein Glas und stelle sie hinter den Ofen, so gibt es ein Öl. Dasselbige ist gut für die Augen: Wenn jemand ein Fell darüber hat, so kann man es damit vertreiben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Ruttenleber | Ruttenleber | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern ein Heilmittel: Die Leber der Rutte (Quappe) gibt in milder Wärme ein Öl ab, das Rumpolt gegen ein „Fell“ auf dem Auge empfiehlt. Nichts wird gegart, gewürzt oder gegessen. Am ehesten erinnert das Verfahren an das alte Gewinnen von Fischleberöl durch langsames Ausschmelzen; das ist ein Vergleich, kein Beleg.
Wie entsteht das Öl? Hinter dem Ofen herrscht Restwärme, kein Feuer. Sie löst nach und nach Fett aus der Leber, das Glas fängt es auf. Rumpolt nennt weder Dauer noch Wärmegrad und sagt nicht, ob die Leber zerteilt oder das Öl abgegossen wird. Diese Angaben bleiben hier offen. Frische Fischleber verdirbt in milder Wärme allerdings rasch.
Das „Fell“. Gemeint ist ein Häutchen oder eine Trübung, die über dem Auge liegt und die Sicht nimmt. Welche Krankheit dahintersteht, lässt der Text nicht erkennen.
Die Anwendung. Der Text sagt nur, man könne das Fell mit dem Öl „hinweg treiben“. Wie das Öl ans Auge kommt, steht nicht da.
Praxis. Das Rezept lässt sich nur als historisches Verfahren lesen. Das Öl ist weder zum Verzehr noch zur Anwendung am Auge gedacht.
Nein. Es ist kein Kochrezept, sondern ein historisches Heilmittel. Das Öl wird weder gegessen noch gegart oder gewürzt.
Die Leber der Rutte, heute Quappe oder Aalrutte (Lota lota) genannt, eines Süßwasserfischs. In den übrigen Stücken des Kapitels „Von Rutten“ ist die Leber eine Speise, eingemacht oder gebraten; hier gewinnt Rumpolt aus ihr ein Öl.
Ein Häutchen oder eine Trübung, die über dem Auge liegt und die Sicht nimmt. Mundartwörterbücher belegen „ein Fell auf dem Auge“ genau in diesem Sinn. Eine bestimmte Krankheit nennt der Text nicht.
Nein. Dass das Öl „gut zu den Augen“ sei, ist Rumpolts historische Empfehlung. Als Anleitung zur Behandlung taugt das Rezept nicht; bei Beschwerden am Auge gehört man zum Augenarzt.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Leber der Rutte, also der Quappe oder Aalrutte (Lota lota), eines Süßwasserfischs mit großer, fetter Leber. Die Fischart gibt die Kapitelüberschrift „Von Rutten“ vor.
Ein die Sicht trübendes Häutchen auf dem Auge. So verzeichnet es das Pfälzische Wörterbuch (Fell 3, „en Fell iwwer's Aag“), ebenso ein schwäbischer Mundartbeleg („a Fell aufm Aug“). Welche Krankheit dahintersteht, lässt der Text nicht erkennen.
Vertreiben, beseitigen: Das Öl soll das Fell vom Auge wegbringen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Ruttenleber | fish liver Q96756315 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Fell daruͤber
Gewählte Lesart: Ein die Sicht trübendes Häutchen auf dem Auge. Belegt im Pfälzischen Wörterbuch (Fell 3, dazu „Fellknopf“ als Mittel gegen Hornhauttrübung) und in schwäbischer Mundart („a Fell aufm Aug“ = trübe Stelle in der Pupille).
Andere mögliche Lesart:
Leber im Glas hinter dem Ofen
Gewählte Lesart: Die Leber bleibt ganz oder zerkleinert über längere Zeit in milder Wärme, bis sich Öl abgesetzt hat. Rumpolt legt weder Dauer noch Zerkleinerung fest.
Andere mögliche Lesart:
darmit hinweg treiben
Gewählte Lesart: Das ausgetretene Öl wird abgegossen und auf das Auge gebracht. Das ist die naheliegende Anwendung, der Text beschreibt sie aber nicht.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 13.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.