Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Nimm das breite Fleisch vom Hinterlauf des Hirsches und schneide es klein mit einem Messer. Nimm Schweinefleisch vom Hinterlauf, das fett ist, und schneide es klein unter das Wildbret.
Nimm vom hintersten Darm den größten und stärksten und wasche ihn sauber aus. Bevor du ihn umkehrst, klaub das Fett vom Hirsch ganz ab und lass nicht ein mohnkorngroßes Stück daran, denn sonst wird es bald ranzig. Danach kehre den Darm um, schleime ihn aus und drücke ihn gut mit einem Tuch aus, sodass kein Tropfen Wasser hineinkommt, weder außen noch innen.
Nimm danach Salz, gib es in eine Pfanne, mach es trocken und warm. Gib es in einen Mörser und stoße es sehr fein. Nimm es danach heraus. Nimm ganzen Pfeffer, gib ihn in einen Mörser und zerklopfe ihn nur ein wenig, sodass die Körner voneinander fallen. Nimm den Pfeffer und mische ihn unter das Salz. Reibe das klein geschnittene Fleisch damit ein, so wird es gut gesalzen und gewürzt. Achte jedoch darauf, nicht zu viel Salz hineinzugeben, damit du es nicht versalzt.
Die Welschen nehmen alles nach dem Gewicht, man sieht es aber sonst bald, ob es zu viel oder zu wenig ist; man hätte viel zu schaffen, wenn man immer Gewicht und Waage bei sich tragen sollte. Nimm das Fleisch, fülle es in den Darm und drücke es fest ein. Wenn du siehst, dass der Darm Blasen wirft und das Fleisch nicht schön übereinanderliegt, so stich den Darm mit einer Nadelspitze oder einer Gloua, so legt es sich desto eher übereinander und wird fest. Binde den Darm zu und hänge die Würste in Rauch, doch nicht in einen Schornstein, damit keine Hitze dazukommt, sondern sie nur trocknen. Je länger du sie darin hängen lässt, desto besser und röter werden sie, und sie halten sich Jahr und Tag.
Bist du aber in einer Besatzung, so schmier sie mit Baumöl ein und schlag sie in Fässer ein, so halten sie sich ein Jahr oder drei.
Mit Rind und Schwein. Solche Würste sind auch gut mit Rindfleisch und Schweinefleisch zu machen, wobei kein Fett am Darm bleiben darf, so wird es nicht ranzig. Und solche Würste kannst du auch aus reinem Schweine- oder Rindfleisch machen, mit Speck, der nicht gesalzen ist. Das Fleisch, das in einen solchen Darm gehört, darfst du nicht in Wasser legen, sondern musst es nehmen, wie es frisch geschlachtet wird, denn vom Wasser verdirbt es und wird stinkend.
Mit Blasen. Hast du keine Därme, so nimm die Blasen, so werden die Würste desto dicker und größer.
Kochen. Wenn du sie kochst und sie klein sind, so darfst du sie nicht länger als ein oder zwei Stunden sieden lassen. Wenn sie aber dick und groß sind, so musst du sie vier oder fünf Stunden sieden lassen, doch so, dass du sie nicht zerkochst. Lass sie kalt werden, so kannst du sie essen. Du kannst sie auch sechs oder sieben Wochen aufbewahren, besonders im Winter. Wenn du über Land reist, kannst du jederzeit ein Stück davon abschneiden und essen, und danach schmeckt dir ein guter Trunk darauf.
Und solche Würste muss man im Winter machen; je kälter es ist, desto besser ist es. Sie sind auch gut für einen armen Kriegsmann, der Jahr und Tag im Felde liegen muss, denn der Pfeffer und das Salz erhalten sie, und sie werden gut und wohlschmeckend. Du kannst sie auch zu einem Salat geben, und wenn du sie zerschneidest, so zieh die Haut ab, so wirst du die Pfefferkörner zwischen dem roten Fleisch sehen; das macht einem Lust zum Essen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| breite Fleisch von dem hinterlauff | Hirschfleisch (vom Hinterlauf) | - | Wildhändler, spezialisierter Metzger | Rindfleisch (Rumpolts eigene Variante) |
| Schweinenfleisch von dem hinterlauff/ der feißt ist | Schweinefleisch (fett, vom Hinterlauf) | - | Metzger | - |
| hindersten Darm den groͤsten vnd staͤrcksten | Hirschdarm (hinterster, größter und stärkster Darm) | - | Wildhändler auf Anfrage | Rinderkranzdarm oder Schweinedickdarm vom Metzger |
| Saltz | Salz | - | - | - |
| gantzen Pfeffer | Pfeffer (ganz) | - | - | - |
| Baumoͤl | Baumöl | - | Supermarkt | - |
| Rindtfleisch | Rindfleisch (Variante) | - | Metzger | - |
| Speck der nicht gesaltzen ist | Speck, ungesalzen (Variante) | - | Metzger | - |
| Blasen | Blasen (statt Darm) | - | Metzger auf Anfrage | - |
Welches Gericht ist das? Eine Dauerwurst aus Hirschfleisch vom Hinterlauf und fettem Schweinefleisch, nur mit Salz und grob angestoßenem Pfeffer gewürzt, fest in den Darm gestopft und im Rauch ohne Hitze getrocknet. Es ist dieselbe Wurst wie Rumpolts Zurwonada aus Rind und Schwein (Nr. 61), hier mit Wild. Heute erinnert sie an eine Hirschsalami; das ist ein Vergleich, keine Herleitung.
Fleisch und Würze. Beide Fleischsorten werden mit dem Messer klein geschnitten, nicht gestoßen. Das Salz wird in der Pfanne trocken und warm gemacht und dann im Mörser fein gestoßen; trockenes Salz lässt sich feiner stoßen und verteilt sich gleichmäßiger. Den ganzen Pfeffer nur anklopfen, bis die Körner auseinanderfallen: Rumpolt will die Körner später im Anschnitt sehen. Salz und Pfeffer mischen und das Fleisch damit einreiben. Eine Salzmenge nennt Rumpolt nicht, nur „nicht gar zu viel“; er salzt nach Augenmaß.
Darm. Genommen wird vom hintersten Darm der größte und stärkste. Vor dem Umkehren muss das Fett restlos ab, sonst wird es ranzig; danach umkehren, ausschleimen und innen wie außen mit einem Tuch trocken drücken, denn Wasser lässt das Fleisch laut Rumpolt verderben.
Füllen und Stechen. Das Fleisch fest in den Darm drücken. Wirft der Darm Blasen und liegt das Fleisch nicht dicht, den Darm mit einer Nadelspitze oder einer Gloua anstechen, dann setzt sich die Füllung und wird fest. Danach zubinden.
Rauch und Winter. Die Würste hängen im Rauch, aber nicht im Schornstein: Es soll keine Hitze dazukommen, sie sollen nur trocknen. Je länger sie hängen, desto besser und röter werden sie; eine Dauer nennt Rumpolt nicht. Er verlangt den Winter, je kälter, desto besser.
Kochen. Wer sie kocht, lässt kleine Würste höchstens ein bis zwei Stunden, große vier oder fünf Stunden sieden, ohne sie zu zerkochen, und isst sie kalt, ohne Haut, auch im Salat.
Praxis. Großkalibrigen Darm beim Metzger vorbestellen, wenn kein Hirschdarm zu bekommen ist; Hirschfleisch gibt es beim Wildhändler. Salz und Pfeffer nach Erfahrung. Zum Räuchern einen Räucherschrank oder eine Räucherkammer bei sehr niedriger Temperatur benutzen, das ist heutige Praxis und steht so nicht im Text. Ungepökeltes Wild- und Schweinefleisch, das ungekühlt im Rauch hängt, ist nach heutigen Hygieneregeln heikel: nur bei Wintertemperatur arbeiten, Schweinefleisch nur trichinenuntersucht verwenden und die Wurst vor dem Essen nach Rumpolts Kochangabe garen. Nicht roh essen.
Rumpolts Name für eine im Rauch getrocknete Dauerwurst, gewürzt nur mit Salz und ganzem Pfeffer. Er nennt sie „welsch“, sagt aber nicht, woher genau. Dieselbe Wurst beschreibt er in Nr. 61 (Zurwonada) aus Rind- und Schweinefleisch; hier ist es die Fassung mit Hirsch. Was der Name bedeutet, ist offen.
Nein. Das Räuchern ist Kernschritt des Rezepts und lässt sich im Lager nicht verlässlich nachstellen; wer räuchern kann, braucht diese Einstufung nicht. Dazu kommen frisches Wildbret und frisches Schweinefleisch als Hauptzutaten.
Rumpolt verlangt vom hintersten Darm den größten und stärksten und lässt dessen Fett „vom Hirsch“ abklauben; gemeint ist also der Enddarm des Hirsches. Heute bekommt man ihn kaum, ein großkalibriger Rinder- oder Schweinedarm vom Metzger ist der übliche Ersatz. Hat man keine Därme, nimmt man laut Rumpolt Blasen, dann werden die Würste dicker und größer.
Olivenöl, das Öl vom Ölbaum. Rumpolt braucht es nur für die Lagerung „in einer Besatzung“: Die Würste werden damit eingeschmiert und in Fässer geschlagen. So sollen sie sich nach seiner Angabe ein Jahr oder drei halten.
Rumpolt sagt, vom Wasser verderbe das Fleisch und werde stinkend. Deshalb wird der Darm innen und außen mit einem Tuch trocken gedrückt, und das Fleisch kommt so in den Darm, wie es frisch geschlachtet wird, ohne es zu wässern.
Rumpolt nennt zwei Zustände: Im Rauch getrocknet hält sie sich nach seiner Angabe Jahr und Tag, gekocht und kalt gegessen sechs oder sieben Wochen, besonders im Winter. Ob die geräucherte Wurst roh gegessen wurde, sagt er nicht. Heute sollte man ungepökeltes Wild- und Schweinefleisch nicht roh essen und die Wurst wie in Rumpolts Kochangabe garen; seine Haltbarkeitsangaben sind keine Empfehlung für heute.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Rumpolts Name für diese Wurst. Im Buch auch als Zurwonada (Nr. 61) und Ziewonada (Nr. 20). In den Wörterbüchern nicht gefunden; die Bedeutung des Namens ist offen. „Welsch“ ist Rumpolts Herkunftsangabe, mehr sagt der Text dazu nicht.
Hinterlauf, das Hinterbein des Wildes; das „breite Fleisch“ ist das große Fleischstück der Keule.
Mohnkorn: Vom Fett soll nicht einmal ein Stück so groß wie ein Mohnkorn am Darm bleiben.
Ranzig, verdorben (FWB, DWB). Rumpolt begründet damit, warum das Fett restlos vom Darm muss; gemeint ist die Haltbarkeit, nicht das Aussehen.
Den Darm innen vom Schleim befreien.
Wohl eine Nadel. Das Wort entspricht der Gluua in Nr. 61 und damit frühneuhochdeutsch ‚glufe‘, Stecknadel (FWB; Lexer: acicula). Rumpolt stellt sie hier neben die Nadelspitze.
Hier ‚stechen, anstechen‘, nicht ‚stopfen‘: Der Darm wird angestochen, damit die Blasen verschwinden.
Eine besetzte oder belagerte Festung mit ihrer Mannschaft. Rumpolt denkt hier an langen Vorrat für den Kriegsfall.
Olivenöl, das Öl vom Ölbaum (FWB: Olivenöl, als Speiseöl und Konservierungsmittel). Die Würste werden damit eingeschmiert und in Fässer geschlagen.
So, wie das Fleisch frisch aus der Schlachtung kommt, ohne es zu wässern. Rumpolt sagt, vom Wasser verderbe es und werde stinkend.
Zerkochst, zu lange siedest.
Macht Lust zum Essen, appetitlich (FWB lustig: erfreulich, angenehm).
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| breite Fleisch von dem hinterlauff | venison Q2296872 |
| Schweinenfleisch von dem hinterlauff/ der feißt ist | pork Q191768 |
| Saltz | table salt Q11254 |
| gantzen Pfeffer | pepper Q3143131 |
| Rindtfleisch | beef Q192628 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Zurwanada
Gewählte Lesart: Als Name der Wurst beibehalten, in der Druckform dieser Stelle. Im Buch auch Zurwonada (Nr. 61) und Ziewonada (Nr. 20); kein Wörterbuchbeleg. „Welsch“ wird wiedergegeben, nicht ausgedeutet.
Andere mögliche Lesart:
garstig
Gewählte Lesart: Ranzig, verdorben (FWB garstig 1, DWB): Es geht um das Fett am Darm und damit um die Haltbarkeit. So auch Nr. 61.
Andere mögliche Lesart:
Gloua
Gewählte Lesart: Nadel: Nebenform zur Gluua in Nr. 61, frühneuhochdeutsch ‚glufe‘ (FWB: Stecknadel oder vergleichbares Kleingerät). Im Text steht die Druckform, weil die Form selbst nur an dieser Stelle vorkommt.
Andere mögliche Lesart:
Besatzung
Gewählte Lesart: Wörtlich „Besatzung“ belassen: eine besetzte oder belagerte Festung samt Mannschaft, für die langer Vorrat nötig ist.
Andere mögliche Lesart:
Darm (hindersten Darm)
Gewählte Lesart: Der Enddarm des Hirsches selbst: Rumpolt lässt das Fett „vom Hirsch“ abklauben, die Nachbarrezepte füllen ebenfalls in Hirschdarm. Ersatz laut Rumpolt: Blasen.
Andere mögliche Lesart:
Räuchern (in Rauch, doch in kein Schornstein)
Gewählte Lesart: Im Rauch hängen, außerhalb des Schornsteins, ohne Hitze, nur zum Trocknen; je länger, desto besser und röter. Eine Dauer nennt Rumpolt nicht.
Andere mögliche Lesart:
Salzmenge (nicht gar zu viel)
Gewählte Lesart: Nach Augenmaß: Rumpolt lehnt das Abwiegen ausdrücklich als zu umständlich ab und nennt keine Menge.
Andere mögliche Lesart:
Roh oder gekocht essen
Gewählte Lesart: Rumpolt beschreibt zwei Zustände: die geräucherte, getrocknete Wurst, die sich Jahr und Tag hält, und die gekochte, kalt gegessene Wurst, die sich sechs oder sieben Wochen hält. Ob die geräucherte Wurst auch roh gegessen wurde, sagt der Text nicht.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 01.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.