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Kärpflein aus großen Forellen, nach Art der kleinen Karpfen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Aus den schönen großen Forellen kann man auch Kärpflein machen, auf diese Art.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Foren Forellen - Fischhändler, gut sortierter Supermarkt -

Welches Gericht ist das? Ein Verweis, kein eigenes Rezept. Rumpolt sagt nur, dass man aus schönen großen Forellen „auch“ Kärpflein machen kann, und zwar auf die Art der vorangehenden Nummer. Gemeint ist die Zubereitung der kleinen Karpfen in rum-0966.

Worauf verweist „auf diese Art“? Am nächsten liegt Nr. 1 desselben Kapitels (rum-0966): ausnehmen, Köpfe krumm biegen, ein bis zwei Stunden einsalzen, abstreifen, mehrmals in warmem, nicht zu heißem Öl backen, dazwischen auf Lorbeerblättern erkalten lassen, zuletzt mit Lorbeer in eine Schachtel legen. Fast dasselbe Verfahren beschreibt Rumpolt im Forellenkapitel ausdrücklich für Forellen (rum-0946), dort mit einem Holzstäbchen, das die Krümmung hält.

Große statt kleiner Fische. Wie lange und wie oft große Forellen ins Öl sollen, sagt diese Nummer nicht. Die Nachbarrezepte nennen zwei- bis dreimal eine halbe Viertelstunde (Karpfen) und drei- bis viermal kurz (Forellen); keine der Angaben ist für diese Fische gesagt.

Praxis. Nach rum-0966 oder rum-0946 arbeiten und die Garzeit an der Größe der Forellen ausrichten. Eine eigene Zeit- oder Mengenangabe gibt es hier nicht.

Wie wird das gemacht?

Diese Nummer verweist mit „auf diese Art“ auf die vorangehende Zubereitung der kleinen Karpfen (rum-0966): einsalzen, mehrmals in warmem Öl backen, auf Lorbeerblättern erkalten lassen. Im Forellenkapitel beschreibt Rumpolt dasselbe Gericht ausdrücklich für Forellen (rum-0946). Eine eigene Anleitung steht hier nicht, weil sie schon davor steht.

Was sind Kärpflein?

„Kärpelein“ ist die Verkleinerung von „Karpfen“, also kleine Karpfen. Rumpolt nennt so auch das Gericht, das man nach ihrem Vorbild aus Forellen macht; im Forellenkapitel begründet er das damit, dass man die rechten Kärpelein nicht immer bekommt.

Eignet sich das für die Lagerküche?

Eingeschränkt. Die Hauptzutat sind frische Forellen, die bis zur Verarbeitung gekühlt bleiben müssen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

2. Auß den schoͤnen grossen Foren kan man auch Kaͤrpelein machen auff diese manier.
Foren

Forellen; Rumpolt verwendet die Kurzform im ganzen Fischteil, etwa im Kapitel „Von Foren oder Forellen“.

Kaͤrpelein

Verkleinerungsform zu „Karpfen“, also kleine Karpfen. Nr. 1 dieses Kapitels (rum-0966) bereitet die echten kleinen Karpfen zu; hier steht das Wort für dasselbe Gericht, nur aus Forellen gemacht.

auff diese manier

„Auf diese Art“: Rückverweis auf das Verfahren der vorangehenden Nummer (rum-0966). Eine eigene Anleitung hat diese Nummer nicht, sie braucht keine.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom kleinen Karpfen (Kärpflein)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Forentrout Q2258881

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKaͤrpelein

Gewählte Lesart: Name des Gerichts nach den kleinen Karpfen aus Nr. 1 (rum-0966), hier aus großen Forellen gemacht. Dafür spricht „auch“ im Satz und Rumpolts eigene Begründung im Forellenkapitel (rum-0946), man finde nicht immer die rechten Kärpelein und könne sie deshalb auch aus Forellen machen.

Andere mögliche Lesart:

  • Reine Fischbezeichnung: kleine Karpfen - So steht das Wort in Nr. 1, wo echte kleine Karpfen gemeint sind. Hier passt es nicht als Fischname, weil der Fisch ausdrücklich die Forelle ist; deshalb bleibt „Kärpflein“ stehen und wird nicht durch „kleine Karpfen“ ersetzt.

Lesartauff diese manier

Gewählte Lesart: Verweis auf Nr. 1 desselben Kapitels (rum-0966): ausnehmen, Köpfe krumm biegen, ein bis zwei Stunden einsalzen, zwei- bis dreimal je eine halbe Viertelstunde in warmem Öl backen, auf Lorbeerblättern erkalten lassen, mit Lorbeer in eine Schachtel legen. Das Kapitel hat nur zwei Nummern, und Nr. 2 steht unmittelbar danach.

Andere mögliche Lesart:

  • Verweis auf die Forellenfassung im Forellenkapitel (rum-0946) - Dort beschreibt Rumpolt dasselbe Gericht ausdrücklich für Forellen, mit Holzstäbchen für die Krümmung, Olivenöl, drei- bis viermaligem kurzem Backen und trockenem Auftragen ohne Essig. Das Verfahren ist fast gleich; „diese“ zeigt nach der Stellung im Druck aber eher auf die Nummer davor.

LesartBackzeit und Zahl der Backgänge bei großen Forellen

Gewählte Lesart: Der Text sagt dazu nichts. Belegt sind nur die Angaben der Nachbarrezepte: für kleine Karpfen je eine halbe Viertelstunde, zwei- bis dreimal (rum-0966), für Forellen „nicht lang“, drei- bis viermal (rum-0946). Keine dieser Zahlen ist für diese großen Forellen gesagt.

Andere mögliche Lesart:

  • Für die Praxis keine Zeit festlegen und nach den beiden Nachbarrezepten arbeiten - Vermeidet eine erfundene Angabe; die Garzeit richtet sich nach der Größe des Fischs, die der Text nur mit „groß“ beschreibt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CVIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0967
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Hauptzutat sind frische Forellen, die bis zur Verarbeitung eine Kühlkette brauchen. Das Verfahren selbst steht nicht in dieser Nummer, sondern in Nr. 1 des Kapitels (rum-0966).
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Stand dieser Fassung: 11.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.