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Kärpflein, mehrfach in Öl gebacken und mit Lorbeer verpackt

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit90 Min.BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm die Kärpflein und nimm sie aus. Biege ihnen die Köpfe, sodass sie krumm werden. Salze sie ein und lass sie ein oder zwei Stunden im Salz liegen.

Nimm danach eine Pfanne mit Öl und mach es warm, doch nicht allzu heiß. Streiche die Kärpflein ab und lege sie in das warme Öl. Backe sie darin eine halbe Viertelstunde, nimm sie heraus, lege sie auf Lorbeerblätter und lass sie kalt werden. Gib sie wieder in heißes Öl und lass sie abermals eine halbe Viertelstunde backen.

Backe sie so zwei- oder dreimal in dem Öl. Wenn sie danach kalt sind, pack sie in eine Schachtel mit Lorbeerblättern unten und oben. So kann man sie ziemlich weit verschicken, ohne dass sie verderben; sie bleiben gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Kaͤrpelein Kärpelein - Fischhändler, Teichwirtschaft -
Saltz Salz - - -
Oel Öl - - -
Lorberbletter Lorbeerblätter - - -

Welches Gericht ist das? Kleine Fische werden ausgenommen, mit gekrümmtem Kopf eingesalzen und dann zwei- oder dreimal je eine halbe Viertelstunde in Öl gebacken, mit Abkühlen auf Lorbeerblättern dazwischen. Kalt kommen sie mit Lorbeer in eine Schachtel. Rumpolt nennt als Zweck nur, dass man sie so weit verschicken kann, ohne dass sie verderben. Dasselbe Verfahren mit Forellen steht in rum-0946.

Kärpflein. Gemeint sind nach dem Schwesterrezept rum-0946 die „rechten Kärpelein“, für die Forellen nur der Ersatz sind; die nächstliegende Lesart ist kleine Karpfen. Wie groß die Fische sein sollen, sagt der Text nicht.

Salzen und Abstreichen. Das Salz würzt und zieht Wasser aus dem Fisch. Was abgestrichen wird, sagt der Satz nicht; nach dem Einsalzen liegt das Salz nahe, und rum-0946 sagt es ausdrücklich.

Mehrfaches Backen. Der erste Gang geschieht in warmem, „nicht gar zu heißem“ Öl, die weiteren in heißem. Jeder Gang dauert eine halbe Viertelstunde, also etwa 7,5 Minuten. Ob die Fische schon im ersten Gang durchgaren oder erst über die Wiederholungen, bleibt offen; ebenso, wie tief das Öl in der Pfanne steht.

Lorbeer. Die Blätter dienen als Unterlage beim Abkühlen und als Packmaterial oben und unten in der Schachtel. Mehr sagt der Text über sie nicht.

Praxis. Handlange Fische ausnehmen, den Kopf zur Seite biegen, 1-2 Stunden einsalzen, dann das Salz gründlich abstreifen und die Fische trocken tupfen. In einer tiefen Pfanne so viel Öl erhitzen, dass die Fische weitgehend bedeckt sind, beim ersten Gang mäßig heiß (etwa 150-160 °C), bei den folgenden heißer (etwa 170 °C). Je Gang etwa 7-8 Minuten backen, auf Lorbeerblätter legen und ganz auskühlen lassen; insgesamt zwei- bis dreimal, bis die Fische durchgegart sind. Zuletzt kalt mit Lorbeer unten und oben in eine Schachtel legen. Heißes Öl nie unbeaufsichtigt lassen, die Fische vor dem Einlegen gut abtrocknen. Die fertigen Fische sind Frischware: gekühlt aufbewahren und bald essen. Die Zeitangabe von etwa 90 Minuten ohne das Einsalzen ist eine Schätzung; der Text nennt keine Gesamtzeit.

Was bedeutet „ein halbe viertheil stundt“?

Eine halbe Viertelstunde, also ein Achtel einer Stunde oder 7,5 Minuten. So lange dauert jeder der zwei oder drei Backgänge.

Was sind Kärpelein?

Die nächstliegende Lesart ist kleine Karpfen, als Verkleinerungsform zu „Karpfen“. Rumpolt schreibt im Forellenkapitel, man finde „nit allzeit die rechten Kärpelein“ und könne sie deshalb auch aus Forellen machen (rum-0946). In einer seiner Speisefolgen heißen sie „Kärpelein in Oel gebacken, die man fängt im Gartzsee“; ob damit ein bestimmter Fisch gemeint ist, lässt sich nicht sicher sagen.

Warum werden die Fische mehrmals gebacken und auf Lorbeer gelegt?

Einen Grund für das mehrfache Backen nennt Rumpolt nicht. Er sagt nur, dass man die Fische danach ziemlich weit verschicken kann, ohne dass sie verderben, und dass sie gut und wohlschmeckend bleiben. Maestro Martino schreibt bei einem ähnlichen Verfahren (mar-252), das Nachbacken lasse die Fische länger halten, mache sie aber jedes Mal schlechter. Die Lorbeerblätter dienen im Text als Unterlage beim Abkühlen und als Packmaterial in der Schachtel.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frischer Fisch braucht bis zum Einsalzen und Backen eine Kühlkette. Die fertigen Fische werden kalt gegessen und lassen sich deshalb vorbereiten; eine Haltbarkeitsfrist nennt Rumpolt aber nicht. Wer sie mitnimmt, hält sie kühl und isst sie bald.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

I. NJim̃ die Kaͤrpelein, vnd thu sie auff, beug jnen die Koͤpff, daß sie krumb werden, saltz sie eyn, vnd laß ein stundt oder zwo im Saltz ligen. Nim̃ darnach ein Pfannen mit Oel, machs warm, doch nicht gar zu heiß, streich die Kaͤrpelein ab, vnnd leg sie in das warm Oel, backs darinnen ein halbe viertheil stundt, thu es herauß, vnd legs auff Lorberbletter, vñ laß kalt werden, thu sie wider in ein heiß Oel, laß abermal backen ein halb viertheil stundt. Vnnd backs also zwey oder dreymal in dem Oel. Wenn sie darnach kalt seyn, so mach sie eyn in ein Schachtel mit Lorberblettern vnten vnnd oben. Also kan man sie zimlich weit schicken, daß sie nicht anbruͤchig werden, bleiben gut vnd wolgeschmack.
Kaͤrpelein

Verkleinerungsform zu „Karpfen“, also kleine Karpfen. Eine Speisefolge Rumpolts für den Fasttag nennt „Kärpelein in Oel gebacken, die man fängt im Gartzsee“; welcher Fisch genau gemeint ist, bleibt deshalb offen.

thu sie auff

Öffnen, also ausnehmen; so auch im Schwesterrezept rum-0946.

beug jnen die Koͤpff/ daß sie krumb werden

Der Kopf wird zur Seite gebogen, damit der Fisch gekrümmt bleibt. Rum-0946 steckt dazu ein Holzstäbchen hinein; hier nennt der Text kein Hilfsmittel.

streich die Kaͤrpelein ab

Abstreifen. Gemeint ist nach dem Zusammenhang das Salz; rum-0946 sagt ausdrücklich „daß das Saltz davon kompt“.

ein halbe viertheil stundt

Eine halbe Viertelstunde, also ein Achtel einer Stunde oder 7,5 Minuten.

mach sie eyn in ein Schachtel

Einpacken, nicht einlegen: In der Schachtel liegen nur Lorbeerblätter, kein Öl und keine Sauce.

anbruͤchig

Angefault, verdorben (FWB, DWB).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom kleinen Karpfen (Kärpflein)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Saltztable salt Q11254
Oelcooking oil Q427457

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKaͤrpelein

Gewählte Lesart: Kleine Karpfen (Verkleinerungsform zu „Karpfen“). Rumpolt sagt im Schwesterrezept rum-0946 „man findt nit allzeit die rechten Kaͤrpelein/ so kann man sie auch auß den Foren machen“: Die Kärpelein sind also ein eigener Fisch, die Forelle der Ersatz. Für die Verkleinerungsform selbst fand sich kein Wörterbucheintrag, nur für „Karpfen“.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein bestimmter Fisch aus dem Gardasee - Eine Speisefolge Rumpolts für den Fasttag nennt „Kärpelein in Oel gebacken, die man fängt im Gartzsee“, und Maestro Martino beschreibt ein ähnliches Verfahren für „carpioni“ (mar-252). Ist der Gardasee gemeint, könnte ein dort gefangener Fisch gemeint sein, nicht der gewöhnliche Karpfen. Ohne weiteren Beleg bleibt das eine Vermutung.

LesartOel

Gewählte Lesart: Öl, ohne nähere Angabe. Der Text legt die Sorte nicht fest.

Andere mögliche Lesart:

  • Olivenöl - Das Schwesterrezept rum-0946 schreibt ausdrücklich „Baumoͤl“, also Olivenöl, und auch Martino backt seine carpioni in Öl (mar-252). Für dieses Rezept selbst ist es nicht belegt.

Lesartstreich die Kaͤrpelein ab

Gewählte Lesart: Das Salz abstreifen. Die Fische lagen zuvor ein bis zwei Stunden im Salz; rum-0946 sagt beim selben Schritt „daß das Saltz davon kompt“.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Fische allgemein abwischen oder abtrocknen - Der Satz nennt kein Objekt; praktisch läuft es auf dasselbe hinaus.

Lesartein Pfannen mit Oel

Gewählte Lesart: Backen in der Pfanne; wie tief das Öl steht, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Heute: so viel Öl, dass die Fische weitgehend bedeckt sind - Praxisvorschlag für die Nachkochfassung, nicht aus dem Text.
  • Flach in wenig Öl braten und wenden - Mit „Pfanne“ ebenso vereinbar; „backen“ legt die Öltiefe nicht fest.

Lesartzwey oder dreymal

Gewählte Lesart: Insgesamt zwei- oder dreimal backen, den ersten Gang mitgezählt.

Andere mögliche Lesart:

  • Zwei oder drei Wiederholungen nach dem ersten Gang, also bis zu viermal - Das Schwesterrezept rum-0946 nennt „drey oder viermal“; der Satz hier lässt beides zu.

Lesartbacks darinnen ein halbe viertheil stundt

Gewählte Lesart: Jeder Gang dauert eine halbe Viertelstunde; ob die Fische dabei schon durchgaren oder erst über mehrere Gänge, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Heute: handlange Fische so oft backen, bis sie sicher durchgegart sind - Praxisvorschlag; Fischgröße und Garpunkt nennt der Text nicht.

Lesartbeug jnen die Koͤpff/ daß sie krumb werden

Gewählte Lesart: Den Kopf biegen, ohne Hilfsmittel; der Text nennt keines.

Andere mögliche Lesart:

  • Mit einem Holzstäbchen fixieren - So im Schwesterrezept rum-0946 („steck ein Speil darein“), hier nicht belegt.

LesartAlso kan man sie zimlich weit schicken

Gewählte Lesart: Die Fische lassen sich weit verschicken, ohne zu verderben; eine Frist nennt Rumpolt nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Haltbar über zwanzig Tage bis einen Monat - So Martino für seine carpioni (mar-252), dort aber nach zwei Tagen in Salzlake. Auf Rumpolts Verfahren lässt sich die Frist nicht übertragen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CVIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0966
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: frischer Fisch, Kühlkette bis zum Einsalzen und Backen. Danach lässt sich das Gericht gut vorbereiten, weil es kalt gegessen wird; eine Haltbarkeitsfrist nennt Rumpolt aber nicht, die fertigen Fische also kühl transportieren und bald essen. Benötigt Pfanne, reichlich Öl und eine gut regelbare Wärmequelle.
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Stand dieser Fassung: 11.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.