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Capelungen, in Italien auch roh gegessen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Man isst die Capelungen an etlichen Orten in Italien auch roh.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Capelungen Capelungen - Fischhändler, frische Ware (bei der Deutung als Muscheln) -

Welches Gericht ist das? Kein Gericht im engeren Sinn: Nach dem Sieden (Nr. 1) und dem Braten auf dem Rost (Nr. 2) vermerkt Rumpolt nur noch, dass man die Capelungen in Italien auch roh isst. Garverfahren, Gerät und Beigaben nennt er nicht.

Welches Tier? Der Holzschnitt über dem Kapitel zeigt eine Muschelschale und ein Bündel länglicher Röhrenschalen. Zusammen mit dem Rohessen in Italien spricht das für Muscheln, wohl Scheiden- oder Schwertmuscheln. Belegt ist die Deutung nicht, deshalb bleibt Rumpolts Wort im Titel.

Roh. Der Text sagt nur „roh“, nichts zu Würze, Zitrone oder Essig. Wir ergänzen nichts.

Praxis. Wer die Zeile umsetzen will, isst die Muscheln roh und ohne Zugabe. Das setzt ganz frische, durchgehend gekühlte Ware voraus.

Was sind Capelungen?

Das ist nicht sicher geklärt. Der Holzschnitt über dem Kapitel zeigt eine Muschelschale und ein Bündel länglicher Röhrenschalen, und Rumpolt schreibt, dass man Capelungen an etlichen Orten in Italien auch roh isst. Beides spricht für Muscheln, wohl Scheiden- oder Schwertmuscheln; der Name erinnert an italienisch cappa lunga. Ein Wörterbuchbeleg fehlt.

Ist das ein eigenes Rezept?

Nein. Es ist die dritte Nummer im Kapitel „Von Capelungen“ und ergänzt die beiden Zubereitungen davor (in Wein und Wasser gesotten, auf dem Rost gebraten) um den Hinweis, dass man die Tiere in Italien auch roh isst. Eine Anleitung gehört nicht dazu.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, denn es gibt keinen Arbeitsschritt, nur die Bemerkung über den Rohverzehr in Italien. Für die Lagerküche taugen eher die beiden Zubereitungen davor.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

3. Man jsset die Capelungen an etlichen orten in Jtalia auch roh.
Capelungen

Rumpolts Name für das Meerestier, dem er ein eigenes Kapitel mit drei Nummern widmet. Ein Wörterbuchbeleg fehlt; mittelhochdeutsch capelun verweist nur auf gabilun, ein drachenartiges Fabeltier, und hilft nicht weiter. Der Holzschnitt über dem Kapitel (eine Muschelschale und ein Bündel länglicher Röhrenschalen), der Anklang an italienisch cappa lunga und das Rohessen in Italien sprechen für Muscheln, wohl Scheiden- oder Schwertmuscheln. Das ist eine Deutung, kein Beleg.

an etlichen orten in Jtalia

„An etlichen Orten in Italien“: Rumpolt gibt eine Herkunftsangabe, keine Empfehlung für die eigene Küche.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Capelungen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCapelungen

Gewählte Lesart: Die Druckform „Capelungen“ bleibt stehen. Gemeint ist wahrscheinlich eine Muschel, am ehesten Scheiden- oder Schwertmuscheln (ital. cappa lunga): Der Holzschnitt über dem Kapitel zeigt eine Muschelschale und ein Bündel länglicher Röhrenschalen, Nr. 3 nennt das Rohessen in Italien, und das Kapitel steht unter den Meerestieren. Ein Wörterbuchbeleg fehlt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Art offen, nur die Druckform - Solange kein Wörterbuch das Wort belegt, ist die Muscheldeutung eine Folgerung; mittelhochdeutsch capelun (s. gabilun) meint ein Fabeltier und nicht diese Speise.
  • Kapelan (Lodde), ein kleiner Fisch - Verworfen: kein Beleg; ein Fisch der nördlichen Meere passt weder zum Holzschnitt noch zum Rohessen in Italien.
  • Kapaun - Verworfen: Das Kapitel steht unter den Meerestieren, und Rumpolt schreibt den Kapaun „Cappaun“.

Lesartroh

Gewählte Lesart: Der Text sagt nur „roh“: ohne Würze, Zitrone oder Essig. Wir ergänzen nichts.

Andere mögliche Lesart:

  • Roh und frisch geöffnet, ohne Zugabe - So setzt man die Zeile heute um; Beigaben nennt Rumpolt nicht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXXXb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1230
LagerkücheLagerküche
Nein: kein Rezept, nur die Bemerkung, dass man die Capelungen in Italien auch roh isst. Es gibt keinen Arbeitsschritt.
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Stand dieser Fassung: 14.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.