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Himmelthau in Rindfleischbrühe, Mandelmilch oder Milch

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Himmelthau. Koche ihn mit einer Rindfleischbrühe, wie man Gerste kocht, oder mit Mandelmilch, fein süß, oder mit Kuhmilch und frischer, ungesalzener Butter, die nicht sauer ist. So wird es weiß und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Him̃elthaw Himmelthau - - -
einer Rindtfleischbruͤh Rindfleischbrühe - - -
Mandelmilch Mandelmilch - Supermarkt -
(erschlossen) Zucker - - -
Kuͤmilch Kuhmilch - - -
frischer vngesaltzener Butter Frische ungesalzene Butter - - -

Welches Gericht ist das? Ein Brei aus Himmelthau, einer Körnerware, die Rumpolt in drei Flüssigkeiten kochen lässt: in Rindfleischbrühe, in gesüßter Mandelmilch oder in Kuhmilch mit frischer, ungesalzener Butter. Nr. 101 ist die Kurzformel; die beiden folgenden Rezepte führen die Milch- und die Mandelmilchfassung aus (rum-1384, rum-1385).

Welches Korn? Die Grundzutat ist nicht sicher bestimmt. Waschen und Verlesen in Nr. 102 sprechen für ein kleines Korn; eine Ersatzzutat legt diese Seite nicht fest.

Wie Gerste gekocht. Rumpolt verweist auf sein Gerstenverfahren (rum-1367): das Korn in der Flüssigkeit sieden lassen, bis es dick wird. Eine Zeit nennt er nicht; heute kocht man, bis die Körner weich sind und der Brei bindet.

Fein süß. Die Mandelmilchfassung wird gesüßt; heute nimmt man Zucker und dosiert vorsichtig. Nr. 103 nennt weißen Zucker.

Praxis. Ein Topf, schwaches Sieden. Die Butter muss frisch und ungesalzen sein, sonst verdirbt sie den milden Geschmack der Milchfassung. Weiß werden nur die Fassungen mit Milch oder Mandelmilch; die Brühefassung bleibt dunkler.

Was ist ‚Himmelthau‘?

Bei Rumpolt eine Zutat, kein Gerichtsname: In den folgenden Rezepten wird der Himmelthau gewaschen, verlesen und in Milch oder Mandelmilch gekocht (rum-1384, rum-1385). Das passt zu einem kleinen Korn. Mundartwörterbücher stellen das Wort in die Nähe von Hirse und Mannagrütze, den Samen des Flutenden Schwadens. Welches Korn Rumpolt meint, ist nicht sicher bestimmt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, mit Vorbehalt. Man braucht nur einen Topf und ein Feuer. Die Fassung mit Rindfleischbrühe setzt aber fertige Brühe voraus, Kuhmilch und frische Butter müssen gekühlt werden, und die Grundzutat ist nicht sicher bestimmt.

Was bedeutet ‚wie man Gersten seudt‘?

Rumpolt verweist auf sein Gerstenrezept Nr. 85 (rum-1367): Dort wird die Gerste in Wasser vorgekocht, gewaschen, verlesen und in Milch gesotten, bis sie dick wird. Der Himmelthau soll nach diesem Muster gekocht werden. Gerste selbst gehört nicht ins Gericht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

101. Him̃elthaw. Koch jn mit einer Rindtfleischbruͤh, wie man Gersten seudt, oder mit Mandelmilch fein suͤß, oder mit Kuͤmilch, vnd frischer vngesaltzener Butter, die nicht saur ist, so wirt es weiß vnd wolgeschmack.
Him̃elthaw

Wörtlich ‚Himmelstau‘. Bei Rumpolt der Name einer Körnerware, die man wäscht, verliest und in Milch oder Brühe kocht (rum-1384, rum-1385). Welches Korn gemeint ist, ist nicht gesichert.

wie man Gersten seudt

Verweis auf Rumpolts eigenes Gerstenverfahren in Nr. 85 (rum-1367). Gerste ist hier keine Zutat.

vngesaltzener Butter / die nicht saur ist

Frische Butter ohne Salz, die noch nicht sauer geworden ist.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

einer Rindtfleischbruͤhmeat stock Q67860017
Mandelmilchalmond milk Q975953
(erschlossen)unrefined cane sugar Q57656231
Kuͤmilchcow milk Q10988133

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartHim̃elthaw

Gewählte Lesart: Name einer Körnerware, die als Zutat gekocht wird: ‚Koch jn‘ bezieht sich auf das Wort der Überschrift, und Nr. 102 verlangt ‚Wasch den Him̃elthaw sauber auß/ klaub jn‘. Staindl kocht ‚himel thaw‘ ebenfalls in Milch. Welches Korn gemeint ist, bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Samen des Flutenden Schwadens (Mannagrütze) - Mundartwörterbücher kennen Mannagrütze als Schwadensamen, der früher als Speise zubereitet wurde; die Gleichung mit Rumpolts Himmelthau ist für das 16. Jahrhundert nicht belegt.
  • Eine Hirseart - Ein Wörterbuchbeleg stellt ‚himmelsthau‘ in eine Reihe mit Hirse; ein sicherer Beleg für Rumpolts Wortgebrauch fehlt.
  • Manna als süßer Saft der Manna-Esche - Ein Saft wird nicht gewaschen und verlesen; die Lesart passt nicht zum Wortlaut von Nr. 102.
  • Weizengrieß - Kein Textbeleg; Rumpolt nennt Grieß hier nicht.

Lesartwie man Gersten seudt

Gewählte Lesart: Verweis auf das Gerstenverfahren in Nr. 85: das Korn in Flüssigkeit sieden, bis es dick wird.

Andere mögliche Lesarten:

  • Nur ein Vergleich der Garzeit: so lange kochen wie Gerste - Möglich; der knappe Satz trennt Verfahren und Dauer nicht.
  • Praxis heute: kochen, bis die Körner weich sind und der Brei bindet - Moderne Hilfe, keine Textangabe; der Text nennt keine Zeit.

Lesartfein suͤß

Gewählte Lesart: Die Mandelmilchfassung wird gesüßt, das Süßmittel nennt Rumpolt hier nicht. Zucker liegt nahe, weil Nr. 103 ausdrücklich ‚weissem Zucker‘ verlangt.

Andere mögliche Lesart:

  • Honig - In der Himmelthau-Reihe nicht belegt; Nr. 102 und 103 nennen nur Zucker.

Lesartso wirt es weiß

Gewählte Lesart: Bezieht sich auf die Fassungen mit Kuhmilch und Butter und mit Mandelmilch; mit Rindfleischbrühe wird der Brei nicht weiß.

Andere mögliche Lesart:

  • Gilt für alle drei Fassungen - Der Satz steht am Ende der ganzen Reihe; sachlich passt er nur zu den hellen Fassungen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLVIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1383
LagerkücheLagerküche
Ein Topf am Feuer genügt. Die Fassung mit Rindfleischbrühe setzt fertige Brühe voraus, Kuhmilch und frische Butter brauchen Kühlung, Mandelmilch muss vorbereitet werden. Die Grundzutat ist nicht sicher bestimmt, deshalb keine Spitzenwertung.
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.