Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Nimm Gerste und koche sie zuerst gut in Wasser. Wasche sie in drei oder vier Wassern aus, verlese sie und gib sie in Milch. Lass sie darin langsam sieden, bis sie dick wird.
Gib auch reine Butter hinein und lass es mitsieden. Salze es und gib es warm auf den Tisch. Gieße lautere Butter, die wohlschmeckend ist, darüber, so ist es gut und wohlschmeckend.
Du kannst schönen weißen Zucker darüberstreuen oder nicht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Gersten | Gerste | - | Supermarkt | - |
| Wasser | Wasser | - | - | - |
| Milch | Milch | - | - | - |
| reine Butter | reine Butter | - | - | - |
| lauter Butter | lautere Butter | - | - | Butter |
| saltzs | Salz | - | - | - |
| schoͤnen weissen Zucker | schöner weißer Zucker (optional) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein schlichter Gerstenbrei: Die Gerste wird in Wasser vorgekocht, in drei oder vier Wassern gewaschen, verlesen und dann in Milch langsam gesotten, bis sie dick wird. Reine Butter kocht mit, gesalzen wird zum Schluss, und über die angerichtete Speise kommt lautere Butter; den Zucker stellt Rumpolt frei. Heute erinnert das an einen Milchbrei aus Graupen; das ist eine Ähnlichkeit, keine Ableitung.
Welche Gerste? Der Text nennt die Art nicht. Am einfachsten sind Perlgraupen, die in etwa 30 Minuten vorgegart sind. Ganze, geschälte Gerste geht auch, braucht aber deutlich länger.
Vorkochen und Waschen. Das Vorkochen in Wasser gart die Gerste an; in Milch allein würde das lange dauern, und die Milch setzt leicht an. Gewaschen wird erst danach, das spült Kochstärke und Schaum ab. Einen Grund dafür nennt Rumpolt nicht. Danach wird die Gerste verlesen.
In Milch dick sieden. „Fein gemach“ heißt langsam, bei kleiner Hitze. Die Stärke der Gerste bindet die Milch, ein weiteres Bindemittel braucht es nicht. Rühren nennt der Text nicht; gelegentliches Rühren hält den Brei vom Topfboden fern, das ist ein moderner Praxishinweis.
Zweimal Butter. Die reine Butter siedet im Brei mit. Die lautere Butter, also geklärte Butter, kommt erst über die angerichtete Speise. Heute nimmt man dafür Butterschmalz oder klärt Butter selbst.
Praxis. Mengen nennt der Text nicht. Die Milch so bemessen, dass die vorgegarte Gerste gut bedeckt ist, und bei Bedarf nachgießen. Erst am Ende salzen. Die Zubereitungszeit von etwa einer Stunde mit Perlgraupen ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an; mit ganzer Gerste dauert es eher anderthalb bis zwei Stunden.
„Klauben“ heißt auslesen oder verlesen: Aus der gewaschenen Gerste wird herausgelesen, was nicht hineingehört. Was das im Einzelnen ist, sagt der Text nicht.
Der Text nennt die Art nicht. Am einfachsten sind Perlgraupen, die in etwa 30 Minuten vorgegart sind; ganze, geschälte Gerste braucht deutlich länger.
Geklärte Butter, also ausgelassene, klare Butter; so wird „lauter Butter“ im ganzen Buch gelesen. „Lauter“ heißt klar, rein. Heute nimmt man Butterschmalz oder klärt Butter selbst.
Ja. Gerste, Salz, Zucker und geklärte Butter halten sich gut, und es braucht nur einen Topf am Feuer. Frische Milch und Butter müssen bis zum Kochen kühl bleiben; mit haltbarer Milch geht es ebenso. Mit Perlgraupen dauert die Zubereitung etwa eine Stunde, das ist eine Schätzung.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
„Klauben“ heißt einzeln auslesen, verlesen. Rumpolt gebraucht das Wort oft, etwa für das Herauslesen von Fett; hier wird aus der gewaschenen Gerste herausgelesen, was nicht hineingehört.
„Fein gemach“ heißt gemächlich, langsam: Die Gerste soll bei kleiner Hitze in der Milch sieden.
„Lauter“ heißt klar, rein. Gemeint ist Butter, die ausgelassen und klar ist, also geklärte Butter; im ganzen Buch wird die Wendung so aufgelöst. Die „reine Butter“ davor kocht im Brei mit, die lautere kommt zum Schluss obenauf.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Gersten | barley Q27660203 |
| Wasser | water Q283 |
| Milch | milk Q8495 |
| reine Butter | butter Q34172 |
| saltzs | table salt Q11254 |
| schoͤnen weissen Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
lauter Butter
Gewählte Lesart: Geklärte Butter: „lauter“ heißt klar, rein (FWB); im Gegensatz zur „reinen Butter“, die im Brei mitkocht, wird sie zum Schluss darübergegossen, und im ganzen Buch wird die Wendung so aufgelöst.
Andere mögliche Lesart:
Gerste
Gewählte Lesart: Der Text nennt die Art nicht; ganze, geschälte Gerstenkörner passen zum gründlichen Vorkochen („seudt sie wol“) und brauchen deutlich länger.
Andere mögliche Lesart:
laß darmit fein gemach sieden
Gewählte Lesart: Die Gerste siedet langsam in der Milch; von Rühren steht nichts im Text.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.