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Durchgestrichene Gerste in Rindfleischbrühe mit Butter und Ei

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 75 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Gerste, die in Rindfleischbrühe gekocht wurde. Streiche sie durch ein Haartuch, sodass sie schön dick wird.

Gib sie in einen verzinnten Fischkessel. Füge frische Butter hinzu und rühre auch Eier darein. Lasse es damit aufkochen, so ist es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Gersten Gerste, in Rindfleischbrühe gekocht - Supermarkt -
Rindtfleischbruͤh Rindfleischbrühe - Supermarkt Gemüsebrühe (für eine vegetarische Variante)
frische vngeschmaͤltzte Butter Frische Butter - Supermarkt -
Eyer Eier - Supermarkt -

Welches Gericht ist das? Gerste, die schon in Rindfleischbrühe gar gekocht ist, wird durch ein Haartuch gestrichen, bis sie schön dick ist, und dann in einem verzinnten Kessel mit frischer Butter und Eiern aufgekocht. Heraus kommt ein feines, gebundenes Gerstenpüree als Beilage. Salz und Gewürze nennt der Text nicht; der Geschmack kommt aus der Brühe und der Butter.

Die Gerste vorgaren. Rumpolt setzt die gekochte Gerste voraus. Wie man sie in Rindfleischbrühe siedet, steht im Nachbarrezept mit dem Hammelschlegel (rum-1365). Heute nimmt man Perlgraupen oder Rollgerste und kocht sie in der Brühe ganz weich, je nach Sorte etwa 40 bis 60 Minuten.

Durchstreichen. Nur ganz weiche Körner lassen sich durch das Tuch streichen. Schalenreste bleiben zurück, die Stärke der Gerste macht die Masse dick. Das Ergebnis ist ein feines Püree, kein Brei mit Biss. Heute geht das mit einem feinen Sieb oder einem Passiertuch.

Butter und Eier. Die durchgestrichene Gerste kommt in den Kessel, die Butter wird untergerührt, dann die Eier. Danach lässt Rumpolt alles aufsieden. Bei kräftigem Sprudeln flocken die Eier; sicherer ist es, sie bei schwacher Hitze unter Rühren einzurühren und nur bis zur Bindung zu erwärmen. Das ist eine moderne Vorsichtsmaßnahme, kein Schritt aus dem Text.

Praxis. Mengen nennt der Text nicht. Als Anhalt etwa 1 EL Butter und 1 Ei auf 250 g gekochte Gerste. Die angegebenen rund 75 Minuten samt Vorgaren der Gerste sind eine Schätzung. Statt eines verzinnten Fischkessels tut es ein gewöhnlicher Topf.

Was ist ein Haartuch, was ein Fischkessel?

Das Haartuch ist ein Seihtuch aus Haar, meist aus Pferdehaar gewebt; durch es wird die gekochte Gerste gestrichen. Heute nimmt man ein feines Passiertuch oder Sieb. Der Fischkessel ist ein Kessel zum Sieden von Fischen, über seine Form sagen die Wörterbücher nichts; „überzinnt“ heißt innen verzinnt. Rumpolt benutzt ihn auch für Gemüse, zum Nachkochen tut es ein gewöhnlicher Topf.

Muss die Gerste vorher gekocht werden?

Ja. Rumpolt beginnt mit Gerste, die schon in Rindfleischbrühe gesotten ist. Wie das geht, beschreibt er im Nachbarrezept (rum-1365). Die Körner müssen ganz weich sein, sonst lassen sie sich nicht durchstreichen.

Was bedeutet „vngeschmaͤltzte Butter“?

Gemeint ist schlicht frische Butter. „Ungeschmälzt“ grenzt sie von zu Schmalz ausgelassener Butter ab.

Flocken die Eier nicht beim Aufkochen?

Bei starker Hitze kann das passieren. Rumpolt schreibt nur, die Eier einzurühren und alles damit aufsieden zu lassen. Wer sichergehen will, rührt die Eier bei schwacher Hitze ein und erwärmt nur, bis die Masse bindet.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Gerste, Brühe, Butter und Eier werden in einem Kessel über dem Feuer gegart. Die Gerste muss vorher in der Brühe weich gekocht werden, das braucht Zeit. Butter und Eier sollten kühl lagern und bald verbraucht werden, und zum Durchstreichen braucht man ein Haar- oder Passiertuch.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

84. Nim̃ Gersten, die mit Rindtfleischbruͤh gesottẽ ist, streich sie durch ein Haͤrin Tuch, daß fein dick wirt, thu sie in ein vberzindten Fischkessel, thu frische vngeschmaͤltzte Butter darvnter, ruͤr auch Eyer darein, vnd laß darmit auffsieden, so ist es gut vnd wolgeschmack.
Haͤrin Tuch

Ein Seihtuch aus Haar, meist aus Pferdehaar gewebt. Grimms Wörterbuch beschreibt das Haartuch als „gewebe aus haaren oder feinem wollenstoff … zum durchseihen“. Hier wird die gekochte Gerste hindurchgestrichen. Heute tut es ein feines Passiertuch oder Sieb.

daß fein dick wirt

„fein“ verstärkt hier nur: bis sie schön dick wird.

vberzindten Fischkessel

Innen verzinnter Kessel. Belegt ist der Fischkessel als Kessel zum Sieden von Fischen (Grimm: lat. ahenum piscarium); über seine Form sagen die Wörterbücher nichts. Rumpolt nimmt ihn auch für Gemüse und andere Gerichte, das Wort bezeichnet das Gefäß, nicht seinen Inhalt.

vngeschmaͤltzte Butter

Butter, nicht zu Schmalz ausgelassen. Rumpolt meint gewöhnliche frische Butter.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Gerstenbarley Q27660203
Rindtfleischbruͤhmeat stock Q67860017
frische vngeschmaͤltzte Butterbutter Q34172
Eyerchicken egg Q15260613

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGersten/ die mit Rindtfleischbruͤh gesottẽ ist

Gewählte Lesart: Der Text setzt Gerste voraus, die bereits in Rindfleischbrühe gar gekocht ist; wie das geht, beschreibt Rumpolt im Nachbarrezept rum-1365. Ob ganze Körner oder geschälte Graupen gemeint sind, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Perlgraupen oder Rollgerste in Rindfleischbrühe etwa 40 bis 60 Minuten ganz weich kochen. - Praktischer Anhalt für heute; Sorte und Garzeit stehen nicht im Text.

LesartHaͤrin Tuch

Gewählte Lesart: Ein Seihtuch aus Haar, meist Pferdehaar; durch das Tuch wird die weich gekochte Gerste gestrichen, Schalenreste bleiben zurück.

Andere mögliche Lesart:

  • Feines Sieb oder Passiertuch. - Heutiger Ersatz mit derselben Funktion; das Wort selbst meint ein Tuch aus Haar.

Lesartruͤr auch Eyer darein/ vnd laß darmit auffsieden

Gewählte Lesart: Die Eier werden in die Gerste gerührt und alles damit aufgekocht. Ob die Eier in die heiße oder in eine abgekühlte Masse kommen und wie kräftig es sieden soll, sagt der Text nicht; eine Vorsichtsmaßnahme gegen das Flocken kennt er nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Eier bei schwacher Hitze unter Rühren einrühren und nur bis zur Bindung erwärmen. - Moderne Vorsichtsmaßnahme, damit die Eier nicht flocken; nicht im Text, aber mit „auffsieden“ vereinbar, wenn man es nur einmal aufwallen lässt.

LesartMengen von Butter und Eiern

Gewählte Lesart: Der Text nennt weder Mengen von Gerste, Butter und Eiern noch eine Garzeit; das blieb dem Gefühl des Kochs überlassen.

Andere mögliche Lesart:

  • Etwa 1 EL Butter und 1 Ei auf 250 g gekochte Gerste. - Rein moderner Vorschlag zum Nachkochen, im Text nicht genannt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLVIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1366
LagerkücheLagerküche
Geeignet: Gerste, Rindfleischbrühe, Butter und Eier, gegart in einem Kessel über dem Feuer. Die Gerste muss zuerst in der Brühe ganz weich gekocht werden, das braucht Zeit. Butter und Eier kühl halten und bald verbrauchen. Zum Durchstreichen braucht es ein Haar- oder Passiertuch.
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.