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Weiße, bittere Pilze vom Rost

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 20 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Wasche weiße, bittere Pilze aus, pfeffere und salze sie. Dann legt man sie auf einen Rost; brate sie und begieße sie mit Butter. Wenn sie gebraten sind, gib sie warm auf den Tisch und bestreue sie mit Pfeffer und Salz, so werden sie desto besser.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Weiß bitter Schwam̃en Weiße, bittere Pilze - - -
Pfeffer Pfeffer - - -
Saltz Salz - - -
Butter Butter - - -

Welches Gericht ist das? Pilze vom Rost: ausgewaschen, gepfeffert und gesalzen, auf dem Rost gebraten und mit Butter begossen, warm aufgetragen und beim Anrichten noch einmal mit Pfeffer und Salz bestreut. Mehr Zutaten hat das Rezept nicht.

Welche Pilze? Rumpolt nennt sie nur „weiß“ und „bitter“. Ob das zwei Eigenschaften sind oder ein Sortenname, lässt der Text offen; eine Art lässt sich daraus nicht bestimmen. Das Auswaschen ist gewöhnliches Säubern von Erde und Sand. Dass es die Bitterkeit nimmt, sagt der Text nicht.

Rost und Butter. Rumpolt nennt nur den Rost, kein Material und keine Hitze. Die Butter hält die Pilze beim Braten saftig; ob sie geschmolzen oder heiß sein soll, steht nicht da. Gewürzt wird zweimal, vor dem Braten und beim Anrichten. Auf dieses Nachwürzen bezieht sich „so werden sie desto besser“.

Praxis. Ein Metallrost über mittlerer Glut, nicht über offener Flamme, denn tropfende Butter flammt auf. Zum Begießen geschmolzene Butter. Große Köpfe ganz auflegen, damit sie nicht durch den Rost fallen. Rumpolt würzt vor dem Auflegen; wer die Pilze weniger Wasser ziehen lassen will, salzt erst unmittelbar davor. Die Zubereitungszeit von etwa 20 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an. Nur sicher bestimmte Speisepilze verwenden; auf Waschen als Mittel gegen Bitterkeit sollte man sich nicht verlassen.

Welche Pilze sind „weiß bitter Schwammen“?

Das lässt sich nicht bestimmen. Rumpolt nennt nur die Farbe und den bitteren Geschmack, oder er gebraucht einen Sortennamen, den wir nicht mehr zuordnen können. Das Auswaschen im Rezept ist gewöhnliches Säubern; dass es die Bitterkeit nimmt, steht nicht da. Zum Nachkochen nur sicher bestimmte Speisepilze verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frische Pilze verderben schnell und müssen bis zum Braten kühl liegen. Am Feuer selbst genügen Rost, Glut, Butter, Pfeffer und Salz.

Was bedeutet „Roßt“?

Ein Bratrost. Woraus er bestehen soll, sagt der Text nicht; Rumpolt gebraucht das Wort im ganzen Buch, ohne je ein Material zu nennen.

Was wird durch das Nachwürzen „desto besser“?

Rumpolt sagt nur, die Pilze würden „desto besser“, wenn man sie beim Anrichten noch einmal mit Pfeffer und Salz bestreut. Gewürzt wird also zweimal: vor dem Braten und bei Tisch.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

196. Schwammen. Weiß bitter Schwam̃en wasch auß, pfeffers vnd saltzs, so legt man es auff ein Roßt, braͤts vnd begeußt es mit Butter. Vnd wenn sie gebraten seyn, so gib es warm auff ein Tisch, bestraͤw es mit Pfeffer vnd Saltz, so werden sie desto besser.
Schwammen

Schwamm heißt hier Pilz (mhd. swam, swamme; heute vor allem süddeutsch, vgl. „Schwammerl“). Rumpolt gebraucht das Wort im ganzen Kapitel für Pilze.

Weiß bitter Schwam̃en

Welche Pilze gemeint sind, sagt der Text nicht. „Weiß“ und „bitter“ stehen unverbunden nebeneinander: zwei Eigenschaften oder ein Sortenname. Die „Weiß Schwammen/ die auff der Heiden wachsen“ im folgenden Rezept behandelt Rumpolt anders und nennt sie nicht bitter.

Roßt

Rost, ein Bratrost über der Glut (mhd. rôst, „worauf gebraten wird“). Woraus der Rost bestehen soll, sagt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Pfefferpepper Q3143131
Saltztable salt Q11254
Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWeiß bitter Schwam̃en

Gewählte Lesart: Weiße Pilze von bitterem Geschmack, „weiß“ und „bitter“ als zwei Eigenschaften. Die Art ist nicht bestimmbar; der Text sagt nicht, dass das Auswaschen die Bitterkeit nimmt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Ein Sortenname für eine bestimmte, heute nicht zuzuordnende Pilzart - Möglich, weil die Wörter unverbunden vor „Schwammen“ stehen; ein solcher Name ist im Korpus sonst nicht belegt.
  • Dieselben weißen Heidepilze wie im folgenden Rezept Nr. 197 - Unwahrscheinlich: Rumpolt nennt sie dort nicht bitter und behandelt sie anders (schälen, auf Kohlen das schwarze Wasser auslassen).

Lesartwasch auß

Gewählte Lesart: Gewöhnliches Säubern der Pilze von Erde und Sand. Rumpolt verlangt dasselbe Auswaschen bei den Kaiserlingen (Nr. 119), die er nicht bitter nennt.

Andere mögliche Lesart:

  • Auswaschen, um die Bitterkeit zu entfernen - Steht nicht im Text; nichts im Rezept verbindet das Waschen mit dem bitteren Geschmack.

LesartRoßt

Gewählte Lesart: Ein Bratrost über der Glut, Material offen. Rumpolt gebraucht „Roßt“ im ganzen Buch, ohne je das Material zu nennen.

Andere mögliche Lesart:

  • Metallrost über mittlerer Glut - Die übliche heutige Ausführung und für die Praxis der einfachste Weg; im Text nicht festgelegt.

Lesartpfeffers vnd saltzs

Gewählte Lesart: Gewürzt wird vor dem Rost und noch einmal beim Anrichten, so wie der Text es sagt.

Andere mögliche Lesart:

  • Erst unmittelbar vor dem Auflegen salzen - Heutige Praxis, damit die Pilze weniger Wasser ziehen; keine Angabe des Textes.

Lesartbegeußt es mit Butter

Gewählte Lesart: Butter ohne nähere Angabe. Ob geschmolzen oder heiß, sagt der Text nicht; erst das folgende Rezept nennt „heisser Butter“.

Andere mögliche Lesart:

  • Geschmolzene Butter - Zum Begießen praktisch naheliegend; keine Angabe des Textes.

Lesartbraͤts

Gewählte Lesart: Braten ohne Angabe von Dauer und Hitze, bis die Pilze „gebraten seyn“.

Andere mögliche Lesart:

  • Mittlere Glut, etwa 10 bis 15 Minuten - Heutiger Praxisvorschlag, keine Angabe des Textes.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLVa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1478
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frische Pilze verderben schnell und müssen bis zum Braten kühl liegen. Am Feuer selbst genügen Rost, Glut, Butter, Pfeffer und Salz.
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Stand dieser Fassung: 17.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.