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Gebratene weiße Pilze von der Heide

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 30 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm weiße Pilze, die auf der Heide wachsen. Schäle sie, wasche sie aus und gib sie in zwei Schüsseln. Setze die Schüsseln auf Kohlen, so rinnt ein schwarzes Wasser heraus. Gieße es weg.

Nimm die Pilze, pfeffere und salze sie. Lege sie auf den Rost, brate sie und begieße sie mit heißer Butter. Gib sie warm auf den Tisch und bestreue sie mit Pfeffer und Salz. So werden sie gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Weiß Schwammen/ die auff der Heiden wachsen Weiße Pilze, die auf der Heide wachsen - Wochenmarkt, Supermarkt (weiße Zuchtchampignons) -
Butter Butter - - -
Pfeffer Pfeffer - - -
Saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Gebratene Pilze in zwei Schritten: Erst kommen die geschälten und ausgewaschenen Pilze in Schüsseln auf die Kohlen, bis ein dunkles Wasser austritt, das weggegossen wird. Dann werden sie gepfeffert, gesalzen, auf dem Rost gebraten und dabei mit heißer Butter begossen; bei Tisch kommen noch einmal Pfeffer und Salz darüber. Heute erinnert das an gegrillte Pilze mit Butter. Die weißen bitteren Pilze im Rezept davor (rum-1478) und die Kaiserlinge (rum-1401) gehen ebenso auf den Rost, aber ohne den Schritt in der Schüssel.

Welche Pilze? Rumpolt nennt nur „Weiß Schwammen“, die auf der Heide wachsen. Schwamm heißt Pilz; eine Art lässt sich daraus nicht bestimmen. Heute nimmt man weiße Zuchtchampignons. Das ist ein Ersatz, keine Bestimmung. Wildpilze nur, wenn sie sicher bestimmt sind.

Die Schüsseln auf den Kohlen. Worauf sich „setzt es auff Kolen“ bezieht, sagt der Satz nicht genau; gemeint sind wohl die Schüsseln mit den Pilzen, denn auf den Rost kommen die Pilze erst danach. Pilze bestehen großteils aus Wasser und geben in der Hitze Saft ab, den Rumpolt als schwarz beschreibt. Wer ihn abgießt, brät die Pilze danach auf dem Rost, statt sie im eigenen Saft zu dämpfen; einen Grund für den Schritt nennt Rumpolt nicht. Material und Größe der Schüsseln nennt er ebenfalls nicht, „in zwo Schüssel“ kann auch nur heißen, dass die Menge aufgeteilt wird. Heute nimmt man eine Pfanne oder einen Topf aus Eisen oder Edelstahl auf der Glut oder dem Kocher.

Der Rost. Rumpolt nennt nur den Rost, kein Material und keine Hitze. Kleine Pilze fallen durch, deshalb die Hüte ganz oder halbiert auflegen. Das Begießen mit heißer Butter hält die Oberfläche fettig und verhindert, dass die Pilze auf dem Rost austrocknen. Gewürzt wird zweimal: vor dem Braten und noch einmal am Tisch.

Praxis. Die Pilze putzen, kurz waschen und abtropfen lassen. In Pfanne oder Topf auf der Glut erhitzen, bis sie Saft ziehen, etwa 10 bis 15 Minuten, und den Saft abgießen. Die Pilze pfeffern und salzen, auf einem Metallrost über mittlerer Glut etwa 8 bis 10 Minuten bräunen und dabei mit erhitzter Butter begießen; über offener Flamme flammt tropfende Butter auf. Warm auftragen und mit Pfeffer und Salz bestreuen. Mengen nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa 30 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Welche Pilze sind „Weiß Schwammen, die auff der Heiden wachsen“?

Weiße Pilze, deren Art sich nicht bestimmen lässt. Schwamm heißt Pilz; Rumpolt nennt nur die Farbe und den Wuchsort, die Heide. Heute nimmt man weiße Zuchtchampignons, das ist ein Ersatz, keine Bestimmung. Wildpilze nur sammeln und essen, wenn sie sicher bestimmt sind.

Was ist das schwarze Wasser?

Der Saft, den die Pilze in der Hitze abgeben. Rumpolt lässt ihn weggießen, bevor die Pilze auf den Rost kommen; einen Grund nennt er nicht. Ohne den Saft braten die Pilze auf dem Rost, statt im eigenen Wasser zu dämpfen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Am Feuer genügen Pfanne oder Topf, ein Rost, Glut und Butter. Frische Pilze verderben aber schnell und müssen bis zum Braten kühl liegen.

Was ist ein „Roßt“?

Ein Bratrost, der über die Glut gestellt wird. Woraus er besteht, sagt Rumpolt nicht; für die Lagerküche ist ein Metallrost am einfachsten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

197. Weiß Schwammen, die auff der Heiden wachsen, nimpt man, schelt sie, waͤscht sie auß, vnd thut sie in zwo Schuͤssel, setzt es auff Kolen, so wirdt ein schwartz Wasser herauß rinnen, geuß dasselbige hinweg, nim̃ die Schwammen, pfeffers vnd saltzs, legs auff den Roßt, vnnd brats, begeuß mit heißer Butter, gibs warm auff ein Tisch, bestraͤw es mit Pfeffer vñ mit Saltz, so werden sie gut vnd wolgeschmack.
Schwammen

Schwamm heißt bei Rumpolt und allgemein im älteren Deutsch Pilz (mhd. swam). Eine Art nennt der Text nicht; „weiß“ beschreibt die Pilze, bestimmt sie aber nicht.

Heiden

Heide: offenes, unbebautes, meist flaches Land, teils sandig und mit Heidekraut bewachsen. Rumpolt nennt sie als Wuchsort der Pilze.

Kolen

Kohlen, die Glut des Feuers. Auf sie werden die Schüsseln mit den Pilzen gesetzt.

Roßt

Rost, ein Bratrost über der Glut (mhd. rôst). Woraus der Rost bestehen soll, sagt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Butterbutter Q34172
Pfefferpepper Q3143131
Saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWeiß Schwammen / die auff der Heiden wachsen

Gewählte Lesart: Weiße Pilze, Art unbestimmt. Schwamm = Pilz ist belegt; die Farbe und der Wuchsort auf der Heide beschreiben die Pilze, bestimmen aber keine Art.

Andere mögliche Lesarten:

  • „Weiß“ als Name einer bestimmten Pilzgruppe - Kein Beleg. Auch beim Nachbarrezept „Weiß bitter Schwammen“ bleibt offen, ob „weiß“ Farbe oder Gruppenname ist.
  • Heute: weiße Zuchtchampignons - Moderner Ersatz für die Praxis, keine Bestimmung der Art.

Lesartsetzt es auff Kolen

Gewählte Lesart: Die Schüsseln mit den Pilzen kommen auf die Kohlen. Das neutrale „es“ bezieht sich am ehesten auf sie, weil die Pilze erst danach auf den Rost gelegt werden und das Wasser in den Schüsseln gesammelt und weggegossen wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Pilze selbst ohne Schüssel auf die Kohlen setzen - „es“ könnte die Pilzmenge meinen; dann ließe sich das herausrinnende Wasser aber nicht „hinweg“ gießen, und die Schüsseln wären überflüssig.

Lesartin zwo Schuͤssel

Gewählte Lesart: Zwei hitzefeste Schüsseln, die Pilzmenge darauf aufgeteilt; Material und Größe nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Heute: eine Pfanne oder ein Topf aus Eisen oder Edelstahl auf Glut oder Kocher - Praxisvorschlag; der Text legt das Gefäß nicht fest.

LesartRoßt

Gewählte Lesart: Ein Bratrost über der Glut, Material offen. Rumpolt nennt bei seinen Pilzen vom Rost nie das Material.

Andere mögliche Lesart:

  • Metallrost über Glut, Pilze ganz oder halbiert - Die übliche heutige Ausführung; kleine Pilze fallen sonst durch. Im Text nicht festgelegt.

Lesartso wirdt ein schwartz Wasser herauß rinnen / brats

Gewählte Lesart: Keine Zeit genannt. Zeichen für das Ende des ersten Schritts ist das herausrinnende schwarze Wasser, für das Braten gibt der Text kein Zeichen.

Andere mögliche Lesart:

  • Heute: etwa 10 bis 15 Minuten Saft ziehen lassen, 8 bis 10 Minuten auf dem Rost bräunen - Schätzung aus der Praxis, keine Angabe des Textes.

Lesartheißer Butter

Gewählte Lesart: Butter, zum Begießen heiß gemacht; eine Klärung oder ein anderes Fett nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Heute: Butter in einem kleinen Topf am Rand der Glut erhitzen - Praxisvorschlag, im Text nicht beschrieben.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLVa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1479
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frische Pilze verderben schnell und müssen bis zum Braten kühl liegen. Am Feuer genügen Pfanne oder Topf, ein Rost, Glut, Butter, Pfeffer und Salz. Wildpilze nur mit sicherer Bestimmung, sonst Zuchtpilze.
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Stand dieser Fassung: 17.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.