Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Pfauenpastete, kalt eingeschlossen, mit aufrechtem Kopf, Flügeln und Schwanz.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Pfauwen | Pfauwen | - | Nicht im üblichen Handel; Beschaffbarkeit vorab bei einem Geflügelhalter klären. | - |
Welches Gericht ist das? Eine kalte Pfauenpastete, bei der Kopf, Flügel und Schwanz des Pfaus aufrecht stehen. Mehr überliefert der Druck nicht: Teig, Füllung, Würzung und Backzeit fehlen. Zum Vergleich, nicht als Herleitung: Heute erinnert das an eine kalt servierte Pastete im Teigmantel wie Pâté en croûte oder eine englische Raised Pie.
Aufrecht, nicht ehrlich. „auffrichtig“ heißt aufrecht stehend. Kopf, Flügel und Schwanz sind also sichtbar an der Pastete aufgerichtet. Wie sie gehalten oder hergerichtet werden, steht nicht da. Bei der Haselhuhnpastete zwei Nummern weiter (rum-1769) setzt Rumpolt Kopf, Flügel und Schwanz nach dem Backen über die Pastete; das ist ein Vergleich aus dem Kapitel, keine Anweisung für den Pfau.
„Kalt eingemacht“. Gemeint ist der in die Pastete eingeschlossene Vogel, also in einer Teighülle. Bei den Nachbarnummern bedeutet „kalt“, dass die Pastete gebacken und dann erkaltet aufgetragen wird.
Praxis. Es gibt keinen überlieferten Arbeitsschritt, den man prüfen oder nachkochen könnte. Pfau ist nicht im üblichen Handel. Portionen und Zeitaufwand bleiben offen.
Die Vorlage nennt zu dieser Nummer nur diese eine Zeile, eine Anleitung ist nicht überliefert. Warum, lässt sich nicht klären. Wir ergänzen bewusst nichts. Zum Vergleich: Zwei Nummern weiter beschreibt Rumpolt bei der Haselhuhnpastete, wie Kopf, Flügel und Schwanz über die gebackene Pastete gesetzt werden. Für den Pfau sagt er das nicht.
Nein. Im Frühneuhochdeutschen bedeutet aufrichtig aufrecht, senkrecht stehend. Kopf, Flügel und Schwanz des Pfaus stehen also aufrecht an der Pastete. Wie sie befestigt werden, sagt der Text nicht.
Bei Pasteten heißt „eingemacht“ bei Rumpolt: in die Pastete eingeschlossen, also in eine Teighülle gesetzt. „Kalt“ zählt die Pastete zu den kalten Pasteten des Kapitels. Mit modernem Einmachen zur Konservierung hat das nichts zu tun.
Ja. Im Pfauenkapitel steht als zweite von drei Speisen der Pfau „in Pasteten eyngemacht“ und kalt werden gelassen (rum-0578). Auch dort ist nur die Überschrift überliefert.
Eingeschränkt. Es ist keine Zubereitung überliefert, nur die Überschrift. Als Pastete braucht das Gericht Teig, eine Backgelegenheit und eine durchgehende Kühlkette, und Pfau ist im üblichen Handel nicht erhältlich.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Aufrecht, nicht „ehrlich“. Aufrichtig heißt im Frühneuhochdeutschen senkrecht, gerade, aufrecht stehend. Rumpolt gebraucht es auch sonst so, etwa beim kalten Fasan, der „fein auffrichtig steht“. Gemeint sind Kopf, Flügel und Schwanz, die aufrecht an der Pastete zu sehen sind. Wie sie aufgesetzt oder befestigt werden, sagt der Text nicht.
Bei Pasteten heißt „einmachen“ bei Rumpolt: in die Pastete einschließen, also in eine Teighülle setzen. So steht es auch im Pfauenkapitel, wo der Pfau „in Pasteten eyngemacht“ wird (rum-0578). Gemeint ist weder eine Konserve noch ein Anrichten in Brühe oder Soße.
Rumpolts Kategorie: Er unterscheidet in diesem Kapitel kalte und warme Pasteten. Bei den Nachbarnummern wird die Pastete gebacken und dann kalt werden gelassen, etwa bei der Haselhuhnpastete.
Pfauenpastete. „Pasteten“ ist bei Rumpolt auch die Form für eine einzelne Pastete; ob eine oder mehrere gemeint sind, lässt sich aus der Zeile nicht entscheiden.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
auffrichtigem Kopff
Gewählte Lesart: Mit aufrechtem Kopf, aufrechten Flügeln und aufrechtem Schwanz: frühneuhochdeutsch aufrichtig = senkrecht, gerade, aufrecht stehend (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch, erste Bedeutung). Rumpolt gebraucht das Wort beim Fasan (rum-0559) und bei Schwan und Trappe im selben Kapitel (rum-1764, rum-1765) in diesem Sinn.
Andere mögliche Lesart:
kalt eyngemacht
Gewählte Lesart: Kalt in die Pastete eingeschlossen: in einer Teighülle, kalt gegessen. Rumpolt gebraucht „in Pasteten eyngemacht“ für dieselbe Speise im Pfauenkapitel (rum-0578); die Übersetzung gleicht sich daran an. Wie das Einschließen und Kaltwerden hier im Einzelnen geht, sagt die Zeile nicht.
Andere mögliche Lesarten:
Kopf, Flügel und Schwanz an der Pastete
Gewählte Lesart: Der Text sagt nur, dass Kopf, Flügel und Schwanz aufrecht stehen. Ob sie aus der Pastete ragen oder aufgesetzt werden und wie sie halten, bleibt offen.
Andere mögliche Lesart:
Pfauwen Pasteten
Gewählte Lesart: Singular „Pfauenpastete“: „Pasteten“ ist bei Rumpolt auch Einzahl, vgl. „Haselhuͤner Pasteten kalt“ (rum-1769) und das Register „Ein Drappen Pasteten“ (rum-1765).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 09.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.