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Schlehen-Kompott in Wein und Honig

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen1 Glas (~500 ml Sud und Früchte)BuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Schlehen-Kompott: Nimm Wein und Honig zu gleichen Teilen und koche es auf. Nimm danach gut zubereitete und saubere Schlehen und lege sie kalt hinein. Du kannst auch Birnen und Mispeln mit Gewürz bestecken [und einlegen]. Nimm immer nur so viel, wie du anrichten willst, so behält das Gewürz seine Kraft und seine Güte.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
win Wein - - -
hong Honig - - -
schlecha voll berait Schlehen, gut vorbereitet (nach dem ersten Frost) - Wildsammlung (Schlehdorn), Wochenmarkt -
bieran Birnen (optional) - Supermarkt, Wochenmarkt -
nespla Mispeln (optional) - Wochenmarkt (saisonal) Quitten oder kleine Äpfel
gewurtz Gewürz - - -

Welches Gericht ist das? Ein Schlehen-Kompott - in Schlehdorn-Früchte (Schlehen), kalt in einen aufgekochten Wein-Honig-Sud eingelegt. Eine süß-herbe Frucht-Konserve aus der mittelalterlichen Honig-Wein-Einlege-Familie, verwandt mit den eingelegten Quitten und Birnen.

Technik: Wein und Honig zu gleichen Teilen aufkochen, abkühlen lassen, dann die vorbereiteten Schlehen kalt einlegen - kalt, damit das Aroma der (teuren) Gewürze nicht verkocht. Optional Birnen und Mispeln, mit ganzen Gewürzen gespickt. Immer nur die Portion ansetzen, die man anrichtet, damit die Gewürzkraft frisch bleibt.

Praxis: Schlehen erst nach dem ersten Frost (oder aus dem Gefrierfach) verwenden - vorher sind sie zu adstringierend. Gleiche Teile Wein und Honig aufkochen, erkalten lassen, Schlehen (und nach Wunsch mit Gewürz gespickte Birnen/Mispeln) hineinlegen. Eine herb-süße Beilage zu Gebratenem oder ein Vorrat für den Winter.

Was bedeutet ‚schlech' im Titel?

‚Schlech' ist die Schlehe (mhd. slëhe), die herbe Frucht des Schlehdorns - nicht ‚schlecht' und auch nicht ‚schlicht/einfach'. Es handelt sich also um ein Schlehen-Kompott: in Wein und Honig eingelegte Schlehen.

Was ist ein ‚Kompost' in diesem Rezept?

Im mittelalterlichen Sinn eine Zubereitung aus eingelegten Früchten in einer süßen (hier Wein-Honig-)Lake, als Beilage zu herzhaften Gerichten und als Vorrat - keine Süßspeise im modernen Sinn.

Warum werden die Schlehen ‚gut vorbereitet' und kalt eingelegt?

Schlehen sind roh stark adstringierend und werden erst nach dem ersten Frost (oder im Gefrierfach) milder - das meint ‚gut vorbereitet'. Kalt eingelegt werden sie, damit die Gewürze im erkalteten Sud ihr Aroma behalten; deshalb auch der Rat, immer nur so viel anzusetzen, wie man anrichtet.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, ein Goldstandard: Wein-Honig-Sud aufkochen, erkalten lassen, Früchte einlegen - in wenigen Minuten gemacht, robuste Zutaten ohne Kühlbedarf, ideal als Vorrat.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Sschlechn kumpost Nim win vnd hong glich fil vnd er wels dar nach nim schlecha voll berait vnd suber vnd leg sy dar in also kalt och machtu bieran nespla bestecken mit gewurtz je nim so vil als du anrichten wilt So blibt dem gewurtz sin kraft vnd sin gutin etc.
Sschlechn kumpost

Schlehen-Kompott: schlech ist die Schlehe (mhd. slëhe, Frucht des Schlehdorns) - nicht ‚schlecht' und nicht ‚schlicht/einfach'. gumpost (Kompost) = in Wein und Honig eingelegte Früchte.

schlecha voll berait

Gut vorbereitete Schlehen - in der Praxis heißt das: erst nach dem ersten Frost geerntet (oder im Gefrierfach durchgefroren), sonst sind die Früchte zu adstringierend.

vnd suber

Die Münchner Parallelhandschrift Cgm 384 schreibt hier nur 'wolberaittet' (gut vorbereitet), ohne diesen Zusatz - ka1 verlangt zusätzlich saubere Schlehen.

also kalt

Die Früchte werden in den abgekühlten Wein-Honig-Sud eingelegt - kalt, damit die teuren Gewürze ihr Aroma behalten (das sagt der Schluss-Satz ausdrücklich).

bestecken gewurtz

Die Birnen/Mispeln mit ganzen Gewürzen spicken - eine gängige Methode, Aroma in die Früchte zu bringen. Welche Gewürze gemeint sind, sagt der Text nicht.

nespla

Mispeln - altes Kernobst, erst nach Frost/Lagerung weich und genießbar.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 119r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

winwine Q282
honghoney Q10987
schlecha voll beraitsloe Q12059685
bieranpear Q13099586
nesplamedlar Q3092517
gewurtzspice Q42527

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSschlechn kumpost / schlecha

Gewählte Lesart: Schlehen-Kompott - schlech/schlechen ist die Schlehe (mhd. slëhe), die Frucht des Schlehdorns. ‚leg sy darIn' (lege sie hinein) bezieht sich auf die Früchte. Es geht also um in Wein und Honig eingelegte Schlehen.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 119r, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-095
LagerkücheLagerküche
Einlege-/Konservierungsmethode (Wein-Honig-Sud aufkochen, Schlehen kalt einlegen) ohne echte Garmethode für die Hauptzutat - daher nicht als Lagerküche-Gericht eingestuft, sondern nur als Vorrats-Rezept.
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.