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Geröstete Schnecken-Hinterteile

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm das Hinterteil der Schnecke, das du zuvor weggeschnitten hast. Reibe es gut mit Salz und wasche es fein sauber aus. Wirf es in heiße Butter und röste es gut aus. Pfeffere und salze es, so wird es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
hindertheil Schnecken-Hinterteil - Weinbergschnecken im Feinkosthandel; gesotten und geteilt wie in rum-1257 -
Saltz Salz - - -
heisse Butter Butter - - -
pfeffers Pfeffer - - -

Welches Gericht ist das? Das Hinterteil gesottener Schnecken, mit Salz gerieben, sauber gewaschen, in heißer Butter ausgeröstet und mit Pfeffer und Salz gewürzt. Es ist der zweite Teil des ersten Schneckenrezepts im Kapitel (rum-1257): Dort trennt Rumpolt nach dem Sieden Vorder- und Hinterteil, füllt das Vorderteil mit Kräutern und Butter zurück in die Häuschen und legt das Hinterteil beiseite. Hier bekommt es eine eigene Zubereitung.

Vorbereitung. Ein Garschritt für rohe Schnecken steht in diesem Rezept nicht. Die Schnecken müssen wie in rum-1257 vorher eine bis vier Stunden gesotten, aus dem Haus gezogen und geteilt werden. Erst dann beginnt dieses Rezept.

Was ist das Hinterteil? Rumpolt beschreibt nicht, wo er den Schnitt setzt. Du nimmst das Stück, das beim Teilen hinter dem Vorderteil übrig bleibt.

Salz und Waschen. Das Reiben mit Salz und das gründliche Auswaschen entfernt den Schleim; so begründet es Rumpolt beim Vorderteil in rum-1257. Danach gut abtropfen lassen, damit die Butter nicht spritzt.

Rösten. Die Butter heiß werden lassen, die Stücke hineingeben und gut ausbraten, bis sie fest sind und Farbe nehmen. Erst zum Schluss pfeffern und salzen; weil schon mit Salz gerieben wurde, sparsam salzen.

Praxis. Mengen und Zeiten nennt Rumpolt keine. Warm auftragen.

Muss ich die Schnecken vorher kochen?

Ja. Das Rezept setzt voraus, dass die Schnecken wie im ersten Schneckenrezept des Kapitels (rum-1257) eine bis vier Stunden gesotten, aus dem Haus gezogen und in Vorder- und Hinterteil getrennt wurden. Hier wird nur noch das Hinterteil in Butter geröstet.

Was ist mit „Hinterteil“ der Schnecke gemeint?

Das Stück, das Rumpolt in rum-1257 nach dem Auslösen vom Vorderteil trennt und beiseitelegt. Welcher Körperabschnitt genau gemeint ist, sagt er nicht. Klar ist nur, dass es für ihn kein Abfall war, sonst gäbe es dieses Rezept nicht.

Wo bekomme ich Schnecken?

Weinbergschnecken bekommst du im Feinkosthandel. Für dieses Rezept brauchst du sie gesotten und geteilt, wie in rum-1257 beschrieben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frische Schnecken müssen bis zum Kochen kühl bleiben, und vor diesem Rezept steht das Vorsieden von einer bis vier Stunden. Das Rösten in Butter selbst ist in einer Pfanne am Feuer einfach.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

7. Nim̃ das hindertheil, das du zuvor hast weg geschnitten, reibs wol mit Saltz, vnd wasch fein sauber auß, wirffs in heisse Butter, vnnd roͤßt es wol auß, pfeffers vnd saltzs, so wirt es gut vnd wolgeschmack.
hindertheil/ das du zuvor hast weg geschnitten

Verweis auf das erste Schneckenrezept des Kapitels (rum-1257): Dort werden die Schnecken gesotten, aus dem Haus gezogen und in Vorderteil und Hinterteil getrennt, und nur das Vorderteil wird weiterverarbeitet. Hier kommt das beiseitegelegte Hinterteil an die Reihe. Welcher Körperabschnitt genau gemeint ist, sagt Rumpolt nicht.

reibs wol mit Saltz

Reibe es gut mit Salz. Einen Grund nennt Rumpolt hier nicht; beim Vorderteil in rum-1257 schreibt er dazu „so kompt der Schleim davon“.

roͤßt es wol auß

Röste es gut aus, also in der heißen Butter gründlich braten. Wie lange und ob es Farbe nehmen soll, sagt Rumpolt nicht.

pfeffers vnd saltzs

Pfeffere und salze es. Das „s“ am Ende steht jeweils für „es“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Schnecken
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Saltztable salt Q11254
heisse Butterbutter Q34172
pfefferspepper Q3143131

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarthindertheil

Gewählte Lesart: Das Hinterteil der gesottenen, aus dem Haus gezogenen Schnecke, das Rumpolt in rum-1257 („nim̃ die Foͤrdertheil davon/ vnd das Hindertheil auch besonder“) gesondert genommen hat. Wo er den Schnitt setzt und welcher Körperabschnitt das ist, bleibt offen; die Wörterbücher führen das Wort nur allgemein für das hintere Ende von Tier oder Schiff.

Andere mögliche Lesarten:

  • Der Eingeweidesack, der im Gehäuse sitzt und heute meist abgetrennt wird. - Anatomisch naheliegend, weil die Schnecke sonst kaum ein zweites großes Stück hat; bei Rumpolt nicht belegt.
  • Das hintere Ende des Fußes, also Muskelfleisch. - Ebenfalls nicht belegt; Rumpolt beschreibt die Lage des Schnitts nicht.

Lesartroͤßt es wol auß

Gewählte Lesart: In heißer Butter gründlich braten, bis das Stück fest ist und kein Wasser mehr austritt. Eine Farbe oder Zeit gibt Rumpolt nicht an.

Andere mögliche Lesarten:

  • Ausbraten, bis die Stücke Farbe nehmen. - Naheliegende Praxis bei „rösten“ in heißer Butter, vom Text aber nicht ausdrücklich verlangt.
  • Nur in der Butter durchwärmen. - Möglich, falls „rösten“ hier schlicht „braten“ meint; das „wol auß“ spricht eher für gründliches Braten.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXXXVb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1263
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frische Schnecken sind verderbliche Ware und müssen bis zum Kochen kühl bleiben. Das Rezept setzt außerdem voraus, dass die Schnecken wie in [rum-1257](/rezepte/rum-1257/) eine bis vier Stunden gesotten, aus dem Haus gezogen und geteilt wurden. Das Rösten selbst braucht nur eine Pfanne mit Butter und ist am Feuer leicht machbar.
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Stand dieser Fassung: 14.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.