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Schaumig geriebene Erbsen mit Malvasier und Konfekt

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 120 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Erbsen, die mit Lauge geschält sind, und koche sie in Wasser ab, damit der Geschmack davon weggeht. Wenn sie gekocht sind, schütte sie auf einen Durchschlag. Wenn das Wasser abgelaufen ist, gib sie wieder in einen Fischkessel, setze ihn auf heiße Asche und rühre oft um, so werden sie desto eher trocken.

Wenn sie trocken sind, gib sie auf eine Schüssel und lass sie kalt werden. Gib sie in eine Reibschale und reibe sie mit einem hölzernen Stößel, bis sie klein werden. Und wenn du bald anrichten willst, gieße Malvasier dazu und reibe immerfort, so wird es auflaufen wie eine Schneemilch und wird ziemlich weiß.

Nimm es mit einem hölzernen Löffel heraus und setze es haufenweise nebeneinander in eine Schüssel. Bestreue es mit kleinem Konfekt und gib es warm auf den Tisch. So richtet man die Erbsen in Malvasier zu.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Erbeß/ die auß Laugen gehuͤlst seyn Erbsen, die aus Lauge geschält sind - Supermarkt, als geschälte Erbsen -
Wasser Wasser - - -
Maluasier Malvasier - Weinhandel anderer süßer Weißwein
kleinem Confect kleines Konfekt - Konditorei oder Süßwarenhandel -

Welches Gericht ist das? Geschälte Erbsen werden weich gekocht, auf heißer Asche trocken gerührt, nach dem Abkühlen in der Reibschale fein gerieben und kurz vor dem Anrichten mit Malvasier weitergerieben, bis die Masse aufgeht und hell wird. Sie kommt mit dem Holzlöffel in Häufchen in die Schüssel und wird mit kleinem Konfekt bestreut. Eine süß angerichtete Beilage aus dem Zugemüse-Kapitel; Milch, Eier oder Butter enthält sie nicht.

Abkochen und Trockenrühren. Das Kochen in Wasser nimmt den Laugengeschmack heraus. Danach müssen die Erbsen trocken werden: zurück in den Kessel, auf heiße Asche und oft rühren, damit nichts ansetzt. Asche gibt eine mildere Hitze als offene Glut. Wie lange, sagt der Text nicht; er richtet sich nach Augenmaß. Heute die geschälten Erbsen etwa 45 bis 60 Minuten weich kochen, dann bei kleiner Hitze rühren, bis keine Feuchte mehr zu sehen ist. Bleibt die Masse nass, lässt sie sich nicht fein reiben.

Reiben mit Malvasier. Erst die kalten Erbsen klein reiben, den Wein erst kurz vor dem Anrichten zugeben und dann ständig weiterreiben. Rumpolt verspricht, dass die Masse „aufläuft wie eine Schneemilch“; das ist ein Vergleich, wie stark sie tatsächlich aufgeht, ist nicht nachgeprüft. Die Menge Wein nennt er nicht: löffelweise zugießen, bis die Masse aufgeht, aber noch so fest bleibt, dass sie sich in Häufchen setzen lässt.

Warm auftragen. Der Text lässt die Erbsen vor dem Reiben kalt werden und verlangt am Ende „gibs warm“; ein Wiedererwärmen steht nicht da. Wer es warm haben will, wärmt die Masse kurz am Rand der Glut an oder richtet sie in einer vorgewärmten Schüssel an; sonst lauwarm servieren.

Praxis. Mengen, Zeiten und Hitzegrade fehlen im Text. Die Zubereitungszeit von etwa zwei Stunden ist eine Schätzung (Kochen, Trockenrühren, Abkühlen, Reiben) ohne den Laugenschritt; statt Lauge geschälte Erbsen nehmen. Welches Konfekt, sagt Rumpolt nicht; kleines überzuckertes Zuckerwerk passt zu seinem Gebrauch des Wortes an anderer Stelle.

Was heißt „aus Lauge geschält“?

Die Erbsen sind mit Lauge von ihren Hülsen befreit. Rumpolt beschreibt das im ersten Erbsenrezept des Kapitels: mit Lauge aufsetzen und sieden, bis die Hülsen abgehen, dann reiben und sauber auswaschen. Woraus die Lauge gemacht ist, sagt er nicht. Heute nimmt man geschälte Erbsen und lässt diesen Schritt weg.

Werden Erbsen wirklich schaumig wie eine Schneemilch?

Rumpolt verspricht, dass die Masse beim ständigen Reiben mit Malvasier aufläuft wie eine Schneemilch und ziemlich weiß wird. Das ist ein Vergleich: Milch oder Eiweiß kommen in diesem Gericht nicht vor. Wie stark die Erbsen tatsächlich aufgehen, ist nicht nachgeprüft. Der Text verlangt dafür, sie vorher gut trocken zu rühren und fein zu reiben, und den Wein erst kurz vor dem Anrichten zuzugeben.

Was ist ein Reibscherben?

Eine Reibschale, eine irdene Schale zum Zerreiben, ähnlich einem Mörser. Gerieben wird mit einem hölzernen Stößel, den Rumpolt „Keul“ nennt.

Ist das Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Geschälte Erbsen und Malvasier lassen sich lagern. Gebraucht werden ein Kessel, ein Durchschlag, eine Reibschale mit hölzernem Stößel und heiße Asche zum Trockenrühren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

11. Nim̃ Erbeß, die auß Laugen gehuͤlst seyn, seudt sie in Wasser ab, dz der geschmack davon hinweg kompt, wenn sie gesotten seyn, so schuͤt sie auff ein Durchschlag, wenn das Wasser darvon ist, so thu es wider in ein Fischkessel, setzs auff heisse Eschen, vnd ruͤrs offt vmb, so werden sie desto ehe trucken, wenn sie trucken seyn, so thu sie auff ein Schuͤssel, vnd laß sie kalt werden, thu sie in ein Reibscherben, vnnd reib sie mit einer hoͤltzern Keul, biß sie klein werden, vnd wenn du schier wirst anrichten, so geuß Maluasier dazu, vnd reibs jmmerdar, so wirt es aufflauffen, wie eine Schneemilch, vnd wirt zimlich weiß. Nim̃s herauß mit einem hoͤltzern Loͤffel, vnd machs hauffenweiß in eine Schuͤssel nebeneinander, bestraͤw es mit kleinem Confect, gibs warm auff ein Tisch. Also macht man die Erbeß zu in Maluasier.
auß Laugen gehuͤlst

Mit Lauge enthülst. Rumpolt beschreibt das Verfahren im ersten Erbsenrezept desselben Kapitels: Die Erbsen werden mit Lauge aufgesetzt und gesotten, bis die Hülsen abgehen, dann gerieben und sauber ausgewaschen. Woraus die Lauge gemacht ist, sagt er nicht. Hier setzt er den Schritt nur voraus; das Abkochen in Wasser nimmt den Laugengeschmack wieder heraus.

Durchschlag

Ein Sieb, auf dem die gekochten Erbsen abtropfen.

Fischkessel

Belegt ist ein Kessel zum Sieden von Fischen (Grimm: lat. ahenum piscarium); über seine Form sagen die Wörterbücher nichts. Rumpolt nimmt ihn im Zugemüse-Kapitel auch für Erbsen, hier, um sie auf heißer Asche trocken zu rühren.

heisse Eschen

Heiße Asche. Im ersten Erbsenrezept des Kapitels stehen die Erbsen zum Trocknen auf heißen Kohlen, hier auf der Asche.

Reibscherben

Reibschale, eine irdene Schale zum Zerreiben, ähnlich einem Mörser.

hoͤltzern Keul

Ein hölzerner Stößel, mit dem in der Reibschale gerieben wird. „Keule“ meint hier das Gerät, nicht ein Fleischstück.

Maluasier

Malvasier, ein Süßwein. Rumpolt nimmt ihn auch für die grünen Erbsen im Rezept davor.

Schneemilch

Hier nur ein Vergleich. Die Schneemilch war eine eigene Speise: Grimms Wörterbuch nennt sie eine aus Milch und Eiweiß bereitete Speise, Adelung und Campe süßen Milchrahm mit Eiweiß zu Schaum geschlagen. Rumpolt selbst rührt dafür dicke süße Milch mit geschlagenem Eiweiß mit einem Besen aus Birkenreisig, bis sie schäumt. Die Erbsen enthalten weder Milch noch Eiweiß; gemeint ist, dass die Masse beim Reiben aufgeht und weiß wird. Dasselbe Bild gebraucht Rumpolt für den Schaum auf einer Kräuter-Eigelb-Sauce zum Lamm.

Confect

Zuckerwerk. Welche Sorte, sagt Rumpolt hier nicht. Wo er sonst „kleines Confect“ über ein Gericht streut, sind am ehesten kleine überzuckerte Körner gemeint.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Wasserwater Q283
Maluasiermalvasia Q1165349

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwie eine Schneemilch

Gewählte Lesart: Vergleich für Schaum und Farbe: Die Masse geht beim Reiben auf und wird weiß wie eine Schneemilch. Rumpolt gebraucht das Bild ebenso beim Lamm mit Kräuter-Eigelb-Sauce, und das Gericht enthält weder Milch noch Eiweiß; er selbst nennt es am Schluss „die Erbeß zu in Maluasier“.

Andere mögliche Lesart:

  • Gerichtsname „Erbsen-Schneemilch“ - Die Schneemilch ist bei Rumpolt ein eigenes Gericht aus dicker süßer Milch und geschlagenem Eiweiß. Den Namen auf die Erbsen zu übertragen, macht aus dem Vergleich eine Speiseart, die der Text nicht nennt. Verworfen.

Lesartkleinem Confect

Gewählte Lesart: Kleines Zuckerwerk zum Bestreuen, am ehesten überzuckerte Körner, wie Rumpolt das Wort beim Kalbsbraten mit Weichselsauce gebraucht. Die Sorte nennt er hier nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Konfekt im Sinn einer Arzneimischung oder kandierter Gewürznelken - Die mittelhochdeutschen und mittelniederdeutschen Wörterbücher kennen diese Bedeutungen. Als Streugut über eine süß angerichtete Beilage passt das kleine Zuckerwerk besser; ausschließen lässt sich gewürzhaftes Konfekt nicht.

Lesartgibs warm auff ein Tisch

Gewählte Lesart: Die Erbsen werden vor dem Reiben kalt, ein Wiedererwärmen nennt der Text nicht. „Warm“ heißt dann wohl: gleich nach dem Reiben auftragen, solange die Masse lauwarm ist, etwa in einer vorgewärmten Schüssel.

Andere mögliche Lesart:

  • Die geriebene Masse vor dem Anrichten kurz am Rand der Glut oder in warmer Asche anwärmen - Praktisch, wenn das Gericht wirklich warm auf den Tisch soll; steht aber nicht im Text.

Lesartso geuß Maluasier dazu

Gewählte Lesart: Eine Menge nennt Rumpolt nicht. Sie ergibt sich aus dem Ziel: so viel Wein, dass die Masse beim Reiben aufläuft, und nicht so viel, dass sie sich nicht mehr haufenweise anrichten lässt.

Andere mögliche Lesart:

  • Löffelweise zugießen und weiterreiben, bis die Masse aufgeht, aber noch stichfest bleibt - Moderne Arbeitsanweisung für dasselbe Ziel; wie viel Wein die Masse verträgt, bevor sie zum Brei wird, bleibt offen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1293
LagerkücheLagerküche
Geschälte Erbsen und Malvasier lassen sich lagern. Gebraucht werden ein Kessel, ein Durchschlag, eine Reibschale mit hölzernem Stößel und heiße Asche zum Trockenrühren.
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.