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Geschwemmte Apfelviertel

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 15 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Äpfel und schneide sie viertelweise. Bestreue die Apfelviertel mit Mehl und wirf sie in heiße Butter. Backe sie darin, bestreue sie anschließend mit Zucker und gib sie warm auf den Tisch. So nennt man sie ‚geschwemmte Äpfel‘.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Epffel Äpfel - - -
Mehl Mehl - - -
heisse Butter Butter - - -
Zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Apfelviertel, mit Mehl bestreut, in heißer Butter gebacken und warm mit Zucker bestreut. Heute käme man dem am nächsten mit in Butter gebratenen Apfelspalten. Rumpolt bringt dasselbe Gericht ein zweites Mal im Kapitel über Gebackenes (rum-1690), dort mit ausgeschnittenem Kerngehäuse, einem Spritzer Wein und dem Wunsch, die Äpfel „fein resch“ zu backen. Diese Angaben stehen hier nicht und werden deshalb nicht übertragen.

Mehl und Butter. Das Mehl bildet beim Backen eine dünne Hülle um die Schnitze, die in der heißen Butter leicht bräunt. Wie viel Butter in die Pfanne gehört, sagt Rumpolt nicht, ebenso wenig, ob die Viertel flach gebraten oder im Fett ausgebacken werden.

Der Zucker kommt zuletzt. Rumpolt streut den Zucker erst nach dem Backen über die Äpfel, er wird also nicht mitgebraten.

Praxis. Feste, leicht säuerliche Äpfel nehmen, die beim Backen ihre Form behalten, und in Viertel schneiden. Die Viertel in Mehl wenden, überschüssiges Mehl abklopfen. In einer Pfanne reichlich Butter heiß werden lassen, die Viertel hineingeben und von allen Seiten goldbraun backen, bis sie gar, aber nicht zerfallen sind. Herausnehmen, mit Zucker bestreuen und sofort warm auftragen. Die Zeitangabe von etwa 15 Minuten ist eine Schätzung, Rumpolt nennt keine.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Äpfel, Mehl, Butter und Zucker sind lagerfähig, und eine Pfanne über dem Feuer genügt.

Was bedeutet „geschwemmte Äpfel“?

Rumpolt erklärt den Namen nicht. „Schwemmen“ heißt wörtlich „schwimmen lassen“. Dass die Äpfel nach dem Backen in heißer Butter so heißen, ist eine naheliegende Vermutung, aber nicht belegt.

Welche Äpfel soll ich nehmen?

Rumpolt nennt keine Sorte. Zum Nachkochen eignen sich feste, leicht säuerliche Äpfel, die beim Backen ihre Form behalten und neben dem Zucker nicht zu süß wirken.

Gibt es das Gericht bei Rumpolt noch einmal?

Ja, im Kapitel über Gebackenes als „geschwemmte Äpfel aus der Butter“ (rum-1690). Dort wird das Kerngehäuse ausgeschnitten, ein wenig Wein über die Äpfel gespritzt, und sie sollen knusprig gebacken werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

47. Nim̃ Epffel, vnnd scheidt sie viertel weiß, bestraͤw sie mit Mehl, vnd wirff sie in heisse Butter, vnd back sie, bestraͤw sie mit Zucker, vnnd gibs warm auff ein Tisch, so nennet mans geschwembt Epffel.
geschwembt Epffel

Rumpolt nennt den Namen, erklärt ihn aber nicht. „Schwemmen“ heißt wörtlich „schwimmen lassen“. Dass der Name auf das Backen in heißer Butter zielt, liegt nahe, ist aber eine Vermutung. Dasselbe Gericht steht bei Rumpolt noch einmal als „geschwembt Epffel auß der Butter“ (rum-1690).

viertel weiß

Viertelweise, also in Viertel geschnitten. Vom Kerngehäuse sagt Rumpolt hier nichts.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Epffelapple Q89
Mehlflour Q36465
heisse Butterbutter Q34172
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgeschwembt Epffel

Gewählte Lesart: Gerichtsname „geschwemmte Äpfel“, von „schwemmen“ = schwimmen lassen; der Bezug auf das Backen in heißer Butter ist naheliegend, aber nicht belegt. Rumpolt nennt den Namen hier und in rum-1690, erklärt ihn aber an keiner Stelle.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Äpfel werden vom Zucker „überschwemmt“ - Nicht übernommen: Der Zucker wird erst nach dem Backen gestreut, von einem Überschwemmen ist im Text nichts zu sehen.

LesartApfelsorte und Reifegrad

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt weder Sorte noch Reifegrad; die Stelle bleibt offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Feste, leicht säuerliche Äpfel, die beim Backen ihre Form behalten - Moderne Praxisempfehlung für das Nachkochen, keine Aussage über Rumpolts Äpfel.

Lesartin heisse Butter ... back sie (Fettmenge)

Gewählte Lesart: Rumpolt sagt nur, die Viertel in heiße Butter zu werfen und zu backen; Fettmenge und Backtiefe bleiben offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Pfanne mit reichlich Butter - Moderne Praxis beim Nachkochen; ob die Viertel flach gebraten oder im Fett ausgebacken wurden, sagt der Text nicht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLIIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1329
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: Äpfel, Mehl, Butter und Zucker sind lagerfähig, eine Pfanne über dem Feuer genügt. Kein seltenes Teil, keine aufwendige Vorbereitung.
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.