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Gebratener Käse zwischen zwei Hölzern

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 10 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Binde Käse zwischen zwei Hölzern, lege ihn gegen das Feuer und brate ihn. Nimm ihn vom Spieß und gib ihn warm auf einen Tisch; er ist auch gut.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Kaͤß Käse - Supermarkt -

Welches Gericht ist das? Ein Stück Käse wird zwischen zwei Hölzer gebunden, gegen das Feuer gelegt und gebraten, dann vom Spieß genommen und warm aufgetragen. Rumpolt führt es als Beigabe im Kapitel vom Zugemüse. Mehr als diesen einen Satz gibt der Text nicht: keine Käsesorte, kein Bindematerial, keine Zeit, keinen Abstand zum Feuer.

Die Hölzer. Sie halten den Käse in Form, wenn er weich wird, und man kann ihn damit am Feuer halten und wenden, ohne dass er in die Glut fällt. Welche Form die Hölzer haben, ob Stäbe oder flache Brettchen, sagt Rumpolt nicht. Zum Binden nimmt man heute Küchengarn.

Gegen das Feuer, nicht darüber. „Gegen dem Feuwer gelegt“ heißt vor oder neben das Feuer, in die strahlende Hitze, nicht über die Flamme. Mit etwas Abstand wird der Käse an den Rändern weich und nimmt Farbe, ohne dass die Hölzer anbrennen oder der Käse ausläuft.

Der Spieß. Der Spieß taucht erst im letzten Satz auf: „thu es von dem Spieß“. Bei Rumpolt ist der Spieß sonst durchweg der Bratspieß am Feuer; am nächsten liegt, dass das gebundene Holzpaket an einem Spieß vor das Feuer kommt. Wie es am Spieß befestigt ist, bleibt offen. Heute kann man das Paket auch in eine Grillzange klemmen oder an einem Stab neben die Glut halten.

Welcher Käse? Der Text sagt nur „Kaͤß“. Funktionieren kann das Verfahren nur mit einem festen, schnittfesten Käse, der weich wird, aber nicht zerläuft, etwa einem jungen Bergkäse oder einem Grillkäse. Das ist eine Empfehlung von heute, keine Angabe Rumpolts.

Praxis. Wenige Minuten am Feuer genügen, bis der Käse weich wird und Farbe nimmt; Rumpolt nennt keine Zeit, die angegebenen 10 Minuten sind eine Schätzung ohne Feuermachen. Er will den Käse warm auf dem Tisch haben, also gleich nach dem Braten auftragen. Mengen und Portionen nennt der Text nicht.

Welcher Käse eignet sich?

Rumpolt schreibt nur „Käse“ und nennt keine Sorte. Weil der Käse zwischen zwei Hölzern am Feuer weich werden, aber nicht auslaufen soll, braucht man heute einen festen, schnittfesten Käse, etwa einen jungen Bergkäse oder einen Grillkäse. Frisch- und Weichkäse laufen aus.

Wie werden Hölzer und Spieß verwendet?

Der Käse wird zwischen zwei Hölzer gebunden; Holzart, Form und Bindematerial nennt der Text nicht, heute tut es Küchengarn. Dann kommt er gegen das Feuer, also vor oder neben die Hitze, nicht über die Flamme. Am Ende heißt es, man solle ihn „von dem Spieß“ nehmen; wie das Holzpaket am Spieß sitzt, sagt Rumpolt nicht. Eine Grillzange oder ein Stab neben der Glut ist ein praktischer Ersatz für das Halten am Feuer.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut. Käse ist robustes Lagergut, und man braucht nur zwei Hölzer, etwas zum Binden, einen Spieß und ein Feuer. Nach wenigen Minuten ist der Käse weich und wird, wie Rumpolt schreibt, warm aufgetragen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

123. Gebraten Kaͤß zwischen zwey Hoͤltzern gebunden, gegen dem Feuwer gelegt, vnd gebraten, thu es von dem Spieß vnd gibs warm auff einen Tisch, ist es auch gut.
Hoͤltzern

Hölzer, also Holzstücke ohne nähere Angabe von Form oder Holzart. Einen hölzernen Rost nennt Rumpolt hier nicht. Ein solcher Rost kommt im Buch von guter Speise vor, wo Frischkäse in Scheiben darauf geröstet wird (bgs-025); das ist ein anderes Gerät und ein anderes Gericht.

gibs warm auff einen Tisch

Wörtlich „auf einen Tisch“: Der Käse wird warm aufgetragen. Teller oder Brotunterlage nennt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Kaͤßcheese Q10943

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartthu es von dem Spieß

Gewählte Lesart: Der Spieß wird erst beim Abnehmen genannt. Da Rumpolt mit Spieß sonst den Bratspieß am Feuer meint, wird das zwischen die Hölzer gebundene Stück wohl an einem Spieß vor das Feuer gebracht; wie es daran befestigt ist, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Das Holzpaket wird gegen das Feuer gelehnt, und „Spieß“ meint hier einfach den Halter, also die Hölzer selbst. - Mit dem Wortlaut vereinbar, weil der Text vorher keinen Spieß einführt; für Rumpolts Sprachgebrauch aber weniger naheliegend.
  • Das Paket in eine Grillzange klemmen oder an einem Stab neben die Glut halten. - Praktischer Weg von heute, nicht aus dem Text.

Lesartzwey Hoͤltzern gebunden

Gewählte Lesart: Der Käse wird zwischen zwei Holzstücke gebunden. Form der Hölzer, Holzart und Bindematerial nennt der Text nicht; das blieb dem Koch überlassen.

Andere mögliche Lesart:

  • Zwei flache Holzstücke oder Stäbe, mit Küchengarn zusammengebunden. - Moderner Vorschlag zum Nachkochen; im Text steht nur „Hoͤltzern“ und „gebunden“.

Lesartgegen dem Feuwer gelegt

Gewählte Lesart: Vor oder neben das Feuer gelegt, in die strahlende Hitze, wie man einen Bratspieß vor das Feuer legt.

Andere mögliche Lesart:

  • Direkt über die Glut gehalten. - So steht es nicht im Text; über der Flamme brennen die Hölzer leichter an und der Käse läuft aus.

LesartKaͤß

Gewählte Lesart: Käse ohne nähere Angabe. Welche Sorte Rumpolt im Sinn hatte, lässt sich aus dem Text nicht sagen; das Verfahren setzt einen festen Käse voraus, der zwischen den Hölzern nicht zerläuft.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein fester Schnittkäse, etwa ein junger Bergkäse oder ein Grillkäse. - Empfehlung von heute zum Nachkochen; der Text nennt keine Sorte.

LesartGarzeit und Abstand zum Feuer

Gewählte Lesart: Der Text nennt weder Garzeit noch Abstand zum Feuer; das richtete der Koch nach Augenmaß.

Andere mögliche Lesart:

  • Wenige Minuten, bis der Käse weich wird und Farbe nimmt; die Hölzer nicht in die Flamme halten. - Praktischer Anhalt für heute, nicht aus dem Text.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1405
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Gold: Käse ist robustes Lagergut, und mehr als zwei Hölzer, etwas zum Binden, einen Spieß und ein Feuer braucht es nicht; der Garschritt dauert nur Minuten. Es muss ein fester Käse sein, Frisch- und Weichkäse laufen zwischen den Hölzern aus.
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.