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Torte aus Türkischem Reis

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du magst auch wohl eine Torte daraus machen, so ist es auch gut.

Welches Gericht ist das? Ein Verweis, kein eigenes Rezept: Die Zeile sagt nur, dass man aus dem Vorhergehenden auch eine Torte machen kann. Am nächsten liegt der Türkische Reis der Nummer 176 (rum-1458) - gequollener Reis, mit abgezogenen Mandeln und kleinen schwarzen Rosinen in heißer Butter geröstet, nicht braun, leicht gesüßt.

Worauf bezieht sich „daraus“? Genannt wird es nicht. Für Nummer 176 spricht die Stellung unmittelbar davor und die Masse selbst: Gerösteter Reis mit Rosinen ist genau das, was Rumpolt im Tortenkapitel als Füllung in eine Torte einmacht (rum-1815). Die musigen und flüssigen Reisgerichte davor tragen eine Torte schlechter.

Welche Torte? Teig, Hitze und Gerät nennt die Zeile nicht. Rumpolts Tortenkapitel beschreibt die Torte als Teigboden mit Füllung, im Ofen oder in der Tortenpfanne gebacken; den Teig aus Mehl, Eidotter und Butter gibt rum-1795.

Praxis. Den Reis nach rum-1458 zubereiten, einen Tortenteig nach rum-1795 auswalken, den Reis einfüllen und im Ofen oder in der Tortenpfanne backen. Wie bei der Reis-Rosinen-Füllung (rum-1815) warm auftragen.

Warum steht hier nur ein Satz?

Die Nummer ist ein Verweis auf das vorangehende Rezept: Aus dem dort beschriebenen Reis kann man auch eine Torte machen. Welches Gericht gemeint ist, sagt die Zeile nicht ausdrücklich; am nächsten liegt der Türkische Reis mit Mandeln und Rosinen der Nummer 176.

Wie mache ich daraus eine Torte?

Die Zeile selbst beschreibt keinen Teig und kein Backen. Rumpolts Tortenkapitel gibt beides: den Teig aus Mehl, Eidotter und Butter in rum-1795 und eine Reis-Rosinen-Füllung, die in eine Torte eingemacht und warm aufgetragen wird, in rum-1815.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

177. Du magst auch wol ein Turten darauß machen, so ist es auch gut.
Turten

Torte, bei Rumpolt ein Teig mit Füllung, im Ofen oder in der Tortenpfanne gebacken.

darauß

daraus. Was gemeint ist, nennt die Zeile nicht; am nächsten liegt der Türkische Reis mit Mandeln und Rosinen der vorangehenden Nummer 176.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdarauß

Gewählte Lesart: Bezug auf das unmittelbar vorangehende Rezept Nr. 176 (rum-1458): Reis gequollen, mit abgezogenen Mandeln und kleinen schwarzen Rosinen in Butter geröstet, leicht gesüßt. Die Zeile nennt ihr Ausgangsgericht nicht; der Bezug ist aus der Stellung erschlossen. Gestützt wird er durch Nr. 169 (rum-1451), wo Rumpolt denselben Türkischen Reis ausdrücklich auch für Torten empfiehlt, und durch die Reis-Rosinen-Füllung im Tortenkapitel (rum-1815).

Andere mögliche Lesarten:

  • Die ganze Reisreihe vor Nr. 177 (Reis in Mandelmilch, Reismus, Reis-Igel, Türkischer Reis) als mögliche Ausgangsmasse - Die Zeile legt nicht fest, welches Reisgericht gemeint ist. Küchentechnisch tragen die flüssigen und musigen Zubereitungen und der Reis-Igel eine Torte aber schlechter als der geröstete Reis aus Nr. 176.
  • Türkischer Reis nach Nr. 169 (rum-1451) - Inhaltlich fast dasselbe Gericht und dort ausdrücklich für Pasteten und Torten genannt; steht aber nicht unmittelbar vor Nr. 177.

LesartTurten

Gewählte Lesart: Rumpolt sagt nur, dass man eine Torte daraus machen kann; wie sie gebaut und gebacken wird, steht in dieser Zeile nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Torte mit Teigboden und dem Reis als Füllung, im Ofen oder in der Tortenpfanne gebacken, nach Rumpolts Tortenteig (rum-1795) und der Reis-Rosinen-Füllung (rum-1815) - So beschreibt Rumpolt die Torte in seinem Tortenkapitel; daher die Praxis-Lesart. Für Nr. 177 selbst nicht belegt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1459
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Verweisrezept, die Zubereitung des Reises steht beim Türkischen Reis mit Mandeln und Rosinen (rum-1458) und wird von dort übernommen. Als Torte braucht es zusätzlich einen Teig und eine Backgelegenheit, Ofen oder Tortenpfanne (Tortenteig in rum-1795).
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.