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Adler oder Herz aus Tortenteig, mit Rosenwasser und Zucker gebacken

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm einen Teig, aus dem du Torten machst, und rolle ihn sehr dünn aus. Schneide daraus einen Adler oder ein Herz. Bestreiche es mit Rosenwasser und bestreue es mit gestoßenem weißem Zucker. Schiebe es in den Ofen und backe es. Bleib dabei, bis es gebacken ist, denn es verbrennt schnell. Gib es kalt auf den Tisch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein Teig/ darauß du Turten machst Teig, aus dem man Torten macht - - Nach Rumpolts Grundteig (rum-1795) aus Mehl, Butter, Eigelb und Salz
Rosenwasser Rosenwasser - gut sortierter Supermarkt, orientalischer Supermarkt -
gestossenen weissem Zucker gestoßener weißer Zucker - Supermarkt -

Welches Gericht ist das? Ein dünn ausgerolltes Blatt Tortenteig, zu einem Adler oder einem Herz zugeschnitten, mit Rosenwasser bestrichen, mit gestoßenem Zucker bestreut, im Ofen gebacken und kalt gegessen. Heute käme ein flaches, ausgeschnittenes Zuckergebäck mit Rosenwasser am nächsten. Es ist die ungefüllte Schwester der Apfelmustorte Nr. 43 (rum-1837), die dieselben Formen verwendet.

Der Teig. Rumpolt setzt seinen Tortenteig voraus: Eigelb und Butter unter Mehl arbeiten, zu einem Teig kneten, salzen (rum-1795). Mengen nennt er nicht. Den Teig so dünn wie möglich ausrollen, dann mit einem Messer frei einen Adler oder ein Herz ausschneiden. Wer keinen eigenen Teig machen will, nimmt einen einfachen Mürbeteig.

Rosenwasser und Zucker. Die Oberfläche mit Rosenwasser bestreichen und gleich danach den gestoßenen Zucker aufstreuen, noch vor dem Backen. Das feuchte Rosenwasser lässt den Zucker vermutlich besser haften; der Text erklärt das nicht. Was beim Backen aus dem Zucker wird, sagt Rumpolt ebenfalls nicht.

Backen. Hitze und Zeit fehlen im Text. Im heutigen Ofen sind etwa 180 °C ein Anhaltspunkt, nach wenigen Minuten nachsehen. Rumpolts eigene Warnung trägt die ganze Technik: dabeibleiben, denn dünner Teig mit Zucker bräunt schnell und verbrennt.

Praxis. Auskühlen lassen und kalt auftragen, wie der Text es verlangt. Rolle oder Wellholz, ein scharfes Messer und ein Pinsel für das Rosenwasser genügen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Mehl, Zucker und Rosenwasser lagern gut, Eigelb und Butter für den Teig brauchen Kühlung. Vor allem braucht man eine Backgelegenheit, einen Ofen oder einen Dutch Oven auf der Glut. Das dünne Blatt verbrennt schnell, Rumpolt sagt ausdrücklich: „bleib darbey“.

Was bedeutet „gestossenen weissem Zucker“?

Zerstoßenen weißen Zucker. Rumpolt verlangt den Zucker bereits gestoßen; die ungleichen Endungen sind eine Schwankung des Drucks. Von „fein“ ist keine Rede. Heute passt gestoßener oder feinkörniger Kristallzucker; Puderzucker gäbe eine glatte Schicht statt Körnung und enthält oft Trennmittel.

Welchen Teig soll ich nehmen?

Rumpolt sagt nur „ein Teig, darauß du Turten machst“ und setzt seinen Grundteig vom Kapitelanfang voraus (rum-1795): Eigelb und Butter unter Mehl arbeiten, dünn ausrollen, salzen. Mengen nennt er nicht. Wer keinen eigenen Teig machen will, nimmt einen einfachen Mürbeteig als modernen Ersatz.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

46. Nim̃ ein Teig, darauß du Turten machst, treib jhn fein duͤnn auß, vnd schneidt ein Adler oder ein Hertz darauß, bestreichs mit Rosenwasser, vnd bestraͤw es mit gestossenen weissem Zucker, scheubs in Ofen, vnd backs, vnnd bleib darbey, biß gebaͤckt, denn es verbrennt sich bald, gibs kalt auff ein Tisch, rc.
Turten

Rumpolts Wort für die Torte. Gemeint ist hier der Tortenteig, den er am Anfang des Kapitels beschreibt (rum-1795); er wird diesmal ohne Füllung gebacken.

treib jhn fein duͤnn auß

treiben heißt hier: den Teig ausrollen, flach austreiben. Dieselbe Wendung steht beim Grundteig in rum-1795 („treib jn duͤnn auß“).

gestossenen weissem Zucker

Zerstoßener weißer Zucker. Die Endungen schwanken im Druck (-en neben -em); Rumpolt schreibt sonst „gestossenem Zucker“ oder „gestossen Zucker“. An der Bedeutung ändert das nichts.

Adler oder ein Hertz

Zuschnittformen für den Teig. Dieselben beiden Formen nennt Rumpolt bei der Apfelmustorte Nr. 43 (rum-1837).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Torten
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Rosenwasserrose water Q900450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartein Teig/ darauß du Turten machst

Gewählte Lesart: Rumpolts Grundteig vom Kapitelanfang (rum-1795: Eigelb und Butter unter Mehl, dünn ausgetrieben, gesalzen). Das Rezept definiert den Teig nicht selbst, sondern verweist auf den bekannten Tortenteig des Kapitels.

Andere mögliche Lesart:

  • Moderner Mürbeteig aus Mehl, Butter und Ei - Brauchbarer heutiger Ersatz, wenn man den Grundteig nicht nachbauen will; vom Text nicht verlangt.

Lesartscheubs in Ofen/ vnd backs/ vnnd bleib darbey

Gewählte Lesart: Hitze und Backzeit nennt Rumpolt nicht. Er verlangt nur, im Ofen zu backen und dabeizubleiben, weil das dünne Blatt schnell verbrennt.

Andere mögliche Lesart:

  • Etwa 180 °C, nach wenigen Minuten kontrollieren - Moderner Anhaltspunkt für den heutigen Backofen, nicht aus dem Text.

Lesartgestossenen weissem Zucker

Gewählte Lesart: Zerstoßener weißer Zucker, wie Rumpolt ihn durchgehend als „gestossenen/gestossenem Zucker“ verlangt.

Andere mögliche Lesart:

  • Puderzucker (nur als Ersatz) - Gibt statt Körnung eine glatte Schicht, handelsüblicher Puderzucker enthält oft Trennmittel; deshalb nur als Ersatz, nicht als Übersetzung. Dass Rumpolt den Zucker besonders fein verlangt, steht nicht im Text.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXVIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1840
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Torte): Mehl, Zucker und Rosenwasser sind lagerfähig, Eigelb und Butter für den Teig müssen gekühlt werden. Der Engpass ist die Backgelegenheit, ein Ofen oder ein Dutch Oven auf der Glut. Das dünne Blatt verbrennt schnell; wer nicht danebensteht, verliert es.
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Stand dieser Fassung: 05.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.