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Limonienschale, überzogen (Zuckerkonfekt)

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Limonienschale überzogen.

Welches Gericht ist das? Schale der Limonie, also einer Zitrusfrucht, mit einem Zuckerüberzug, heute am ehesten mit kandierter Zitronenschale vergleichbar. Rumpolt nennt zu dieser Nummer nur den Gegenstand. Dass der Überzug aus Zucker besteht, ergibt sich aus dem Kapitel „Von allerley Zucker Confect auß der Apotecken“ und aus dessen letzter Nummer (rum-1865).

Welche Frucht? Rumpolt meint mit „Limonien“ im übrigen Buch die Zitrone. Für die Küche ist deshalb Zitronenschale die naheliegende Wahl; ob er hier eine andere Frucht als bei der „Zitron Schel“ (rum-1852) im Sinn hatte, bleibt offen.

Womit überzogen? Der Einzeiler nennt keinen Überzugsstoff und kein Verfahren. Zucker ist die naheliegende Lesart; wie die Schale vorbereitet wird, wie stark der Zucker geläutert ist und ob sie danach getrocknet wird, gibt diese Nummer nicht an.

Praxis. Mengen, Hitze und Dauer gibt diese Nummer nicht vor. Das Überziehen beschreibt Rumpolt in Nr. 25 (rum-1865): das Konfekt in einem aufgehängten Kupferbecken über Glut erwärmen, geläuterten Zucker zugießen und oft rühren, bis es den Zucker annimmt und weiß und trocken wird. Rumpolt sagt dort, dass man so allerlei Körner und Gewürze überzieht; für Zitrusschale ist das die naheliegende Vorlage, aber nicht ausdrücklich genannt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

18. Limonien Schel vberzogen.
Limonien

„Limonien“, eine Zitrusfrucht; Rumpolt verwendet das Wort sonst für die Zitrone, etwa bei den „gesaltzen Limonien“ (Salzzitronen). In dieser Liste steht die Limonie aber neben der „Zitron“ (Nr. 12, rum-1852). Welche Art genau gemeint ist, lässt der Text offen; die heutige Limette ist damit nicht gleichzusetzen.

Schel

„Schale“, hier die Schale der Zitrusfrucht. Dieselbe Form steht in der Liste bei „Zitron Schel“ (Nr. 12) und „Pomerantzen Schel“ (Nr. 17).

vberzogen

„Überzogen“, hier ohne Angabe womit. Im Kapitel über Zuckerkonfekt heißt das: mit einem Zuckerüberzug versehen. Wie man solches Konfekt mit Zucker überzieht, beschreibt Rumpolt in der letzten Nummer desselben Kapitels (rum-1865).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Zuckerkonfekt aus der Apotheke
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvberzogen

Gewählte Lesart: Mit Zucker überzogen. Der Einzeiler selbst nennt keinen Überzugsstoff; Zucker ergibt sich aus dem Kapitel „Von allerley Zucker Confect auß der Apotecken“ und aus dessen letzter Nummer (rum-1865), die beschreibt, wie man Konfekt mit geläutertem Zucker überzieht. Das genaue Verfahren für diese Nummer nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Heutiger Zuckerüberzug wie bei kandierter Zitronenschale - Praktische Umsetzung für die Küche; Läutergrad, Vorbehandlung der Schale und Trocknung stehen nicht in dieser Nummer, deshalb nur als Praxisvorschlag.
  • Ein anderer Überzugsstoff, etwa Honig oder gewürzter Zucker - Der Einzeiler schließt das nicht aus. Kapitelkopf und Nr. 25 sprechen aber durchgehend von Zucker, daher nicht gewählt.

LesartLimonien

Gewählte Lesart: Zitrone. Rumpolt gebraucht „Limonien“ im ganzen Buch für die Zitrone (gesalzene Limonien = Salzzitronen, saurer Limoniensaft = Zitronensaft); das Mittelniederdeutsche Wörterbuch erklärt „limonie“ als „Limone, kleinere Zitronenart“. Der Titel behält „Limonienschale“, damit die Nummer von Nr. 12 „Zitron Schel“ (rum-1852) unterscheidbar bleibt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Eine von der „Zitron“ verschiedene, kleinere oder saurere Zitrusfrucht - Dieselbe Liste führt „Zitron Schel“ (Nr. 12) und „Limonien Schel“ (Nr. 18) getrennt, und an anderer Stelle schreibt Rumpolt „saure Limonien oder Zitron“ (rum-0555). Das kann zwei Früchte meinen oder nur zwei Namen für dieselbe. Ein Beleg für die Unterscheidung fehlt.
  • Limette - Das heutige Wort „Limone“ kann auch die Limette bezeichnen. Für Rumpolt gibt es dafür keinen Beleg, daher nicht gewählt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXIXa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1858
LagerkücheLagerküche
Nein: Rumpolt nennt zu dieser Nummer nur den Gegenstand, keine Mengen und keine Zubereitung. Das Überziehen, das er am Ende des Kapitels beschreibt (rum-1865), braucht ein über Glut gehängtes Becken und geläuterten Zucker und ist ein eigenes Handwerk.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.