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Milchziger und Vorrat an Scheidmolke

Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut · Amberg (Oberpfalz) · 1598

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin köstlich new Kochbuch (~1598)

Alle Ziger aus reiner Milch, gleich ob von Schafen, Ziegen oder Kühen, werden so gemacht, wie es zuvor beim Mandelziger steht.

Die allerbeste Scheidmolke ist die, die man von denen bekommen kann, die Käse machen und Anken oder Butter machen oder rühren. Von ihnen bekommt man bisweilen auch die Ziger. Wo das nicht möglich ist und du die Milch mit Wein oder Essig scheiden musst, gib nicht zu viel dazu, damit sie nicht sauer wird. Der Essig macht sie auch härter als der Wein, deshalb ist bei ihm schnell zu viel getan.

Hast du so einen Ziger gemacht, oder einen von denen, die hernach folgen, dann gib die Molke in ein sauberes Gefäß, bis sie sich gut gesetzt hat. Gieß dann das Klare oben ab in einen Krug oder ein Häfelein, das neu ist. Bewahre es an einem nicht zu warmen Ort gut verschlossen auf.

Wenn du die Molke brauchen willst, nimm die Haut weg, falls sich eine gebildet hat, und gib davon in das, was du scheiden willst. Es liegt nichts daran, wenn die Haut grau und gelb ist, was darunter ist, bleibt aber schön. Du kannst die Molke auch salzen, dann hält sie sich umso besser. Sie wird wie ein Essig. Fülle das Häfelein immer wieder auf.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
bloſſer Milch Reine Milch von Schaf, Ziege oder Kuh - - -
ſcheidmolcken Scheidmolke, ersatzweise Wein oder Essig - - Wein oder Essig, sparsam; Essig macht den Ziger härter
ſaltzẽ Salz, wenn die Molke länger halten soll - - -

Praxis. Für das Scheiden selbst verweist das Rezept auf den Mandelziger: Dort wird die Milch über dem Feuer gerührt, bis sie fast siedet, dann kommt das Scheidemittel hinein. Wecker nennt keine Mengen und Zeiten; als moderner Richtwert genügen bei Wein oder Essig wenige Esslöffel je Liter Milch, nach und nach zugegeben, bis die Milch bricht. Die Molke über Nacht kühl stehen lassen, das Klare in einen sauberen Krug mit Deckel abgießen und mit einer Prise bis einem Teelöffel Salz versetzen. Vor dem nächsten Ansatz die Haut abnehmen, einen Teil der Molke zum Scheiden nehmen und den Krug mit der frischen Molke wieder auffüllen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein köstlich new Kochbuch“ (Amberg - Oberpfalz). Erstes gedrucktes deutschsprachiges Kochbuch einer Frau: Anna Wecker, Witwe eines Colmarer Stadtarztes, schrieb es 1596 vor allem als Kost für Kranke, Schwangere, Wöchnerinnen und alte Leute. 483 Rezepte in vier Teilen (Mandel/Gerste/Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch/Sülzen/Soßen), süß und mandelbetont, mit diätetischen Hinweisen zu einzelnen Krankheiten. Erstausgabe 1597, transkribiert ist die zweite Auflage Amberg 1598.

Bereitung der zuͤger. ALle zuͤger von bloſſer Milch, es ſey von Schafen, Geiſſen oder Kuͤhen, werden gemacht wie zuvor vom Mandelzuͤger ſtehet, vnd iſt die ſcheidmolcken die allerbeſt, welche man von denen bekommen kan, ſo da kaͤſen vnnd ancken oder butter machen oder ruͤhren, wie man auch etwan die zuͤger von denſelben bekomt, wo aber nicht, vnnd du es mit Wein oder Eſſig ſcheiden muſt, ſo thu jm nicht zuvil, daß es nicht ſawer werde, der Eſſig gibts auch haͤrter dann der Wein, darvmb jhm bald zuvil geſchehen iſt. Wann du dann ein ſolchen zuͤger oder wie hernach, haſt gemacht, ſo thu das molcken inn ein ſauber geſchirꝛ, biß es wol geſitze, ſo geuß die lauter oben ab, inn einen krug oder haͤfelein das new iſt, behalts an einem nicht zu warmen ort, wol vermacht, wañ du es dann brauchen wilt, ſo thu die haut, ſo es eine hat, hinweg, vnd thu darvon in das, ſo du ſcheiden wilt, ligt nichts daran, daß etwan die haut graw vnnd geel iſt, das drunden aber bleibet ſchoͤn: du magſt es wol ſaltzẽ, ſo bleibts deſto beſſer, es wirt wie ein Eſſig, fuͤlle allezeit das haͤfelein wider.
zuͤger

Ziger: oberdeutsch für einen Käse aus gescheideter Milch oder Molke. Hier aus reiner Tiermilch, im Unterschied zum Mandelziger aus Mandelmilch. Wecker nennt Ziger und Käse oft in einem Atemzug („Eyerzuͤger oder kaͤß“).

ſcheidmolcken

Molke, mit der man Milch zum Gerinnen bringt („in das, ſo du ſcheiden wilt“). Das Wort ist in den Wörterbüchern nicht verzeichnet, die Bedeutung ergibt sich aus dem Zusammenhang; Wecker gebraucht „ſcheid Molcken“ auch im Folgerezept wec-061.

ancken

Anken: oberdeutsch für Butter (auch Rahm). „ancken oder butter“ meint dasselbe.

ſcheidmolcken

Gesäuerte Molke, mit der man Milch „scheidet“, also zum Gerinnen bringt. Lab ist das nicht: Lab nennt Wecker beim Mandelziger eigens („Lab oder Renne“). Den Vorrat am Ende des Rezepts kennt die Alpkäserei noch heute als „Sauer“: Nach jedem Zigern wird das Gefäß mit der frischen Molke wieder aufgefüllt, und die Säure wächst darin von selbst nach. Fehlt sie, hilft man dort wie Wecker mit Essig nach.

Druck
Ein Köstlich new Kochbuch Von allerhand Speisen/ an Gemüsen/ Obs/ Fleisch/ Geflügel/ Wildpret/ Fischen vnd Gebachens. Nicht allein vor Gesunde: sondern auch vnd fürnemlich vor Krancke ... auch Schwangere Weiber/ Kindbetterinnen/ vnd alte schwache Leut
Sprache
Frühneuhochdeutsch (oberdeutsche Druckersprache, Amberg/Oberpfalz 1597/98; Schreibung ohne ai-/kh-Formen, Küchenwortschatz oberdeutsch: Hafen, Zwetschken, Semmel, Diminutiv -lein; Verfasserin lebte in Colmar und Altdorf bei Nürnberg)
Entstehung
Amberg (Oberpfalz), 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

bloſſer Milchmilk Q8495
ſaltzẽtable salt Q11254

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
S. 34, Bayerische Staatsbibliothek München, Res/Oecon. 2174 b Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Kernkorpus, Double-Keying Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/wec-065
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung): Gefäß, Krug und Deckel genügen, Wein oder Essig als Scheidemittel sind lagerüblich. Frische Schaf-, Ziegen- oder Kuhmilch braucht aber Kühlung, und der Molkenvorrat soll an einem nicht zu warmen Ort stehen.
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Stand dieser Fassung: 17.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.