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Hattele von der Kapaunenbrust im Teig gebacken, mit saurer oder brauner Brühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit75 Min.BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm die Hattele und treibe einen Teig aus weißem Mehl auf. Schlage die Hattele darin ein und backe sie im Ofen.

Wenn du es danach anrichten willst, so mache eine saure Brühe darüber oder gieße eine braune Brühe hinein. So ist es auch lieblich und gut zu essen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die Hattele Hattele - Kapaunenbrust; die Hattele daraus nach Nr. 10 zubereiten -
einem weissen Mehl weißes Mehl - - -
ein saure Bruͤh saure Brühe - - -
ein braune Bruͤh braune Brühe - - -

Welches Gericht ist das? Die Kapaunen-Hattele aus Nr. 10 (rum-0655), also dünn geklopfte, mit gewürztem Kalbsnierenfett aufgewickelte Röllchen aus Kapaunenbrust, werden in einen Teig aus weißem Mehl eingeschlagen und im Ofen gebacken. Beim Anrichten kommt eine saure Brühe darüber oder eine braune Brühe hinein. Das Rezept setzt die Hattele voraus; wie man sie macht, steht nur in Nr. 10.

Die Hattele. Ob sie roh oder schon am Spieß gebraten in den Teig kommen, sagt der Text nicht. Bei der Hattele-Pastete vom Kalb (Nr. 31, rum-0121) legt Rumpolt sie ausdrücklich roh hinein. Rohe, dünn geklopfte Röllchen garen im Teigmantel durch, bevor der Teig zu dunkel wird.

Der Teig. Rumpolt nennt nur weißes Mehl. Für die Praxis eignet sich ein fester Teig aus Mehl, Wasser und etwas Fett, dünn ausgerollt, sodass er die Röllchen ganz umschließt. Die Ränder gut andrücken, damit Fett und Saft im Teig bleiben.

Die zwei Brühen. Die saure Brühe kommt über das Gebackene. Für die braune Brühe schneidet man die Teighülle auf und gießt sie hinein. Rumpolt setzt beide Brühen als fertig voraus; die braune macht er bei Kalb Nr. 31 aus Rindfleischbrühe, die über einen Braten gegossen und dann durchgeseiht wird. Zutaten für die saure Brühe nennt dieses Rezept nicht.

Praxis. Backen bei etwa 180 bis 200 °C, bis der Teig gebräunt ist; Temperatur und Zeit nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa 75 Minuten ist eine Schätzung und schließt das Herstellen der Hattele nach Nr. 10, den Teig und das Backen ein. Mengenangaben gibt der Text nicht.

Was ist eine „Hattele“?

So nennt Rumpolt eine Speise aus dünnem, geklopftem Fleisch, das mit gehacktem Fett bestreut und aufgewickelt wird. Die Kapaunen-Hattele beschreibt er zwei Nummern vorher (Nr. 10, rum-0655): rohe Kapaunenbrust, dünn und breit geschnitten, mit dem Messerrücken geklopft und mit Kalbsnierenfett gewickelt. Das Wort selbst ist in den Wörterbüchern nicht belegt; mit Röllchen lässt sich die Form vergleichen.

Was bedeutet „treib einen Teig auff“?

Rumpolt gebraucht „auftreiben“ für das Austreiben von Teig, also dünn ausrollen oder ausziehen; bei Pasteten auch für das Hochziehen der Wand (Kalb Nr. 36, rum-0126). Hier soll der Teig die Hattele umhüllen.

Welcher Teig ist gemeint?

Der Text nennt nur „weisses Mehl“. Wasser, Fett oder Eier gibt er nicht an. Zum Nachkochen eignet sich ein fester, ausrollbarer Teig aus Mehl, Wasser und etwas Fett; das ist eine Ergänzung, keine Textangabe.

Kommt die Brühe über den Teig oder hinein?

Rumpolt unterscheidet: Die saure Brühe macht man „daruͤber“, die braune Brühe gießt man „darein“, also in die geöffnete Teighülle. Ebenso gießt er bei der Hattele-Pastete vom Kalb (Nr. 31, rum-0121) die Brühe in die aufgeschnittene Pastete.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Der Kapaun ist frisches Geflügel und braucht eine Kühlkette. Für den Teigmantel ist eine Backgelegenheit nötig, etwa ein Lehmofen oder ein Dutch Oven mit Glut auf dem Deckel.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

12. Nim̃ die Hattele, vnd treib einen Teig auff von einem weissen Mehl, vnd mach die Hattele eyn, vnnd backs im Ofen. Wenn du es darnach wilt anrichtẽ, so mach ein saure Bruͤh daruͤber, oder geuß ein braune Bruͤh darein, so ist es auch lieblich vnd gut zu essen.
Hattele

Rumpolts Name für die Speise. In den geprüften Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt, die Bedeutung ist offen. Zwei Nummern vorher (Nr. 10, rum-0655) beschreibt Rumpolt die Kapaunen-Hattele selbst: rohe Kapaunenbrust ohne Haut, dünn und breit geschnitten, mit dem Messerrücken geklopft, mit gehacktem, gesalzenem und gepfeffertem Kalbsnierenfett bestreut und einzeln aufgewickelt. Dieselbe Machart vom Kalb steht bei Nr. 31 (rum-0121). Mit Röllchen lässt sich die Form vergleichen, als Übersetzung ist das Wort nicht gesichert.

treib einen Teig auff

Rumpolts Wort für das Austreiben des Teigs, also dünn ausrollen oder ausziehen. Bei Pasteten heißt es auch das Hochziehen der Wand, so bei Kalb Nr. 36 (rum-0126): „treib es hoͤher auff“. Hier dient der Teig als Hülle für die Hattele.

mach die Hattele eyn

Hier: die Hattele in den Teig einschlagen. Gemeint ist nicht das Einmachen in einer Brühe, das Rumpolt in Nr. 11 (rum-0656) für dieselben Hattele nennt, denn der Teig steht im selben Satz und danach wird gebacken.

saure Bruͤh / braune Bruͤh

Rumpolts Standardbrühen zum Anrichten. Wie er die braune Brühe macht, beschreibt er bei Kalb Nr. 31 (rum-0121): Rindfleischbrühe über einen Braten gegossen, durch ein Tuch geseiht und kurz aufgekocht. Was in die saure Brühe kommt, sagt dieses Rezept nicht.

daruͤber / darein

Rumpolt unterscheidet im selben Satz: Die saure Brühe kommt über das Gebackene, die braune Brühe wird hineingegossen.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Kapaun
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein saure Bruͤhstock Q3075310
ein braune Bruͤhstock Q3075310

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartHattele

Gewählte Lesart: Druckform „Hattele“ beibehalten, Wortbedeutung offen. Gemeint sind die Kapaunen-Hattele aus Nr. 10 (rum-0655): Das Rezept steht im Kapaunenkapitel direkt hinter Nr. 10 und Nr. 11, die beide von diesen Hattele handeln, und sagt nur „Nim̃ die Hattele“.

Andere mögliche Lesart:

  • Hattele als allgemeine Zubereitungsform, unabhängig vom Kapaun - Rumpolt gebraucht das Wort auch bei Kalb, Hecht, Ochse, Wildschwein und Hammel. Im Kapaunenkapitel liegt der Bezug auf die Kapaunenbrust nahe, ausdrücklich gesagt wird er hier aber nicht.

Lesartmach die Hattele eyn

Gewählte Lesart: In den Teig einschlagen: Der aufgetriebene Teig steht im selben Satz, danach wird im Ofen gebacken.

Andere mögliche Lesart:

  • In einer Brühe garen (einmachen) - So gebraucht Rumpolt „eynmachen“ in Nr. 11 (rum-0656) für dieselben Hattele. Hier passt es nicht, weil keine Brühe zum Garen genannt wird und die Brühen erst beim Anrichten kommen.

Lesartgeuß ein braune Bruͤh darein

Gewählte Lesart: Die braune Brühe wird in die gebackene Teighülle gegossen, die dazu geöffnet wird. Rumpolt unterscheidet im selben Satz „daruͤber“ (saure Brühe) und „darein“ (braune Brühe); bei Kalb Nr. 31 (rum-0121) gießt er die Brühe ebenso „in die Pasteten“, nachdem er sie aufgeschnitten hat.

Andere mögliche Lesart:

  • Die braune Brühe wird über das Teigstück gegossen - Möglich, wenn „darein“ nur „dazu“ meint. Dann wäre der Unterschied zu „daruͤber“ im selben Satz aber ohne Sinn.

Lesarttreib einen Teig auff

Gewählte Lesart: Den Teig dünn austreiben (ausrollen), damit er die Hattele umhüllen kann. Rumpolt gebraucht „auftreiben“ durchgehend für das Austreiben von Teig.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Pastetenwand hochziehen wie bei Kalb Nr. 36 (rum-0126) - Dort legt Rumpolt die Hattele in eine aufgetriebene Pastete. Hier ist von keiner Pastete die Rede, nur vom Einschlagen in den Teig.

LesartTeig von einem weissen Mehl

Gewählte Lesart: Der Text nennt nur weißes Mehl; Wasser, Fett oder Eier gibt er nicht an. Die Teigrezeptur bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Fester Teig aus Mehl, Wasser und etwas Fett (Praxis) - Ein einfacher, ausrollbarer Teig, wie ihn die Zubereitungshinweise vorschlagen. Er ist eine Ergänzung für das Nachkochen, keine Textangabe.
  • Pastetenteig aus Mehl, Eidotter und etwas zerlassener Butter wie bei Kalb Nr. 36 (rum-0126) - Rumpolt gibt diese Rezeptur für eine aufgesetzte Pastete. Ob er sie hier meint, sagt der Text nicht.

LesartNim̃ die Hattele (roh oder vorgebraten)

Gewählte Lesart: Offen. Der Text sagt nicht, ob die Hattele roh oder schon gebraten eingeschlagen werden. Bei Kalb Nr. 31 (rum-0121) legt Rumpolt die Hattele für die Pastete ausdrücklich „also roh“ hinein; das spricht für rohe Röllchen, die im Teig garen.

Andere mögliche Lesart:

  • Nach Nr. 10 (rum-0655) am Spieß gebratene Hattele, die im Teig nur noch fertig backen - Nr. 10 brät die Hattele am Spieß. Ob Nr. 12 an diesen Schritt anschließt, sagt der Text nicht.

Lesartbacks im Ofen

Gewählte Lesart: Der Text nennt weder Temperatur noch Backzeit.

Andere mögliche Lesarten:

  • Etwa 180 bis 200 °C, bis der Teig gebräunt ist (Praxis) - Moderner Richtwert für einen dünnen Teigmantel um dünne Fleischröllchen; keine Textangabe.
  • Höchstens fünf Viertelstunden wie bei der Hattele-Pastete in Kalb Nr. 31 (rum-0121) - Das ist Rumpolts Zeit für eine hohe Pastete voller Hattele. Ein dünner Teigmantel braucht eher weniger.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXXVIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0657
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Der Kapaun ist frisches Geflügel und braucht eine Kühlkette, und für den Teigmantel ist eine Backgelegenheit nötig, etwa ein Lehmofen oder ein Dutch Oven mit Glut auf dem Deckel.
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Stand dieser Fassung: 07.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.