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Lachs, gelb auf ungarische Art

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Gelb in einer Sauce gegarter Lachs auf ungarische Art, wie vorhin beschrieben ist: so, wie man auf ungarische Art in einer Sauce gart.

Welches Gericht ist das? Kein ausgeschriebenes Rezept, sondern ein Verweis. Der Lachs soll gelb auf ungarische Art in einer Sauce gegart werden, „wie vorhin vermeldet ist“. Zutaten, Mengen und Arbeitsschritte stehen nicht hier.

Wo das Verfahren steht. Früher im Buch schreibt Rumpolt die gelbe ungarische Zubereitung beim Hausen Nr. 11 (rum-0863) aus: Äpfel, Zwiebeln und gesalzene Zitronen klein geschnitten, eingeweichtes und ausgedrücktes Weißbrot daruntergehackt, mit Wasser im Fischkessel eingesotten, dann Wein und Essig dazu, der Fisch darin gesotten, mit Gewürz, Pfeffer, Safran und Ingwer abgeschmeckt, mit Zucker gesüßt, zuletzt grünes Bertramkraut. Weiter hinten im Buch steht dasselbe Verfahren noch einmal beim Hecht Nr. 1 (rum-0968). Dass Rumpolt genau den Hausen meint, sagt der Text nicht; es ist aber die einzige gelbe ungarische Fischzubereitung, die vor dieser Nummer steht.

Gelb. Dieser Eintrag nennt kein Farbmittel. In beiden Vorlagen kommt Safran in die Sauce.

Praxis. Wer das Gericht kochen will, folgt der Hausen-Vorlage mit Lachs. Erst Äpfel, Zwiebeln und Weißbrot in Wasser einsieden lassen, beim Hecht so lange, bis die Zwiebeln gar sind; dann Wein und Essig zugeben und aufkochen, erst danach den Fisch einlegen. Äpfel und Brot binden die Brühe, beim Hecht heißt es, sie werde davon „fein dick“. Der Essig soll laut Hausen-Vorlage auch nach dem Zucker noch leicht vorschmecken. Ob der Lachs vorher gesalzen wird wie der Hecht, sagt der Verweis nicht; Mengen und Garzeiten nennt keine der beiden Vorlagen.

Ist das ein vollständiges Rezept?

Nein. Rumpolt verweist mit „wie vorhin vermeldet ist“ auf eine früher beschriebene Zubereitung. Das Verfahren steht beim gelb gekochten Hausen auf ungarische Art (rum-0863) und noch einmal ausführlich beim Hecht (rum-0968). Welche Stelle er genau meint, sagt der Text nicht; der Hausen ist die einzige, die vorher steht.

Heißt „eyngemacht“ hier eingemacht wie im Glas?

Nein. Bei Fisch meint Rumpolt damit das Garen in einer Sauce. In den Vorlagen siedet der Fisch in einer Brühe aus Wein, Essig, Äpfeln, Zwiebeln und Weißbrot.

Woher kommt die gelbe Farbe?

Dieser Eintrag nennt kein Farbmittel. In den Vorlagen beim Hausen und beim Hecht kommt Safran in die Sauce.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Frischer Fisch braucht bis zum Garen eine durchgehende Kühlkette. Rumpolt überliefert hier nur eine Kurzform ohne Mengen und Garzeit; ein ausgeführtes Verfahren findet sich bei den Nachbarrezepten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

7. Gelb eyngemachten Salm auff Vngerisch, wie vorhin vermeldet ist, wie man auff Vngerisch eynmacht.
eyngemachten

Bei Fisch heißt „einmachen“ hier: in einer Sauce garen, nicht haltbar machen. Die Vorlagen beim Hausen und beim Hecht sieden den Fisch in der gelben Brühe aus Wein, Essig, Äpfeln und Weißbrot.

auff Vngerisch

„Auf ungarische Art“: Rumpolts Herkunftsangabe für eine gelbe oder schwarze Sauce mit Äpfeln und Zwiebeln. Die gelbe Fassung beim Fisch steht ausgeschrieben beim Hausen (rum-0863).

vorhin vermeldet

„Vorher erwähnt“: Rumpolt verweist auf eine Zubereitung, die er früher im Buch beschrieben hat, statt sie zu wiederholen.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Lachs (Salm)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarteyngemachten / eynmacht

Gewählte Lesart: In einer Sauce gegart: Die beiden ausgeschriebenen gelben ungarischen Fischrezepte (Hausen Nr. 11, Hecht Nr. 1) sieden den Fisch in einer Brühe aus Wein, Essig, Äpfeln und Weißbrot.

Andere mögliche Lesart:

  • Haltbar gemacht, eingelegt. - Diese Bedeutung trägt das Wort bei Rumpolt im Zuckerwerk; für Fisch in gelber Sauce zeigen die Vorlagen ein Garen in der Brühe, keine Konservierung.

Lesartwie vorhin vermeldet ist

Gewählte Lesart: Verweis auf den gelb gekochten Hausen auf ungarische Art (Nr. 11, rum-0863), die einzige gelbe ungarische Fischzubereitung, die im Buch vor dieser Nummer ausgeschrieben steht.

Andere mögliche Lesart:

  • Verweis auf die gelbe ungarische Zubereitung allgemein, wie sie Rumpolt mehrfach bringt, ausführlich auch beim Hecht Nr. 1 (rum-0968). - Möglich, da das Verfahren bei Fisch und Geflügel wiederkehrt; der Hecht steht aber erst nach dem Lachs und kann nicht das „vorhin“ sein.

LesartGelb

Gewählte Lesart: Nur die Farbe der Zubereitung; dieser Eintrag nennt kein Farbmittel.

Andere mögliche Lesart:

  • Mit Safran gefärbt. - So in den Vorlagen beim Hausen und beim Hecht; hier selbst nicht genannt.

LesartSalm

Gewählte Lesart: Lachs: Das Kapitel heißt „Vom Salmen“, und die übrigen Rezepte des Kapitels führen das Tier im Titel als Lachs.

Andere mögliche Lesart:

  • „Salm“ im Titel beibehalten. - Rumpolts eigenes Wort und regional noch geläufig, wäre aber uneinheitlich mit den Nachbarrezepten.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. Cb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0906
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frischer Fisch als Hauptzutat braucht bis zum Garen eine durchgehende Kühlkette. Überliefert ist hier nur eine Kurzform ohne Mengen und Garzeit; ein ausgeführtes Verfahren steht bei den Nachbarrezepten des Kapitels.
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Stand dieser Fassung: 10.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.