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Weiße Forellen aus dem großen See im Schweizerland, entgrätet gebraten, kalt oder warm mit saurer Brühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit25 Min.BuchEin new Kochbuch (~1581)

Ist die Forelle groß, so schneide die Gräten heraus, brate sie und gib sie kalt oder warm. Gibst du sie warm, so mache eine saure Brühe darunter.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Foren groß große Forelle - Fischhändler -
saure Bruͤh saure Brühe (nur zur warmen Forelle) - - -

Welches Gericht ist das? Eine große Forelle, entgrätet und gebraten, die kalt oder warm auf den Tisch kommt; zur warmen gehört eine saure Brühe. Den Fisch nennt die Kapitelüberschrift: weiße Forellen aus dem großen See im Schweizerland. Welche Art gemeint ist, sagt der Text nicht. Im selben Kapitel steht die Forelle auch nur gebraten und kalt (rum-0962) sowie trocken abgesotten und blau (rum-0963); hier kommen das Entgräten großer Fische und die warme Ausgabe mit Brühe dazu.

Entgräten. Rumpolt sagt nur, dass bei einer großen Forelle die Gräten herausgeschnitten werden, und zwar vor dem Braten. Wie weit, sagt er nicht. Entgrätet lässt sich der große Fisch kalt wie warm ohne Mühe essen.

Braten. Fett, Gerät, Hitze und Garzeit nennt der Text nicht. Pfanne und Rost sind beide mit „brat sie“ vereinbar.

Die saure Brühe. Sie gehört nur zur warmen Forelle; kalt bleibt der Fisch ohne Brühe. Was die Brühe säuert und womit sie gewürzt ist, sagt dieses Rezept nicht. In anderen Rezepten des Buchs nennt Rumpolt Essig oder Agrastwasser; das ist eine Parallele, keine Angabe für dieses Gericht. „Darunter“ heißt bei Rumpolt beim Anrichten mit Saucen meist, dass das Gericht auf die Sauce gelegt wird.

Praxis. Die große Forelle ausnehmen, filetieren und die Gräten ziehen, dann in der Pfanne mit Butter oder Öl bei mittlerer Hitze braten. Für kalt abkühlen lassen und bis zum Servieren kühl stellen. Für warm eine Brühe mit etwas Essig säuern, in die vorgewärmte Schüssel geben und den Fisch darauflegen. Die Zubereitungszeit von etwa 25 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Was ist eine „saure Brühe“?

Eine gesäuerte Brühe. Was sie säuert und womit sie gewürzt ist, sagt dieses Rezept nicht. In anderen Rezepten des Buchs nennt Rumpolt dafür Essig oder Agrastwasser, also Verjus aus unreifen Trauben; wer nachkocht, kann eines davon nehmen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frische Forelle braucht eine durchgehende Kühlkette; im Lager nur, wenn sie gekühlt ankommt und am selben Tag verarbeitet wird.

Welche Forelle soll ich nehmen?

Rumpolt meint eine große Forelle; die Kapitelüberschrift spricht von weißen Forellen aus dem großen See im Schweizerland. Welche Art das ist, sagt der Text nicht. Heute liegt eine große Seeforelle oder Bachforelle am nächsten; das ist eine moderne Wahl, keine Angabe Rumpolts.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

3. Jst die Foren groß, so schneidt die Graͤdt herauß, brat sie, vnd gib sie kalt oder warm, gibstu sie warm, so mach ein saure Bruͤh darvnter.
Foren

Forellen. Die Kapitelüberschrift spricht von „weissen Foren“, die aus dem großen See im Schweizerland kommen; welche Art damit gemeint ist, sagt der Text nicht.

Graͤdt

Die Gräten des Fisches.

saure Bruͤh

Eine gesäuerte Brühe; was sie säuert und würzt, sagt dieses Rezept nicht. In anderen Rezepten des Buchs säuert Rumpolt mit Essig oder Agrastwasser, also Verjus aus unreifen Trauben (rum-0137).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von weißen Forellen aus dem großen See in der Schweiz
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Foren großtrout Q2258881
saure Bruͤhstock Q3075310

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartForen

Gewählte Lesart: Forelle. Die Kapitelüberschrift „Von weissen Foren/ die da kommen auß dem grossen See im Schweitzerlandt“ nennt den Fisch, die Wörterbücher führen „forhe/forelle“ als Forelle.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine bestimmte Art, etwa Seeforelle oder Felchen - Nicht belegt; der Text sagt nur „weisse Foren“, jede Artbestimmung wäre Zusatz.

Lesartschneidt die Graͤdt herauß

Gewählte Lesart: Mit dem Messer die Gräten aus dem großen Fisch herausschneiden, vor dem Braten. Wie weit entgrätet wird, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Den Fisch filetieren und die Gräten ziehen - Heutige Küchenpraxis und für Nachkochende der einfachste Weg; Rumpolt beschreibt kein Filetieren.

Lesartbrat sie

Gewählte Lesart: Braten, ohne Angabe von Fett, Gerät, Hitze oder Zeit; Rost oder Pfanne über dem Feuer sind beide mit dem Text vereinbar.

Andere mögliche Lesart:

  • In der Pfanne mit Butter oder Öl bei mittlerer Hitze - Moderner Standard für Nachkochende, nicht Rumpolts Angabe.

Lesartsaure Bruͤh

Gewählte Lesart: Eine gesäuerte Brühe, deren Säuerung und Würze das Rezept offenlässt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Mit etwas Essig gesäuerte Brühe - Einfachster Weg für Nachkochende; Essig nennt Rumpolt in anderen Rezepten für saure Brühen, hier nicht.
  • Mit Agrastwasser (Verjus) gesäuert - Buchinterne Parallele (rum-0137, Agrastwasser „an statt deß Essigs“), nicht für dieses Rezept belegt.

Lesartdarvnter

Gewählte Lesart: Die Brühe kommt unter den Fisch: erst die Brühe in die Schüssel, die Forelle darauf. So steht „darvnter“ bei Rumpolt auch sonst beim Anrichten mit Saucen (rum-0015).

Andere mögliche Lesarten:

  • Die Brühe wird dazu gereicht - Neutralste moderne Lösung, sprachlich aber weniger genau.
  • Die Brühe wird über den Fisch gegossen - Sprachlich möglich, widerspricht aber dem sonstigen Gebrauch im Buch.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CVIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0964
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt. Frische Forelle braucht eine durchgehende Kühlkette; nur gekühlt transportieren und am selben Tag verarbeiten.
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Stand dieser Fassung: 11.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.