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Karpfenzungen, gebraten mit frischer Butter

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischEinfachKorrekturBearbeitungsstand 6/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Karpfenzungen gebraten und mit frischer Butter begossen sind gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Karpffen Zungen Karpfenzungen - Fischhändler, nur über ganze Karpfenköpfe auf Bestellung -
frischer Butter frische Butter - - -

Welches Gericht ist das? Gebratene Karpfenzungen, mit Butter begossen. Mehr sagt Rumpolt nicht: keine Mengen, keine Garzeit, kein Bratfett.

Was ist die Karpfenzunge? Ein kleines Stück aus dem Maul des Karpfens, vermutlich das weiche Polster am Gaumen (siehe die Anmerkung). Es ist klein und fest und gart schnell.

Roh oder vorgegart? Der Text sagt nur „gebraten“. Bei den Karpfenzungen in Austernschalen siedet Rumpolt die Zungen erst gar und schabt sie aus; ob er das hier stillschweigend voraussetzt, bleibt offen.

Praxis. Die Zungen in der Pfanne in etwas Fett braten, bis sie Farbe haben, dann mit Butter begießen und gleich auftragen. Pfanne oder Rost und das Bratfett wählen wir, der Text nennt beides nicht.

Was sind Karpfenzungen?

Ein kleines Teil aus dem Maul des Karpfens. Campes Wörterbuch (1807-1811) sagt, der Karpfen habe keine eigentliche Zunge; Herders Lexikon beschreibt den Gaumen als dick und weich ausgekleidet. Vermutlich ist dieses Polster gemeint, sicher ist das nicht.

Warum ist das Rezept so kurz?

Rumpolt gibt hier nur diesen einen Satz: braten, mit Butter begießen. Bratfett, Garzeit und Mengen nennt er nicht.

Eignet sich das für die Lagerküche?

Nein. Karpfenzungen sind heute kaum zu bekommen; man müsste ganze Karpfenköpfe beim Fischhändler bestellen. Schon daran scheitert das Rezept für die Lagerküche.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

9. Karpffen Zungen gebraten, vnd mit frischer Butter begossen, seind gut vnd wolgeschmack.
Karpffen Zungen

Ein Teil aus dem Maul des Karpfens; Rumpolt nimmt in einem anderen Rezept desselben Kapitels „die Zungen auß dem Karpffen“. Campes Wörterbuch (1807-1811) hält fest, dass der Karpfen keine eigentliche Zunge hat, Herders Lexikon beschreibt seinen Gaumen als mit einer dicken, weichen Masse ausgekleidet. Vermutlich ist dieses weiche Polster gemeint; sicher belegt ist das nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Karpfen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

frischer Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKarpffen Zungen

Gewählte Lesart: Das weiche Polster im Maul des Karpfens, das man als „Zunge“ aus dem Fisch nimmt. Campe (1807-1811) schreibt dem Karpfen keine eigentliche Zunge zu, Herder beschreibt den Gaumen als dick und weich ausgekleidet; Rumpolt selbst nimmt die Zungen „auß dem Karpffen“ (Karpfenzungen in Austernschalen).

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Schnittbezeichnung für ein zungenförmiges Stück Fischfleisch - Im Karpfenkapitel und im Suppenkapitel ist die Zunge durchgehend ein Teil, den man aus dem Fisch nimmt; für eine Schnittbezeichnung gibt es keinen Beleg.

Lesartgebraten

Gewählte Lesart: Der Text sagt nur „gebraten“: ob in der Pfanne oder auf dem Rost und in welchem Fett, bleibt offen. Die frische Butter ist zum Begießen genannt, nicht zum Braten.

Andere mögliche Lesarten:

  • In der Pfanne in Fett braten - Die heute naheliegende Ausführung für so kleine Stücke; im Text nicht festgelegt.
  • Auf dem Rost braten - Bei Rumpolt ebenso üblich; in den Karpfenzungen in Austernschalen kommen die Zungen auf den Rost.

LesartKarpffen Zungen gebraten

Gewählte Lesart: Roh gebraten, so wie der Text es sagt; einen Vorgarschritt nennt er nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Erst gar sieden und ausschaben, dann braten - So verfährt Rumpolt bei den Karpfenzungen in Austernschalen. Möglich, dass er das hier voraussetzt; im Text steht es nicht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1029
LagerkücheLagerküche
Karpfenzungen sind heute kaum zu bekommen; man müsste beim Fischhändler ganze Karpfenköpfe bestellen und die Zungen selbst auslösen. Schon daran scheitert das Rezept für die Lagerküche, auch wenn Braten und Begießen am Feuer einfach wären.
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Stand dieser Fassung: 12.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.