Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Wenn die Zingel gebacken sind, bereite sie mit Erbsenbrühe, Butter, ein wenig Essig und Kümmel zu. Lass es rasch aufkochen, so wird es gut und wohlschmeckend.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Zindel | - | - | - |
| Erbsbruͤh | Erbsenbrühe | - | - | - |
| Butter | Butter | - | - | - |
| ein wenig Essig | ein wenig Essig | - | - | - |
| Kuͤmel | Kümmel | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Gebackene Zingel, in einer säuerlichen Sauce aus Erbsenbrühe, Butter, wenig Essig und Kümmel kurz aufgekocht. Es ist Nr. 3 der vier Zubereitungen im Zindel-Kapitel und setzt die gebackenen Fische der Nr. 2 voraus (rum-1121), die nur sagt, man könne sie backen. Dasselbe Verfahren, erst backen und dann mit Erbsenbrühe und Butter zubereiten, gibt Rumpolt auch für Äsche (rum-1051), Schleien (rum-1109) und Grundeln (rum-1157). Eine heute lebende Entsprechung ist nicht bekannt; am nächsten kommt gebackener Fisch mit einer Butter-Essig-Sauce.
Der Fisch. Zindel ist der Zingel, ein Flussfisch aus der Verwandtschaft der Barsche, derselbe wie im ersten Rezept des Kapitels (rum-1120). Mit dem Zander ist er nicht gleichzusetzen.
Backen. Wie gebacken wird, sagt weder diese Nummer noch Nr. 2: kein Fett, kein Mehl, keine Zeit. Naheliegend ist Ausbacken in heißem Fett; der Fisch bekommt dabei eine feste Oberfläche, die das anschließende Garen in der Sauce übersteht.
Die Sauce. Die Erbsenbrühe ist die Flüssigkeit, in der der Fisch gart, und trägt den Geschmack. Butter rundet ab, wenig Essig setzt die Säure, Kümmel ist das einzige Gewürz. Ob die Brühe klar oder sämig sein soll, sagt Rumpolt nicht; für die Praxis nehmen wir die abgeseihte Kochbrühe von Erbsen. Eine Bindung nennt er nicht.
Aufkochen. „Resch auffsieden“ heißt rasch aufkochen: Fisch und Sauce kochen zusammen kurz auf. Wie lange der Fisch danach in der Sauce bleibt, steht nicht da.
Praxis. Die Zingel in heißem Fett ausbacken. Erbsenbrühe mit Butter, einem Schuss Essig und wenig Kümmel in einem Topf oder einer Pfanne erhitzen, die gebackenen Fische hineinlegen und einmal kurz aufkochen lassen. Mengen und Zeiten nennt Rumpolt nicht, bei Essig nur „ein wenig“; also vorsichtig dosieren und abschmecken. Salz erwähnt er nicht.
Ein Flussfisch: Das Grimm'sche Wörterbuch nennt den Zindel einen Flussbarsch, benannt nach den stachligen Flossen, und führt ihn auch unter „Zingel“. Gemeint ist derselbe Fisch wie im ersten Rezept des Kapitels (rum-1120). Eine Gleichsetzung mit dem Zander ist nicht belegt.
Den gebackenen Fisch zubereiten. Das Wort ist bei Rumpolt vieldeutig; hier ergibt der Zusammenhang Erbsenbrühe mit Butter, Essig und Kümmel, die rasch aufkochen soll. Mit Einlegen oder Haltbarmachen hat das nichts zu tun.
Brühe von gekochten Erbsen. Rumpolt setzt sie als vorhanden voraus und beschreibt ihre Zubereitung nicht.
Eingeschränkt. Engpass ist der frische Fisch, der bis zur Zubereitung eine Kühlkette braucht. Die Erbsenbrühe muss vorab gekocht sein; Butter, Essig und Kümmel sind robust.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Das „sie“ sind die Zindel der vorigen Nummer: Nr. 2 im selben Kapitel sagt nur, man könne Zindel auch backen (rum-1121). Der Zindel ist der Zingel, ein Flussfisch aus der Verwandtschaft der Barsche; das Grimm'sche Wörterbuch nennt ihn einen Flussbarsch, benannt nach den stachligen Flossen. Mit dem Zander ist er nicht gleichzusetzen.
„Einmachen“ ist bei Rumpolt vieldeutig: Es heißt meist, etwas in etwas zuzubereiten, nicht einzulegen oder haltbar zu machen; das Verfahren ergibt sich aus dem Zusammenhang. Hier nennt der Text Erbsenbrühe, Butter, Essig und Kümmel und verlangt rasches Aufsieden. Dieselbe Formel gebraucht Rumpolt bei der gebackenen Äsche (rum-1051) und den gebackenen Schleien (rum-1109), beide Male mit Erbsenbrühe und Butter.
Brühe von gekochten Erbsen. Rumpolt setzt sie als vorhanden voraus und nimmt sie oft für Fisch.
Rasch aufkochen lassen. „Resch“ heißt beim Sieden rasch, beim Gebäck dagegen knusprig.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Erbsbruͤh | pea stock Q107246700 |
| Butter | butter Q34172 |
| ein wenig Essig | vinegar Q41354 |
| Kuͤmel | caraway Q22978145 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Zindel
Gewählte Lesart: Zingel. Das Grimm'sche Wörterbuch führt den Zindel als Namen eines Flussbarsches, nach den stachligen Flossen benannt, und verweist von „zingel“ auf denselben Artikel. Das erste Rezept des Kapitels (rum-1120) übersetzt ebenso.
Andere mögliche Lesarten:
Erbsbruͤh: Kochbrühe oder Püree
Gewählte Lesart: Rumpolt sagt nur „Erbsbrüh“, also Brühe von gekochten Erbsen; ob klar abgeseiht oder sämig, steht nicht da.
Andere mögliche Lesarten:
gebacken
Gewählte Lesart: Wie die Zingel gebacken werden, sagt weder diese Nummer noch Nr. 2 (rum-1121): kein Fett, kein Mehl, keine Zeit.
Andere mögliche Lesart:
resch auffsieden
Gewählte Lesart: Rasch aufkochen: „resch“ beim Sieden als Zeitangabe.
Andere mögliche Lesart:
so wirdt es gut
Gewählte Lesart: „Es“ ist das ganze Gericht, Fisch samt Sauce.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 14.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.