Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Eierströtzel in Pfeffer, gelb oder im Gescharb

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Strötzel von Eiern in Pfeffer, wie man die Knödel macht, es sei gelb oder in einem Gescharb.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Eyern Eier - Supermarkt, Wochenmarkt -
gelb gelb - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Keine eigene Anleitung, sondern ein Verweis: Die Strötzel werden gemacht „wie man die Knödel macht“, also wie die Eierknödel der Nummer 54 (rum-1336). Dort werden hartgesottene Eier gehackt, mit kleinen Rosinen, Pfeffer und Safran gewürzt, mit einem rohen Ei und geriebenem Weck gebunden, geformt und in heißer Butter langsam gebacken. Heute am ehesten: gebackene Eierklößchen in Sauce.

Strötzel. Was das Wort für die Form bedeutet, ist nicht geklärt. Es gehört zur Familie von Striezel und Strützel, also eher zu einem länglichen Stück als zu einer Kugel; belegt ist das für diese Speise nicht.

Pfeffer, gelb oder Gescharb. Rumpolt lässt drei Fassungen zu. Der Pfeffer ist die dunkle Brotsauce der Nummer 56 (rum-1338). Gelb heißt mit Safran. Das Gescharb nennt keine Art; Nummer 54 gibt die Knödel in ein Mandelgescharb, Nummer 57 die ganzen Eier in ein Apfelgescharb (rum-1339).

Praxis. Die Masse nach Nummer 54 anmachen und wie dort in Butter langsam backen. Für die Form die Druckform ernst nehmen und nichts behaupten: Wer Knödel formt, bleibt beim Verweis; wer längliche Stücke formt, folgt der Wortbedeutung. Danach entweder in die Pfeffersauce der Nummer 56 geben, in eine mit Safran gelb gefärbte Sauce oder in ein Mandelgescharb. Alle Schritte sind aus den Nachbarnummern übernommen, nicht aus dieser Zeile.

Wie werden die Strötzel gemacht?

Wie die Eierknödel der Nummer 54 (rum-1336): hartgesottene Eier hacken, mit Rosinen, Pfeffer und Safran würzen, mit einem rohen Ei und geriebenem Weck binden, formen und in heißer Butter langsam backen. Rumpolt sagt das mit „wie man die Knödel macht“ selbst.

Was ist ein Strötzel?

Ein geformtes Stück. Das Wort ist mit Striezel verwandt, was eher auf eine längliche Form deutet. Als Name einer Eierspeise ist es sonst nicht belegt, die genaue Form bleibt offen.

Was heißt „in Pfeffer“ und „gelb“?

„Pfeffer“ ist eine dunkle, mit geröstetem Brot gebundene Sauce mit Wein, Essig und Zwiebeln, wie in Nummer 56 (rum-1338). „Gelb“ heißt bei Rumpolt mit Safran gefärbt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Wer nach der Nummer 54 kocht, braucht Eier, geriebenes Weißbrot, Butter und Gewürze; das ist im Lager unproblematisch und mit Topf und Pfanne am Feuer machbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

59. Stroͤtzel von Eyern in Pfeffer, wie man die Knoͤdel macht, es sey gelb, oder in einem Gescharb.
Stroͤtzel

Strötzel, ein geformtes Stück. Das Wort gehört zu „Striezel“ und „Strützel“ (länglich geformtes Gebäck); ältere Wörterbücher stellen „strotzel“ neben „Wecke“ und übersetzen es lateinisch mit „cuneus“, Keil. Als Name einer Eierspeise ist es sonst nicht belegt. Bei Rumpolt steht es nur an dieser Stelle.

wie man die Knoͤdel macht

Verweis auf die Eierknödel der Nummer 54 (rum-1336): hartgesottene Eier gehackt, mit Rosinen, Pfeffer und Safran gewürzt, mit einem rohen Ei und geriebenem Weck gebunden, in heißer Butter langsam gebacken und in Pfeffer oder Mandelgescharb gegeben.

Pfeffer

Hier die gebundene, dunkle Pfeffersauce, nicht das Gewürz allein. Rumpolt beschreibt sie zwei Nummern weiter (Nr. 56, rum-1338): geröstetes Brot, mit Wein und Essig verkocht, dazu in Butter gebräunte Zwiebeln, süß abgeschmeckt.

gelb

Gelb gefärbt, bei Rumpolt mit Safran, wenn er kein anderes Mittel nennt. Nummer 54 schließt mit derselben Wahl: „es sey gelb oder im Pfeffer“.

Gescharb

Klein Geschnittenes, in einer Sauce gegart. Welche Art hier gemeint ist, sagt die Zeile nicht: Nummer 54 nennt ein Mandelgescharb (rum-1336), Nummer 57 ein Apfelgescharb (rum-1339).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyernchicken egg Q15260613
gelbsaffron Q25434

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartStroͤtzel

Gewählte Lesart: Ein aus der Knödelmasse der Nummer 54 geformtes Stück; das Wort bleibt in der Druckform stehen, weil seine Bedeutung für eine Eierspeise nicht belegt ist. Rumpolts eigener Anker ist nur „wie man die Knödel macht“.

Andere mögliche Lesarten:

  • Länglich oder keilförmig geformtes Stück (Striezel-Form) statt der runden Knödel - Wortbedeutung von „strützel/striezel“ und „strotzel“ = cuneus (Keil); für dieses Gericht aber nicht belegt, nur Analogie.
  • Nur ein anderes Wort für dieselben Knödel - Möglich, weil Rumpolt auf die Knödel verweist; spricht dagegen, dass er der Speise eine eigene Nummer und einen eigenen Namen gibt.

Lesartin Pfeffer … es sey gelb/ oder in einem Gescharb

Gewählte Lesart: Drei Fassungen zur Wahl: in Pfeffersauce, gelb (mit Safran) oder in einem Gescharb. Nummer 54 stellt dieselben Möglichkeiten nebeneinander („in einen Pfeffer … oder sonst in ein Mandelgescharb … es sey gelb oder im Pfeffer“).

Andere mögliche Lesart:

  • Zwei Fassungen: gelber Pfeffer oder Gescharb, „gelb“ also als Eigenschaft des Pfeffers - Grammatisch möglich; gegen diese Lesart spricht Nummer 54, wo „gelb“ und „im Pfeffer“ ausdrücklich Gegensätze sind.

LesartGescharb

Gewählte Lesart: Mandelgescharb wie in Nummer 54 (rum-1336), weil die Zeile ausdrücklich auf die dortigen Knödel verweist.

Andere mögliche Lesart:

  • Apfelgescharb wie bei den ganzen Eiern der Nummer 57 (rum-1339) - Ebenfalls eine Eierspeise desselben Kapitels mit Gescharb; die Zeile nennt keine Art, deshalb nicht auszuschließen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLVb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1341
LagerkücheLagerküche
Gut geeignet. Verweisrezept, die Zubereitung steht bei den Eierknödeln (rum-1336, Nr. 54) und wird von dort übernommen: Eier, geriebener Weck und Butter sind im Lager unproblematisch, gekocht wird mit Topf und Pfanne am Feuer.
Alle Rezepte aus Ein new Kochbuch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.