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Gefüllte Eier in Weinbrühe mit schwarzen Rosinen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Gefüllte Eier in einer Weinbrühe, die in der Butter schön braun gebraten sind. Gibt man auch schwarze Rosinen in die Weinbrühe, so ist es nicht schlecht, besonders wenn die Weinbrühe süß ist.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Gefuͤllte Eyer Gefüllte Eier - - -
Butter Butter - - -
Weinbruͤh Weinbrühe - - -
schwartze Rosein Schwarze Rosinen - - -

Welches Gericht ist das? Gefüllte, hart gesottene Eier, in Butter braun gebraten und in einer Weinbrühe angerichtet, in die schwarze Rosinen kommen. Das Rezept ist ein Satz und setzt die gefüllten Eier der Nachbarrezepte voraus.

Die Füllung. Der Text nennt keine. Am nächsten liegt rum-1335: Dotter mit Weck, Rosinen, Pfeffer, Safran und süßem Rahm, in die Schalen gefüllt und hart gesotten, dann geschält. Ebenso passt die Kräuterfüllung aus rum-1337.

Das Braten in Butter. Außgeröst auß der Butter heißt: die geschälten gefüllten Eier in Butter in der Pfanne braun braten. Das gibt Farbe und Röstgeschmack und hält die Eier zusammen, bevor sie in die Brühe kommen.

Die Weinbrühe. Gesagt ist nur Wein, schwarze Rosinen und die Empfehlung, sie süß zu halten. Weinsorte, Süßmittel, Gewürze und Bindung bleiben offen; die Rosinen bringen schon etwas Süße mit. Eine Eidotterbindung wie in Rumpolts dicken Weinbrühen steht hier nicht.

Praxis. Die gefüllten Eier nach rum-1335 oder rum-1337 vorbereiten und schälen. In Butter rundum braun braten. Wein mit schwarzen Rosinen kurz aufkochen, bis die Rosinen weich sind, nach Geschmack süßen. Die Eier in die Weinbrühe legen und so anrichten.

Womit sind die Eier gefüllt?

Das sagt dieses Rezept nicht. Rumpolt beschreibt die gefüllten Eier kurz davor: in rum-1335 mit Dotter, geriebenem Weck, kleinen schwarzen Rosinen, Pfeffer, Safran und süßem Rahm, danach hart gesotten und in heißer Butter gebräunt; in rum-1337 mit Dotter, gehackten Kräutern, Pfeffer, Salz und frischer Butter. Beide Füllungen passen.

Was ist eine Weinbrühe?

Eine Brühe auf Weinbasis. Hier sagt Rumpolt nur, dass schwarze Rosinen hineinpassen und dass es besonders gut ist, wenn die Weinbrühe süß ist. Gewürze, Bindung oder ein bestimmtes Süßmittel nennt er nicht.

Muss die Weinbrühe gesüßt werden?

Nein. „Sonderlich wenn die Weinbrühe süß ist“ ist eine Empfehlung, keine Vorschrift. Womit sie süß wird, steht nicht da; die Rosinen allein geben schon etwas Süße.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Eier, Butter, Wein und Rosinen halten im Lager. Aufwendig sind nur die gefüllten Eier selbst, die nach rum-1335 oder rum-1337 vorbereitet werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

58. Gefuͤllte Eyer in einer Weinbruͤh, die fein außgeroͤßt seyn auß der Butter, daß man auch schwartze Rosein in die Weinbruͤh thut, so ist es nicht boͤß, sonderlich wenn die Weinbruͤh suͤß ist.
die fein außgeroͤßt

Im Druck eindeutig „die“; hier nach dem Seitenbild berichtigt. Gemeint sind die gefüllten Eier.

außgeroͤßt seyn auß der Butter

In der Butter fertig gebraten, also braun gebraten. Dieselbe Formel steht im vorangehenden Rezept bei den ganzen Eiern (rum-1339), dort mit „fein braun“. Ausrösten heißt in den Wörterbüchern „völlig rösten“.

Weinbruͤh

Eine Brühe, deren Hauptbestandteil Wein ist. Rumpolt kennt sie auch als dicke, süße Sauce mit Eidottern (rum-0624, rum-0668); hier nennt er nur Wein, Rosinen und den Wunsch, dass sie süß sei.

schwartze Rosein

Schwarze, also dunkle Rosinen. Rumpolt nennt sie oft, auch als „kleine schwartze Rosein“. Ob hier Korinthen gemeint sind, sagt der Text nicht.

nicht boͤß

Wörtlich „nicht schlecht“: Rumpolt empfiehlt die Rosinen, schreibt sie aber nicht vor.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Butterbutter Q34172
Weinbruͤhstock Q3075310

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGefuͤllte Eyer (Füllung)

Gewählte Lesart: Die Füllung steht nicht im Text; Rumpolt setzt die gefüllten Eier aus seiner Eierreihe voraus, am nächsten rum-1335 (Nr. 53, „Also richt man die gefuͤllte Eyer zu“), wo die Eier ebenfalls in Butter gebräunt und dann in eine Sauce gegeben werden.

Andere mögliche Lesart:

  • Füllung mit Dotter, Kräutern und frischer Butter wie in rum-1337 (Nr. 55). - Ebenso möglich; Rumpolt führt gefüllte Eier als Gattung mit mehreren Füllungen.

Lesartin einer Weinbruͤh

Gewählte Lesart: Die in Butter gebratenen Eier werden in der Weinbrühe angerichtet; ein Mitkochen steht nicht da.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Eier kurz in der Weinbrühe mitsieden lassen. - Möglich, denn bei der Pfeffersauce (Nr. 56) heißt es „laß mit sieden“; hier sagt der Text es nicht.

Lesartsuͤß

Gewählte Lesart: Die Süße ist eine Empfehlung („sonderlich wenn“), kein festes Merkmal; das Süßmittel ist nicht genannt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Mit Zucker süßen wie in Rumpolts dicken Weinbrühen (rum-0624, rum-0668). - Dort steht „fein süß“ bei einer anderen, mit Eidottern gebundenen Fassung; hier ist das nicht vorgegeben.
  • Süßer Wein oder allein die Rosinen geben die Süße. - Mit dem Wortlaut ebenso vereinbar.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLVb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1340
LagerkücheLagerküche
Eier, Butter, Wein und Rosinen sind lagertauglich. Die gefüllten Eier selbst müssen erst nach einem der beiden ausgeführten Rezepte ([rum-1335](/rezepte/rum-1335/) oder [rum-1337](/rezepte/rum-1337/)) gekocht und gefüllt werden; das Gericht ist deshalb mehrstufig. Danach braucht es nur eine Pfanne mit Butter und einen Topf für die Weinbrühe.
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.