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Süße Eigelb-Weinbrühe zur Gans, schaumig gerührt

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst auch eine Weinbrühe machen, dick mit Eigelb und fein süß, und sie über eine gebratene Gans gießen, auch über eine gekochte Gans. Man rührt die Weinbrühe um, sodass sie Schaum gibt; so ist es zierlich und lieblich.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Eyerdottern Eigelb - - -
Weinbruͤh Wein - - -
(erschlossen) Zucker - - -
Ganß gebratene oder gekochte Gans - Metzger, Geflügelhändler -

Welches Gericht ist das? Eine warme, mit Eigelb dick gemachte, süße Weinbrühe, die durch Umrühren schaumig wird und über gebratene oder gekochte Gans gegossen wird. Heute erinnert das an einen Weinchaudeau oder eine Zabaione - als Vergleich, nicht als Gleichsetzung. Nr. 27 ist eine Kurzfassung: Mengen, Weinsorte und Süßungsmittel nennt Rumpolt nicht, und auch nicht, dass die Brühe aufs Feuer kommt.

Muss die Brühe erhitzt werden? Hier steht nichts davon, Eigelb bindet aber nur mit Wärme. Rumpolt beschreibt dasselbe Verfahren ausführlich beim gelben Lammfleisch (rum-0216): Eigelb und klarer Wein kommen aufs Feuer und werden mit einem eisernen Löffel „auff vnd nider“ gerührt, „biß daß es nur ein Sudt auffthut“. Beim gelben Kapaun (rum-0668) lässt er die süße Eigelb-Weinbrühe „auffsieden“, „daß die Bruͤh dick wirt“.

Welcher Wein, welche Süße? Eine Sorte nennt der Text nicht; in rum-0216 nimmt Rumpolt „lautern Wein“, also klaren Wein. „fein suͤß“ beschreibt nur den Geschmack, gesüßt wird nach rum-0216 mit Zucker. Safran, Zimt und Essig stehen dort, aber nicht hier - deshalb ergänzen wir sie nicht.

Der Schaum. „daß man die Weinbruͤh vmbruͤrt/ dass ein faum gibt“: Der Schaum entsteht beim Rühren und macht die Brühe „zierlich vnnd lieblich“. Er bleibt auf der Brühe. In rum-0216 steht er „etwan drey Finger dick“ auf dem Gericht, und man trägt es „flugs“ auf, „ehe der faum nider fellt“; in Nr. 27 sagt Rumpolt dazu nichts.

Praxis. Klaren, milden Weißwein mit Eigelb und Zucker nach Geschmack unter ständigem Rühren erhitzen, bis die Brühe dick und schaumig ist und, wie in rum-0216, „nur ein Sudt auffthut“. Schwache Hitze ist unsere Vorsicht, keine Angabe Rumpolts: Wird es zu heiß, gerinnt das Eigelb. Die Brühe samt Schaum über die fertig gebratene oder gekochte Gans gießen. Mengen sind nicht überliefert.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Die Gans ist frisches Geflügel und braucht wie die Eigelbe eine verlässliche Kühlung. Die Brühe selbst geht schnell mit Topf und Löffel über dem Feuer. Unsere Einschätzung: Knifflig ist nur das Rühren, weil das Eigelb bei zu viel Hitze gerinnt.

Was ist mit „Weinsuppen“ und „Weinbrüh“ gemeint?

Die Wörterbücher führen die Weinsuppe als aus Wein bereitete, meist süße Suppe, oft mit Brot. Rumpolt meint hier etwas anderes: eine dick mit Eigelb gemachte Weinbrühe, die über die Gans gegossen wird. Im selben Satz wechselt er selbst zwischen „Weinsuppen“ und „Weinbruͤh“, und an anderer Stelle (rum-0243) gibt er das ungarische „Schuffen“ mit „ein gruͤne Weinsuppen“ wieder.

Welchen Wein soll ich nehmen?

Rumpolt nennt keine Sorte. Im ausführlich beschriebenen Schwesterverfahren beim gelben Lammfleisch (rum-0216) nimmt er „lautern Wein“, also klaren Wein. Unsere Wahl für die Praxis: ein klarer, milder Weißwein. Mehr sagt der Text nicht.

Kommt die Brühe aufs Feuer?

In diesem Rezept steht es nicht. Eigelb bindet aber nur mit Wärme, und in den ausführlicheren Fassungen lässt Rumpolt die Eigelb-Weinbrühe unter Rühren einmal aufwallen (rum-0216) oder „auffsieden“, bis sie dick wird (rum-0668).

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

27. Du kanst auch ein Weinsuppen machen dick mit Eyerdottern, vnd fein suͤß, vñ vber ein gebratene Ganß giessen, auch vber ein gekochte Ganß, daß man die Weinbruͤh vmbruͤrt, dass ein faum gibt, so ist es zierlich vnnd lieblich.
Weinsuppen

Gedruckt steht „Weinsuppen“, im selben Satz dann „Weinbruͤh“. Die Wörterbücher kennen die Weinsuppe als aus Wein bereitete, meist süße Suppe, oft mit Brot. Rumpolt meint hier eine dick mit Eigelb gemachte Weinbrühe, die über Fleisch gegossen wird; vgl. Schuffen, „ein gruͤne Weinsuppen“ (rum-0243), und das gelbe Lammfleisch (rum-0216).

faum

Schaum; hier der Schaum, der beim Umrühren der Brühe entsteht. Dasselbe Wort beim gelben Lammfleisch (rum-0216).

fein suͤß

Nur eine Geschmacksangabe; ein Süßungsmittel nennt Rumpolt hier nicht. In rum-0216 süßt er dieselbe Brühe mit Zucker.

zierlich vnnd lieblich

Zierlich heißt fein, ansehnlich; lieblich heißt angenehm, wohlschmeckend.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von der Hausgans
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eyerdotternyolk Q16336079
Weinbruͤhwine Q282
(erschlossen)unrefined cane sugar Q57656231
Ganßgoose Q83363022

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWeinsuppen / Weinbruͤh

Gewählte Lesart: Übersetzt durchgehend als „Weinbrühe“: Rumpolt wechselt im selben Satz selbst zur „Weinbruͤh“, das Wort ist bei ihm die häufigere Form, und der Gebrauch (dick mit Eigelb, über die Gans gegossen) zeigt eine Brühe zum Fleisch, keine eigenständige Suppe.

Andere mögliche Lesarten:

  • Wörtlich „Weinsuppe“. - Die Wörterbücher meinen damit eine Suppe aus Wein, oft mit Brot; Brot kommt hier nicht vor, und das Wort würde heute als eigener Gang gelesen. Die Druckform steht in der Anmerkung.
  • „Weinsauce“. - Moderne Verkürzung; Rumpolt sagt „Bruͤh“ und beschreibt eine schaumige, nicht fest gebundene Flüssigkeit.

Lesartfein suͤß

Gewählte Lesart: Gesüßt wird mit Zucker. Der Text nennt kein Süßungsmittel; Zucker ist aus dem Schwesterverfahren rum-0216 („machs suͤß mit Zucker“) erschlossen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Honig. - Für diese Brühe bei Rumpolt nicht belegt; möglich, aber ohne Textstütze.
  • Süßungsmittel offen lassen. - Wörtlich am genauesten, gibt der Praxis aber keinen Anhalt; deshalb Zucker mit Kennzeichnung als erschlossen.

LesartErhitzen der Brühe (im Text nicht genannt)

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt in Nr. 27 weder Feuer noch Garzeit. In seinen ausführlicheren Fassungen derselben Brühe wird unter Rühren erhitzt, „biß daß es nur ein Sudt auffthut“ (rum-0216), bzw. „auffsieden“ gelassen, „daß die Bruͤh dick wirt“ (rum-0668).

Andere mögliche Lesarten:

  • Heutige Praxis: unter ständigem Rühren bei schwacher Hitze bis zum ersten Aufwallen. - So in der Zubereitungsnotiz; folgt rum-0216, die schwache Hitze ist moderne Vorsicht gegen das Gerinnen des Eigelbs.
  • Kalt gerührt. - Eigelb macht die Brühe ohne Wärme nicht „dick“; mit dem Text kaum vereinbar.

Lesartfaum

Gewählte Lesart: Der Schaum bleibt auf der Brühe und wird mit ihr über die Gans gegeben: Nr. 27 nennt ihn ausdrücklich als Ziel des Rührens („dass ein faum gibt/ so ist es zierlich“), und in rum-0216 steht er „etwan drey Finger dick“ auf dem Gericht, das man aufträgt, „ehe der faum nider fellt“.

Andere mögliche Lesart:

  • Schaum abschöpfen. - Liest „faͤum den faum oben herab“ (rum-0216) als Abschäumen; dagegen spricht, dass Rumpolt dort das Gericht eilig aufträgt, bevor der Schaum zusammenfällt, und ihn hier zierlich nennt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXXIIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0624
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung): Die gebratene oder gekochte Gans ist frisches Geflügel und braucht eine verlässliche Kühlkette, ebenso die Eigelbe. Die Brühe selbst braucht nur Wein, Eigelb, Zucker, einen Topf, einen Löffel und eine Feuerstelle.
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Stand dieser Fassung: 06.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.