Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Man kann die Gans auch mit Eiern grün machen und die Weinbrühe darübergießen. So wird es gut und wohlschmeckend.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Gans (im Text nur „sie“, Bezug auf die Gans des Kapitels) | - | Metzger, Geflügelhändler, Wochenmarkt | - |
| Eyern | Eier | - | - | - |
| Weinbruͤh | Weinbrühe | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein Nachsatz zu Nr. 27 (Süße Eigelb-Weinbrühe zur Gans): Die gebratene oder gekochte Gans wird mit Eiern grün gemacht und mit der Weinsuppe aus Nr. 27 übergossen. Ohne Nr. 27 ist der Satz nicht verständlich, und als Rezept für sich ist er nicht nachkochbar: Mengen, Grünmittel und Garschritt fehlen. Am nächsten liegt heute Geflügel mit Weinschaumsauce.
Das Grün. Der Text nennt nur Eier. Wie die Gans damit grün wird, bleibt offen. Bei Rumpolt entsteht Grün sonst mit gesottener, durchgestrichener Petersilie (Gans in grüner Petersiliensauce, gestoßene Putenbrust), beim Osterzicklein mit „gruͤnen Salsen“ neben den Eiern. Wer eines davon übernimmt, ergänzt den Text und sollte das so sagen.
Die Weinbrühe. Gemeint ist die Weinsuppe aus Nr. 27: Wein, mit Eidottern dick gemacht, fein süß, umgerührt, bis sie schäumt. Die Eidotter binden nur bei schwacher Hitze unter ständigem Rühren; wird es zu heiß, gerinnen sie.
Die Gans. Gebraten oder gekocht, wie Nr. 27 es zulässt. Dieser Satz gibt kein eigenes Garverfahren.
Praxis. Für Weinsuppe und Gans an Nr. 27 halten. Das Grün ist eine eigene Entscheidung des Kochs. Die Verbindung von grüner Farbe und süßer Weinsauce ist ungewöhnlich, Rumpolt nennt sie aber „gut vnd wolgeschmack“.
Das sagt der Text nicht. Er nennt nur Eier, und Eier färben nicht grün. Bei Rumpolt entsteht Grün sonst mit gesottener, durchgestrichener Petersilie; beim Osterzicklein schreibt er „mit Eyern vnd gruͤnen Salsen“, um es halb grün und halb gelb zu machen. Wer nachkocht, muss das Grün selbst wählen - das ist dann eine eigene Ergänzung, nicht Rumpolts Wortlaut.
Die Weinsuppe aus dem vorangehenden Rezept Nr. 27: Wein, mit Eidottern dick gemacht, fein süß und umgerührt, bis sie schäumt. Es ist also eine süße Wein-Eigelb-Sauce, keine Fleisch- oder Geflügelbrühe.
Eingeschränkt. Die frische Gans braucht Kühlung. Die Weinsuppe mit Eidottern lässt sich am Feuer rühren. Wie die Gans gegart wird, steht nur in Nr. 27 (gebraten oder gekocht).
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Gemeint ist die Gans: Der Satz ist ein Nachsatz zu den vorangehenden Gänserezepten, besonders zu Nr. 27, wo die Gans gebraten oder gekocht ist.
Der Text nennt nur Eier. Ein Grünmittel steht nicht da; sonst nimmt Rumpolt dafür gesottene, durchgestrichene Petersilie (vgl. die Gans in grüner Petersiliensauce und die gestoßene Putenbrust).
Brühe, deren Hauptbestandteil Wein ist. Mit dem bestimmten Artikel „die“ verweist Rumpolt auf die Weinsuppe aus Nr. 27: dick mit Eidottern, süß, umgerührt, bis sie schäumt. Keine Fleischbrühe.
Wohlschmeckend, von gutem Geschmack.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| (erschlossen) | goose Q83363022 |
| Eyern | chicken egg Q15260613 |
| Weinbruͤh | stock Q3075310 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gruͤn machen mit Eyern
Gewählte Lesart: Wörtlich: mit Eiern grün machen. Der Text nennt kein Grünmittel; die Übersetzung ergänzt keins, das Grün bleibt offen.
Andere mögliche Lesarten:
Weinbruͤh
Gewählte Lesart: Die Weinsuppe aus Nr. 27 (rum-0624): Wein, dick mit Eidottern, fein süß, schaumig gerührt. Der bestimmte Artikel „die“ verweist zurück; die Wörterbücher (Adelung, Campe, Grimm) erklären Weinbrühe als Brühe, deren Hauptbestandteil Wein ist.
Andere mögliche Lesart:
sie
Gewählte Lesart: Die Gans der vorangehenden Rezepte (Kapitel von der einheimischen Gans, Nr. 25-27).
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Beides zulässig: Nr. 27 gießt die Weinsuppe „vber ein gebratene Ganß“ und „auch vber ein gekochte Ganß“.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 06.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.