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Gelbe Rüben in Butter geröstet, mit Rindfleischbrühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 40 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst auch die gelben Rüben so zubereiten und ausrösten, seien sie klein oder grob geschnitten, auch mit einer Rindfleischbrühe; nimm Fleisch darunter oder nicht.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
die gelben Ruben gelbe Rüben - Supermarkt oder Markt -
(erschlossen) Butter (nach Nr. 182, rum-1464) - Supermarkt -
Rindtfleischbruͤh Rindfleischbrühe - selbst gekocht oder Supermarkt -
Fleisch Fleisch - Metzger -

Welches Gericht ist das? Möhren, in Butter geröstet und in Rindfleischbrühe eingesotten, mit oder ohne Fleisch. Nr. 183 ist ein Verweisrezept: „also zurichten“ heißt, die gelben Rüben so zu behandeln wie die weißen Rüben in Nr. 182 (rum-1464). Butter, Rösten und Einsieden zur kurzen Brühe stammen von dort; Nr. 183 selbst nennt nur Schnitt, Brühe und das freigestellte Fleisch.

Rösten in Butter. Butter erhitzen und die Möhren darin rösten, bis sie Farbe nehmen und Röstaroma bekommen. Dann die Rindfleischbrühe angießen. Wie in Nr. 182 sollte die Brühe nur mild gesalzen sein, weil sie beim Einsieden salziger wird.

Einsieden. Offen bei schwacher Hitze sieden lassen, bis die Möhren weich sind und nur noch wenig Brühe um sie steht. Eine Bindung nennt der Text nicht.

Klein oder grob. Rumpolt erlaubt beides. Die Stücke gleich groß schneiden; kleine Würfel sind nach etwa 15 bis 20 Minuten weich, grobe Stücke brauchen deutlich länger.

Das Fleisch. Der Text sagt nur „Fleisch“ und stellt es frei. Im Verweisrezept ist es gesottenes, auf dem Rost abgebräuntes Hammelfleisch, das als fertige Einlage unter das Gemüse kommt.

Praxis. Rund 40 Minuten: Möhren schneiden, etwa 5 Minuten in Butter rösten, Brühe angießen und einsieden. Die Zeit ist eine Schätzung, der Text gibt keine an.

Welche Rüben sind gemeint?

Möhren. Bei Rumpolt heißen Möhren „gelbe Ruben“; im 16. Jahrhundert war die gelbe Möhre die übliche Sorte. Heute nimmt man gelbe oder orange Möhren.

Was bedeutet „ausrösten“ hier?

Rumpolt schreibt „Du kanst auch also zurichten“ und verweist damit auf das Rezept davor (rum-1464): Dort werden die Rüben in heißer Butter geröstet, mit Rindfleischbrühe übergossen und eingesotten, bis eine kurze Brühe bleibt. Nach diesem Verfahren werden hier die gelben Rüben zubereitet.

Ist das Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Es ist ein Verweisrezept auf rum-1464 und braucht Möhren, Butter und Rindfleischbrühe, die vorhanden sein muss. Fleisch ist ausdrücklich freigestellt; ohne Fleisch gibt es keine Kühlfrage.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

183. Du kanst auch also zurichten vnd außroͤßten die gelben Ruben, sie seyn klein oder grob geschnittẽ, auch mit einer Rindtfleischbruͤh, nim̃ Fleisch darvnter oder nicht.
Du kanst auch also zurichten

„Also“ heißt hier „auf dieselbe Weise“ und verweist auf das unmittelbar vorangehende Rezept Nr. 182 (rum-1464): weiße Rüben würfelig schneiden, in heißer Butter rösten, eine mild gesalzene Rindfleischbrühe darübergießen und einsieden lassen, bis eine kurze Brühe entsteht. Nr. 183 wendet dieses Verfahren auf gelbe Rüben an.

die gelben Ruben

Möhren, und zwar wörtlich gelbe: Im 16. Jahrhundert herrschte die gelbe Möhre vor. Rumpolt führt Stickelrüben, Wasserrüben, Kohlrüben und Pastinaken als eigene Gemüse; die gelben Rüben sind bei ihm die Möhren. Steckrüben sind eine andere Pflanze.

außroͤßten

Durchrösten. Nr. 183 nennt selbst kein Fett; das „also“ verweist auf Nr. 182, wo die Rüben „auß heisser Butter“ geröstet werden. Danach kommt die Rindfleischbrühe dazu.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

(erschlossen)butter Q34172
Rindtfleischbruͤhmeat stock Q67860017
Fleischmeat Q10990

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartaußroͤßten

Gewählte Lesart: In heißer Butter rösten, dann mit Rindfleischbrühe einsieden. Grund: „also zurichten“ verweist auf Nr. 182 (rum-1464), wo es „roͤßt sie auß heisser Butter/ geuß ein Rindtfleischbruͤh … daruͤber“ heißt; dasselbe Muster steht in rum-1397 und rum-1466.

Andere mögliche Lesart:

  • Ohne Fett rösten - Nr. 183 nennt kein Fett, insofern bleibt trockenes Rösten sprachlich möglich. Gegen diese Lesart spricht der ausdrückliche Verweis auf Nr. 182 und Rumpolts durchgehendes Rösten in heißer Butter in den Nachbarrezepten.

LesartFleisch darvnter

Gewählte Lesart: Unbestimmtes Fleisch, wahlweise. Der Text sagt nur „Fleisch“ und lässt es offen, ob überhaupt welches dazukommt.

Andere mögliche Lesart:

  • Gesottenes Hammelfleisch wie in Nr. 182 - Das Verweisziel rum-1464 nennt gesottenes, auf dem Rost abgebräuntes Hammelfleisch. Naheliegend, aber Nr. 183 legt die Fleischart nicht fest.

Lesartklein oder grob geschnittẽ

Gewählte Lesart: Beide Schnitte sind zugelassen; Rumpolt lässt die Wahl offen und nennt keine Garzeit.

Andere mögliche Lesart:

  • Gleich große Stücke, die bis zum Weichwerden in der Brühe einsieden - Praktischer Hinweis für heute: Kleine Würfel sind nach etwa 15 bis 20 Minuten weich, grobe Stücke brauchen deutlich länger.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLIIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1465
LagerkücheLagerküche
Verweisrezept, die Zubereitung steht bei rum-1464: gelbe Rüben, Butter und Rindfleischbrühe, ein Topf am Feuer. Voraussetzung ist eine vorhandene Rindfleischbrühe. Ohne Fleisch unproblematisch; nimmt man frisches Fleisch dazu, muss es gekühlt werden.
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.