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Gebratene Ruttenleber (Quappe) auf grünem Kraut

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Gebratene Ruttenleber, auf grünes Kraut gelegt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Rutten Leber Ruttenleber - selten im Handel; Fischhändler oder Fischerei auf Nachfrage -
gruͤn Kraut grünes Kraut - Markt, Gemüsehändler -

Welches Gericht ist das? Die Leber der Rutte, gebraten und auf einem Bett aus grünem Kraut angerichtet. Rumpolt gibt nur diese Überschrift, als vierte von sechzehn Speisen im Kapitel „Von Rutten“. Gebratene Ruttenleber kehrt im Kapitel zweimal wieder, einmal mit saurer Erbsenbrühe (rum-1076), einmal mit Pomeranzensaft (rum-1087); hier ist das grüne Kraut die einzige Beigabe.

Welcher Fisch? Die Rutte ist die Quappe (Aalrutte, Lota lota), ein Süßwasserfisch. Ihre große Leber gilt bis heute als Delikatesse; das passt dazu, dass das Kapitel der Leber mehrere eigene Gerichte widmet.

Braten. Der Text nennt weder Fett noch Hitze noch Gerät. Braten gart die kleine, empfindliche Leber rasch und gibt ihr Röstaroma. Heute brät man sie in Butter in der Pfanne bei mittlerer Hitze wenige Minuten; das ist moderne Praxis, kein Befund.

Grünes Kraut. Das Kraut ist Unterlage beim Anrichten und frisches Gegengewicht zur fetten Leber. Welches Grün gemeint ist, sagt der Text nicht. Frische Petersilie liegt nahe, weil Rumpolt sie im Ruttenkapitel als „grün Pettersilgen“ führt.

Praxis. Die Leber kurz in Butter braten und auf frische Petersilie oder anderes zartes Grün legen. Mengen, Salz und Würze nennt der Text nicht.

Was ist eine Rutte?

Die Quappe, auch Aalrutte genannt (Lota lota), ein Süßwasserfisch. Rumpolt widmet ihr ein eigenes Kapitel mit sechzehn Speisen, darunter mehrere Gerichte aus ihrer Leber. In älteren Transkriptionen steht an dieser Stelle „Kutten“; im Druck heißt es „Rutten“.

Warum ist der Eintrag so kurz?

Rumpolt gibt zu dieser Nummer nur diese eine Zeile. Wir ergänzen am Text nichts; die Praxis-Hinweise sind als heutiger Vorschlag gekennzeichnet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

4. Gebratene Rutten Leber, auff gruͤn Kraut gelegt.
Rutten Leber

Leber der Rutte, also der Quappe oder Aalrutte (Lota lota), eines Süßwasserfischs mit großer, fetter Leber. Das Kapitel „Von Rutten“ gibt ihr mehrere eigene Gerichte. Die Transkription des Deutschen Textarchivs liest im ganzen Kapitel „Kutten“. Im Druck steht ein Fraktur-R, deutlich verschieden vom K in „Kräuter“ auf derselben Seite; Kapitelüberschrift „Von Rutten“ und Rumpolts Register („Rutten. 117“) bestätigen die Lesung (Bl. CXVIIa/b, geprüft am Berliner Exemplar).

gruͤn Kraut

Grünes Kraut als Unterlage beim Anrichten; welches Grün gemeint ist, sagt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Kutten
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Rutten Leberliver Q1470283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartRutten

Gewählte Lesart: Quappe (Aalrutte, Lota lota): Rutte und Ruppe sind belegte Namen dieses Fisches. Das Kapitel setzt große Tiere voraus, die man in Stücke teilt, und kennt eigene Leber-Gerichte; beides passt zur Quappe.

Andere mögliche Lesarten:

  • „Kutten“ (Lesart der DTA-Transkription) - Die Transkription des Deutschen Textarchivs liest im ganzen Kapitel „Kutten“. Im Druck steht ein Fraktur-R, deutlich verschieden vom K in „Kräuter“ auf derselben Seite; Kapitelüberschrift „Von Rutten“ und Rumpolts Register („Rutten. 117“) bestätigen die Lesung (Bl. CXVIIa/b, geprüft am Berliner Exemplar).
  • Groppe oder Gründling - Nur über die Lesung „Kutten“ zu stützen; beide Fische sind zu klein, um sie in Stücke zu teilen, und Rumpolt führt Koppen und Kressen in eigenen Kapiteln.

LesartGebratene

Gewählte Lesart: Rumpolt schreibt nur „gebraten“ und nennt weder Fett noch Hitze noch Gerät: am Rost, am Spieß oder in der Pfanne mit Schmalz oder Butter, alles bleibt offen.

Andere mögliche Lesart:

  • In Butter in der Pfanne bei mittlerer Hitze, wenige Minuten - Heutige Praxis für die kleine, empfindliche Leber; im Text nicht belegt.

Lesartgruͤn Kraut

Gewählte Lesart: Grünes Kraut als Unterlage, Art offen: Salat, Kräuter oder anderes Blattgrün. Dieselbe Anrichteform nennt Rumpolt bei der Hechtleber, ebenfalls ohne Art.

Andere mögliche Lesart:

  • Frische Petersilie - Naheliegender heutiger Vorschlag, weil Rumpolt im Ruttenkapitel „grün Pettersilgen“ verwendet; für dieses Rezept nicht belegt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXVIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1075
LagerkücheLagerküche
Nein: nur eine Überschrift ohne Garangabe; tragende Zutat ist Fischleber, heute kaum erhältlich.
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Stand dieser Fassung: 12.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.