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Gebratene Ruttenleber (Quappe) mit Pomeranzen- oder Zitronensaft oder Pobrat

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Brate die Ruttenleber und drücke sauren Pomeranzensaft oder sauren Zitronensaft darüber. Oder mach ein Pobrat darunter, es sei süß oder sauer; auf beide Arten ist es gut.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Ruttenleber Ruttenleber - selten im Handel; Fischhändler oder Fischerei auf Nachfrage -
saur Pomerantzensafft saurer Pomeranzensaft - Bitterorangen in der Saison im gut sortierten Handel -
saur Limoniensafft saurer Zitronensaft - Supermarkt -
Pobrat Pobrat (süß oder sauer) - - -

Welches Gericht ist das? Die Leber der Rutte, gebraten und entweder mit dem Saft einer Pomeranze oder Zitrone beträufelt oder auf ein Pobrat gelegt. Rumpolt gibt nur diese eine Zeile, als sechzehnte und letzte Speise im Kapitel „Von Rutten“. Gebratene Ruttenleber kehrt im Kapitel mehrfach wieder, auf grünem Kraut (rum-1075) und mit saurer Erbsenbrühe (rum-1076); hier sind Zitrussaft oder Pobrat die Beigabe.

Welcher Fisch? Die Rutte ist die Quappe (Aalrutte, Lota lota), ein Süßwasserfisch. Das Kapitel widmet ihrer Leber mehrere eigene Gerichte.

Braten. Der Text nennt weder Fett noch Hitze noch Gerät. Braten gart die Leber rasch und bräunt sie. Heute brät man sie kurz in Butter in der Pfanne; das ist moderne Praxis, kein Befund.

Saft oder Pobrat. Der Saft wird erst nach dem Braten darübergedrückt; seine Säure steht gegen die fette, milde Leber. Pomeranze (Bitterorange) und Zitrone stehen im Text gleichrangig nebeneinander. Das Pobrat ist die Alternative dazu: eine gebundene Sauce, die unter die gebratene Leber kommt. Was hineingehört, sagt dieses Rezept nicht; Rumpolt beschreibt das Pobrat beim gekochten Hammelziemer (rum-0174), süß oder säuerlich, und lässt hier beides zu.

Praxis. Die Leber kurz in Butter braten. Bitterorangensaft darüberdrücken, sonst Zitronensaft; oder ein Pobrat nach rum-0174 bereiten und die Leber daraufsetzen. Mengen, Salz und Garzeit nennt der Text nicht.

Was ist eine Rutte?

Die Quappe, auch Aalrutte genannt (Lota lota), ein Süßwasserfisch. Rumpolt widmet ihr ein eigenes Kapitel mit sechzehn Speisen, darunter mehrere Gerichte aus ihrer Leber.

Was ist ein Pobrat?

Eine gebundene Sauce, die Rumpolt beim gekochten Hammelziemer (rum-0174) beschreibt: süß mit Wein, Essig, Zimt, Safran und Zucker, säuerlich mit Essig, Rindfleischbrühe, Nelken, Pfeffer, Zimt und etwas Einbrenne. Hier kommt sie als Alternative zum Zitrussaft unter die gebratene Leber.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Tragende Zutat ist Fischleber, die heute kaum im Handel ist und frisch verarbeitet werden muss.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

16. Ruttenleber gebraten, vnnd saur Pomerantzensafft daruͤber gedruͤckt, oder saur Limoniensafft, oder ein Pobrat darvnter gemacht, es sey suͤß oder saur, so ist es auff beyde manier gut.
Ruttenleber

Leber der Rutte, also der Quappe oder Aalrutte (Lota lota), eines Süßwasserfischs. Das Kapitel „Von Rutten“ gibt ihr mehrere eigene Gerichte.

Pomerantzensafft

Saft der Pomeranze (Bitterorange). „saur“ ist Rumpolts Beiwort zum Saft, keine eigene Zutat.

Limoniensafft

Zitronensaft; Limonien sind bei Rumpolt Zitronen.

Pobrat

Eine gebundene Sauce, die unter das Gericht kommt. Rumpolt beschreibt sie beim gekochten Hammelziemer (rum-0174) selbst: süß aus Wein, Essig, Zimt, Safran und reichlich Zucker dick eingekocht, säuerlich aus Essig und Rindfleischbrühe mit Nelken, Pfeffer, Zimt und etwas eingebranntem Mehl. Die Wörterbücher verzeichnen das Wort nicht, die Herkunft ist ungeklärt.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Kutten
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Ruttenleberliver Q1470283
saur Pomerantzensafftbitter orange Q147096
saur Limoniensafftlemon juice Q1375049

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartRuttenleber

Gewählte Lesart: Leber der Quappe (Aalrutte, Lota lota): Rutte ist ein belegter Name dieses Fisches, das Kapitel heißt „Von Rutten“ und kennt mehrere eigene Leber-Gerichte.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein von der Rutte verschiedener, kleiner Fisch wie Groppe oder Gründling - Nicht gestützt: beide Fische sind zu klein für eigene Leber-Gerichte, und Rumpolt führt Koppen und Kressen in eigenen Kapiteln.

Lesartgebraten

Gewählte Lesart: Rumpolt schreibt nur „gebraten“ und nennt weder Fett noch Gerät: am Rost oder in der Pfanne mit Schmalz oder Butter, alles bleibt offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Kurz in Butter in der Pfanne - Heutige Praxis für die empfindliche Leber; im Text nicht belegt.

LesartPobrat … es sey suͤß oder saur

Gewählte Lesart: Beide Fassungen bleiben offen; Rumpolt sagt ausdrücklich, auf beide Arten sei es gut. Die Rezeptur steht in rum-0174, nicht in diesem Rezept.

Andere mögliche Lesart:

  • Festlegung auf das säuerliche Pobrat (Essig, Rindfleischbrühe, Nelken, Pfeffer, Zimt, Einbrenne) - Läge zur Fischleber nahe, ist aber eine heutige Wahl; der Text lässt beides zu.

LesartPomerantzensafft … oder saur Limoniensafft

Gewählte Lesart: Pomeranzen- und Zitronensaft stehen im Text gleichrangig als Alternativen nebeneinander.

Andere mögliche Lesart:

  • Bitterorangensaft, wenn erhältlich, sonst Zitronensaft - Heutige Praxis, weil Bitterorangen nur in der Saison und im gut sortierten Handel zu haben sind.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXVIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1087
LagerkücheLagerküche
Nein: nur eine Kurzzeile; tragende Zutat ist Fischleber, heute kaum erhältlich und nur frisch zu verarbeiten.
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Stand dieser Fassung: 13.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.