Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Nimm Granatäpfel, schneide sie auseinander und klopfe die Kerne heraus. Bestreue sie mit weißem Zucker, so ist es gut und wohlschmeckend.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Margaranten Epffel | Granatäpfel | - | Supermarkt, Wochenmarkt (Herbst und Winter) | - |
| weissem Zucker | Weißer Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Granatapfelkerne, mit weißem Zucker bestreut und roh zum Braten gereicht. Der Text kennt keinen Garschritt: aufschneiden, Kerne herausklopfen, zuckern.
Welche Frucht? „Margaranten Epffel“ sind Granatäpfel, keine Apfelsorte. Den Ausschlag gibt die Handlung: Man schneidet die Frucht „voneinander“, also auseinander, und klopft die Kerne heraus. Beim Granatapfel ist das genau die übliche Technik, einen Apfel würde man entkernen, nicht ausklopfen.
Wie viel Zucker? Eine Menge nennt der Text nicht, ebenso wenig eine Ziehzeit. „So ist es gut“ heißt: nach Geschmack. Wir bestreuen die Kerne leicht und reichen sie bald; der Zucker mildert die Säure und zieht etwas Saft.
Praxis. Den Granatapfel quer halbieren, die Schnittfläche über einer Schüssel nach unten halten und mit dem Rücken eines Holzlöffels kräftig auf die Schale klopfen, bis die Kerne herausfallen; das Klopfen mit dem Löffel ist moderne Küchenpraxis. Weiße Häutchen auslesen, die Kerne mit etwas Zucker bestreuen und in einer kleinen Schüssel zum Braten stellen. Die Zeitangabe von etwa fünf Minuten ist eine Schätzung.
Granatäpfel. Das Wort ist eine Nebenform von „Margranat“ oder „Margranapfel“, so verzeichnen es die frühneuhochdeutschen Wörterbücher. Rumpolt selbst setzt „Magranden oder Granatöpffel“ gleich und streut andernorts „Granat Epffel Kern“ über Geflügel. Auch die Handlung passt nur zum Granatapfel: Man schneidet ihn auf und klopft die Kerne heraus.
Nicht bei Rumpolt. Das Rezept steht im Kapitel über Beilagen und Tunken zum Braten, neben Saucen, Oliven und Kapern. Die gezuckerten Kerne kommen also zum Fleisch auf den Tisch.
Ja. Es wird nichts erhitzt: Granatäpfel aufschneiden, die Kerne herausklopfen und zuckern. Die Früchte halten sich ohne Kühlung einige Wochen, Zucker ist ohnehin lagerfähig.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Granatäpfel (margranat, margranapfel; Götze, Pritzel). Bei Rumpolt sonst „Granat Epffel“ oder „Magranden“. Gegessen werden die ausgeklopften Kerne.
schneide sie auseinander, also aufschneiden, nicht in Scheiben schneiden.
wohlschmeckend; „gut vnnd wolgeschmack“ ist Rumpolts übliche Schlussformel.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Margaranten Epffel
Gewählte Lesart: Granatäpfel (Punica granatum). „Margaranten“ ist eine Nebenform von margranat/margranapfel (Götze, Pritzel, Schmeller „margrant“); Rumpolt selbst schreibt „Magranden oder Granatöpffel“ und „Granat Epffel Kern“, und das Herausklopfen der Kerne ist die Technik für den Granatapfel.
Andere mögliche Lesart:
Zuckermenge und Ziehzeit
Gewählte Lesart: Der Text nennt weder Menge noch Ziehzeit; „so ist es gut“ heißt nach Geschmack zuckern.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 05.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.