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Steinbockwildbret-Pastete, kalt

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Steinbockwildbret-Pasteten kalt, ist ein grobes Wildbret für ein kleines Tier.

Welches Gericht ist das? Eine kalt gegebene Pastete aus Steinbockwildbret, Nr. 29 im Pastetenkapitel. Mehr als diese Überschrift und eine kurze Wertung des Fleisches enthält der Eintrag nicht: kein Teig, keine Füllung, kein Gewürz, keine Backzeit. Ein ausführbares Kochrezept ist das nicht.

„Zu einem kleinen Tier“. Der Nachsatz ist keine Anweisung, sondern ein Urteil über das Fleisch. Dieselbe Bemerkung steht bei der Gams: „ist aber zu einem kleinen Thier grob Wildpret“ (rum-0459). Wir übersetzen sie dort wie hier mit „für ein kleines Tier grobes Wildbret“. Warum sie beim Steinbock wiederkehrt, sagt Rumpolt nicht.

Praxis. Nachkochen lässt sich aus diesem Eintrag nichts. Wer sich an einer kalten Wildbretpastete orientieren will, findet bei den Kapitelnachbarn Einträge mit Arbeitsschritten; sie sind eigene Rezepte und beschreiben nicht dieses Gericht.

Warum gibt es zu dieser Pastete keine Anleitung?

Rumpolt druckt zu dieser Nummer nur die Überschrift und einen Satz über das Fleisch. Viele Nummern im Pastetenkapitel sind so knapp. Wir ergänzen nichts, was nicht dasteht.

Was bedeutet „ist ein grobes Wildpret zu einem kleinen Tier“?

Es ist ein Urteil über das Fleisch, keine Arbeitsanweisung: für ein kleines Tier grobes Wildbret. Dieselbe Bemerkung steht bei der Gams (rum-0459). Ob sie auf den Steinbock genauso gemünzt ist, lässt der Text offen.

Was hielt Rumpolt vom Steinbock als Speise?

Nicht viel. Im Kapitel vom Steinbock schreibt er, man könne viele Speisen davon beschreiben, es sei aber ein ungesundes Essen und Ursache schwerer Krankheiten (rum-0467).

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

29. Steinbock Wildpret Pasteten kalt, ist ein grobes Wildpret zu einem kleinen Tier.
Steinbock Wildpret

Wildbret vom Steinbock. Rumpolt führt dem Steinbock ein eigenes Kapitel, mit dem Kopf als Schaugericht (rum-0466) und schwarz eingemachtem Wildbret (rum-0467); dort heißt es, man könne viele Speisen davon beschreiben, es sei aber „ein vngesundt Essen“.

grobes Wildpret

Grob im Sinn von derb, wenig fein. Rumpolt wertet damit das Fleisch; worin das Grobe genau liegt, sagt er nicht.

zu einem kleinen Tier

Für ein kleines Tier. Dieselbe Formel steht bei der Gams (rum-0459). Ob „klein“ hier die Größe des Tieres meint oder ob die Bemerkung aus der Gams-Stelle übernommen ist, lässt der Text offen.

Pasteten kalt

Die Pastete wird kalt aufgetragen. Wie sie gebacken wird, steht nicht da.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Pasteten aus Fleisch und Geflügel
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzu einem kleinen Tier

Gewählte Lesart: „Für ein kleines Tier“: eine Wertungsformel über das Fleisch, gleichlautend mit der Gams-Stelle in rum-0459 („ist aber zu einem kleinen Thier grob Wildpret“). Deshalb dort wie hier gleich übersetzt.

Andere mögliche Lesarten:

  • „Im Verhältnis zu einem kleinen Tier“: das Fleisch ist gröber, als man es von einem Tier dieser Größe erwartet - Sprachlich möglich; der Satz entscheidet zwischen „für“ und „im Vergleich zu“ nicht.
  • Die Formel ist aus der Gams-Stelle mechanisch übernommen und passt auf den Steinbock nur bedingt - Würde erklären, warum die Bemerkung zur Größe beim Steinbock steht; einen Beleg dafür gibt es nicht.
  • Eine Pastete in Gestalt eines kleinen Tieres oder aus kleinen Stücken - Vom Text nicht gedeckt; das Wort „ist“ macht den Satz zu einer Aussage über das Wildbret, nicht über die Form der Pastete.

Lesartgrob

Gewählte Lesart: Derb, wenig fein: eine Abwertung des Fleisches, aus dem Zusammenhang gelesen.

Andere mögliche Lesart:

  • Grob im Sinn von grobfaserig oder zäh - Läge nahe, ist aber eine Zuspitzung, die der Satz nicht ausspricht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1757
LagerkücheLagerküche
Überschrift ohne Garangabe: Der Eintrag nennt nur das Wildbret und dass die Pastete kalt gegeben wird, aber weder Teig noch Füllung noch einen Arbeitsschritt.
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Stand dieser Fassung: 09.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.