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Gebratene Pute, warm mit Pobrat oder kalt

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Warm gar gebraten mit einem Pobrat oder trocken, ohne Sauce, servieren. Oder kalt werden lassen, denn es ist ein gutes Essen, wenn es kalt ist.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Pute (Indianische Henne, aus der Kapitelüberschrift) - Metzger, gut sortierter Supermarkt -
einem Pobrat Pobrat (süße oder säuerliche Sauce) - - ohne Sauce (trocken) servieren

Welches Gericht ist das? Eine gebratene Pute, die Rumpolt auf drei Arten auftragen lässt: warm mit einem Pobrat, warm ohne Sauce oder kalt, weil sie kalt gut schmeckt. Der Text ist das erste von zwanzig Rezepten zur Indianischen Henne und nennt nur das Ergebnis. Bratgerät, Füllung, Würzung und Garzeit fehlen.

Braten. Rumpolt verlangt nur, dass die Pute gar gebraten ist. Wer nachkocht, brät die ganze Pute im Ofen und prüft den Garpunkt nach heutiger Praxis; das ist eine moderne Ausführung, keine Angabe des Textes.

Pobrat. Die Sauce setzt Rumpolt voraus. Ihre Rezeptur steht beim gekochten Hammelziemer (rum-0174), süß oder säuerlich. Welche Variante zur Pute passt, lässt der Text offen; Zutaten werden deshalb hier nicht ergänzt.

Praxis. Warm gleich nach dem Braten mit Pobrat oder ohne Sauce anrichten. Für die kalte Variante den Braten auskühlen lassen und gekühlt aufbewahren, dann aufschneiden.

Was ist eine ‚Indianische Henne‘?

So nennt Rumpolt in der Überschrift dieses Kapitels die Pute, den Truthahn. „Indianisch“ heißt hier „aus Übersee“; „Henne“ bezeichnet die Tierart, nicht das Geschlecht, denn im selben Kapitel ist auch vom „Jndianischen Han“ die Rede.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Die Hauptzutat ist frisches Geflügel, das eine Kühlkette braucht. Gebraten wird die Pute im Rezept selbst, und eine ganze Pute zu braten dauert mehrere Stunden; Verfahren und Garzeit nennt Rumpolt nicht.

Was ist ein ‚Pobrat‘?

Eine gewürzte Sauce unter dem Braten. Rumpolt beschreibt sie beim gekochten Hammelziemer (rum-0174) in zwei Varianten: süß mit Wein, Essig, Zimt, Safran und Zucker, säuerlich mit Essig, Rindfleischbrühe, Nelken, Pfeffer, Zimt und etwas Einbrenne. Hier setzt er sie nur voraus, ohne Variante oder Zutaten zu nennen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

I. WArm abgebraten mit einem Pobrat, oder trucken geben, Oder kalt lassen werden, denn es ist ein gut Essen, weñs kalt ist.
Indianische Henne

So heißt das Tier in Rumpolts Kapitelüberschrift, unter der dieses Rezept als Nr. 1 steht; der Rezeptsatz selbst nennt es nicht. Gemeint ist die Pute, der Truthahn. „Indianisch“ bedeutet hier „aus Übersee“; im Nachbarrezept Nr. 3 spricht Rumpolt vom „Jndianischen Han“.

abgebraten

Gar gebraten, fertig gebraten; die Vorsilbe ab- bezeichnet die Vollendung. Grimms Wörterbuch belegt abbraten ausdrücklich für Geflügel, das kalt gegessen werden soll.

Pobrat

Eine gewürzte Sauce, die unter den Braten kommt. Die Rezeptur steht nicht hier, sondern beim gekochten Hammelziemer (rum-0174): süß mit Wein, Essig, Zimt, Safran und reichlich Zucker, säuerlich mit Essig, Rindfleischbrühe, Nelken, Pfeffer, Zimt und etwas Einbrenne. Welche Variante zur Pute gehört, lässt dieses Rezept offen. Die Herkunft des Wortes ist ungeklärt.

trucken geben

Trocken auftragen, also ohne Sauce servieren; geben heißt hier anrichten.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von der Truthenne
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartabgebraten

Gewählte Lesart: Gar gebraten, fertig gebraten (DWB „abbraten“ = fertig braten, auch für Geflügel, das kalt gegessen werden soll; Fischer „abbraten, rosten“). Rumpolt gebraucht dieselbe Formel beim ganzen Lamm (rum-0195).

Andere mögliche Lesart:

  • Nur servieren, die Pute ist schon gebraten - Nicht gedeckt: „abgebraten“ ist der einzige Garschritt des Satzes und gehört zum Rezept.

LesartBratverfahren und Garzeit

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt weder Spieß noch Ofen, weder Füllung noch Garzeit; der Text verlangt nur, dass die Pute gar gebraten ist.

Andere mögliche Lesarten:

  • Am Spieß über dem Feuer gebraten - Historisch naheliegend, in diesem Rezept aber nicht belegt.
  • Ganze Pute im Ofen braten, Garpunkt nach heutiger Praxis prüfen - Moderne Ausführung für die Nachkochpraxis, nicht Rumpolts Anweisung.

LesartPobrat

Gewählte Lesart: Druckform beibehalten. Die Bedeutung ergibt sich aus Rumpolts eigener Beschreibung beim gekochten Hammelziemer (rum-0174): eine gewürzte, gebundene Sauce, süß oder säuerlich, die unter den Braten kommt. Kein Wörterbuch führt das Wort. Welche der beiden Varianten hier gemeint ist, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere Rumpolt-Sauce, etwa ein Gescharb - Rumpolt nennt Pobrat und Gescharb anderswo nebeneinander als Alternativen; hier steht nur Pobrat, deshalb nicht ergänzen.

LesartIndianische Henne

Gewählte Lesart: Pute. Das Tier steht nur in der Kapitelüberschrift („Von einer Jndianischen Henn“), unter der das Rezept als Nr. 1 steht; im selben Kapitel heißt es auch „Jndianischen Han“, alle Nachbarrezepte meinen dasselbe Tier.

Andere mögliche Lesart:

  • Perlhuhn - Ältere Namen für Perlhühner liegen nahe; Rumpolts Kapitel und die Nachbarrezepte dieser Reihe (darunter der „Jndianische Han“) werden aber durchgehend als Pute gelesen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXVIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0521
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Hauptzutat ist frisches Geflügel, das gekühlt beschafft und gelagert werden muss. Die Pute wird im Rezept selbst gar gebraten; Bratverfahren und Garzeit nennt Rumpolt nicht. Kalt gegessen ist der Braten bis zum Servieren kühl zu halten.
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Stand dieser Fassung: 04.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.