Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Karwenada vom Karpfen.
Welches Gericht ist das? Ein Karpfen als Karwenada, also nach Rumpolts Gerichtsname zubereitet. Mehr sagt die Zeile nicht: Sie ist Nr. 21 einer Liste von Karpfengerichten, die Rumpolt nur mit Namen aufzählt. Heute denkt man bei dem Namen an ein Stück vom Rost, das ist aber eine Deutung, kein Befund dieser Zeile.
Wie wird die Karwenada gemacht? Das steht hier nicht. Wo Rumpolt eine Fisch-Karwenada ausführt, brät er den Fisch und gibt etwas Saures darüber: beim Schaiden heißt es, man müsse sie zügig braten oder backen und könne eine saure Brühe darüber machen (Rezept 893); den Aal schneidet er dünn und brät ihn auf dem Rost (Rezept 1070); beim Lachs kommt eine Brühe über das gebratene Stück (Rezept 902). Ob er den Karpfen genauso behandelt, sagt diese Zeile nicht. Garweise, Beigabe und ob warm oder kalt aufgetragen wird, bleiben offen.
Praxis. Wer die Zeile nachkochen will, kann sich an die Fisch-Karwenaden der anderen Kapitel halten: Karpfenstücke dünn schneiden, würzen, auf dem Rost zügig braten und eine saure Brühe darübergeben. Das ist eine Übertragung aus den Parallelen, keine Anweisung Rumpolts für den Karpfen. Frischer Karpfen braucht eine durchgehende Kühlkette.
Der Druck nennt zu dieser Nummer nur diese eine Zeile, wie auch zu den folgenden Karpfengerichten Nr. 22 bis 25. Wie eine Karwenada gemacht wird, setzt Rumpolt offenbar als bekannt voraus; ausgeführt hat er sie bei anderen Fischen, etwa beim Schaiden, beim Lachs und beim Aal. Wir ergänzen in der Übersetzung nichts.
Ein Gerichtsname, den Rumpolt bei Fleisch, Geflügel und Fisch gebraucht. Wo er ihn beim Fisch ausführt, wird der Fisch zügig gebraten und mit etwas Saurem übergossen. Die Verwandtschaft mit französisch carbonnade und der heutigen Karbonade ist eine naheliegende Deutung, für Rumpolts Zeit aber kein Wörterbuchbeleg.
Eingeschränkt. Frischer Karpfen braucht bis zum Garen eine durchgehende Kühlkette. Eine Anleitung gibt Rumpolt nicht; wer sich an die gebratenen Fisch-Karwenaden der anderen Kapitel hält, kommt am Feuer mit einem Rost aus.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Rumpolts Gerichtsname, den er bei Hammel, Geflügel und Fisch gebraucht, hier ohne jede Garangabe. Wo er eine Fisch-Karwenada ausführt, wird der Fisch gebraten: zügig gebraten oder gebacken mit saurer Brühe (Rezept 893), der Aal dünn geschnitten auf dem Rost (Rezept 1070). Die Nähe zu französisch carbonnade und zur heutigen Karbonade (mundartlich Rippenstück, Kotelett) ist eine Deutung, kein Beleg; die Wörterbücher datieren diese Entlehnung erst ins frühe 18. Jahrhundert.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Karwenada
Gewählte Lesart: Als Rumpolts Gerichtsname in der Druckform beibehalten, wie überall im Buch. Beim Fisch steht er dort, wo Rumpolt ihn ausführt, für ein zügig gebratenes Stück mit saurer Beigabe (Rezepte 893, 902, 1070). Für den Karpfen sagt diese Zeile das nicht selbst.
Andere mögliche Lesart:
Garweise und Beigabe
Gewählte Lesart: Offen: Rumpolt gibt für den Karpfen weder Garweise noch Beigabe an. Auch beim Stör (Rezept 880) nennt er nur den Zitronensaft. Ob gebraten, gekocht oder kalt aufgetragen, bleibt unentschieden.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 12.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.