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Aal in Pastete, warm

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Aal in Pasteten fein warm.

Welches Gericht ist das? Aal in einer Pastete, warm aufgetragen; heute am ehesten eine Aalpastete oder Aal im Teigmantel. Die Nummer besteht nur aus dieser einen Zeile: Teig, Würzung, Vorbereitung des Aals, Backzeit und Hitze nennt Rumpolt hier nicht, und wir ergänzen kein eigenes Verfahren.

Was heißt „fein warm“? Gemeint ist der Zustand beim Auftragen: Die Pastete kommt schön warm auf den Tisch. Rumpolt gebraucht die Wendung auch anderswo so, etwa „daß es fein warm kompt auff einen Tisch“ (rum-0109).

Teig und Füllung. Beides nennt die Zeile nicht. Ausgeschrieben hat Rumpolt eine Aalpastete im Kapitel über Fischpasteten (rum-1783): den Aal häuten, in Stücke schneiden, kurz mit Wasser aufsetzen und säubern, in eine Pastete aus hellem Teig legen, mit Pfeffer, Ingwer, Salz und Muskatblüte bestreuen, ganzen Pfeffer, ungeschälte Zwiebeln und frische Butter dazugeben, backen und zum Schluss eine saure, mit Eigelb angemachte Brühe darübergießen. Das ist eine Parallele aus einem anderen Kapitel, kein ausdrücklicher Verweis dieser Zeile. Eine Variante im selben Aal-Kapitel ist Nr. 11 (rum-1071): Aal schwarz in Pasteten, fein warm, mit Limonien. Von schwarzer Sauce oder Limonien steht hier nichts.

Praxis. Ein nachkochbares Rezept ist diese Zeile allein nicht. Wer das Gericht im Sinne Rumpolts backen will, hält sich an die ausgeschriebene Aalpastete (rum-1783), hält den Aal bis zum Einschlagen kühl und trägt die Pastete warm auf.

Beschreibt Rumpolt die Aalpastete an anderer Stelle?

Ja, im Kapitel über Fischpasteten steht eine ausgeschriebene Aalpastete mit Pfeffer, Ingwer, Muskatblüte, ungeschälten Zwiebeln und Butter in hellem Teig, nach dem Backen mit einer sauren Eierbrühe übergossen (rum-1783). Das ist Nachbarschaft im Buch, kein ausdrücklicher Verweis dieser Zeile. Im Aal-Kapitel selbst nennt Nr. 11 eine Variante: Aal schwarz in Pasteten mit Limonien (rum-1071).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frischer Aal braucht bis zum Backen eine durchgehende Kühlkette, und für die Pastete sind Teig und eine Backgelegenheit nötig. Teig, Füllung und Backzeit nennt diese Zeile nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

4. Aal in Pasteten fein warm.
Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Aal
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartfein warm

Gewählte Lesart: Servierzustand: die Pastete wird schön warm aufgetragen. So gebraucht Rumpolt die Wendung auch in rum-0109 („daß es fein warm kompt auff einen Tisch“) und in Nr. 11 dieses Kapitels (rum-1071).

Andere mögliche Lesart:

  • „fein“ als Qualitätsangabe zur Pastete selbst (eine feine Pastete) - Die Stellung direkt vor „warm“ und die Parallelen im Buch sprechen für die Verbindung „fein warm“; eine Aussage über die Güte der Pastete ist nicht belegt.

LesartTeig, Füllung und Garweise

Gewählte Lesart: Offen: Die Zeile nennt nur Aal, Pastete und warmes Auftragen.

Andere mögliche Lesart:

  • Verfahren der ausgeschriebenen Aalpastete aus dem Kapitel über Fischpasteten (rum-1783): heller Teig, Pfeffer, Ingwer, Salz, Muskatblüte, ungeschälte Zwiebeln, Butter, saure Eierbrühe - Brauchbar als Anhalt für die Praxis, aber eine Parallele aus einem anderen Kapitel; die Zeile hier verweist nicht ausdrücklich darauf.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXVIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1064
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Pastete mit frischem Aal als Hauptzutat. Der Fisch braucht bis zum Backen eine durchgehende Kühlkette, die Pastete Teig und eine Backgelegenheit. Der Text selbst nennt nur die Überschrift, kein Verfahren.
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Stand dieser Fassung: 12.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.