Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Vom Manscho Blancko, das vom Stockfisch gemacht wird: Du kannst etliche Speisen zubereiten, wie zuvor erwähnt ist.
Und wenn man auch noch so viel aus einem Stockfisch zubereiten soll, so ist es doch nur ein Stockfisch und bleibt ein Stockfisch; und man mag es zubereiten, wie man will, so ist es doch ein Stockfisch. Er wandert in alle Länder, allein nicht in das Land Ungarn, denn sie haben bereits Fisch im Überfluss. Und ein Ungar spricht sogleich: „Bidesck Bestia“, das ist: „Der Schelm stinkt.“
Und man kann viele Speisen aus dem Stockfisch zubereiten, es ist aber der Mühe nicht wert.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Stockfisch | Stockfisch | - | gut sortierter Supermarkt, Fischhändler | - |
Welches Gericht ist das? Keines. Die Nummer 12 schließt das Kapitel vom Stockfisch mit einer Bemerkung statt einer Zubereitung: Aus dem Blancmanger vom Stockfisch lasse sich manches machen, „wie zuvor vermeldt ist“, doch bleibe der Stockfisch ein Stockfisch, und die Mühe lohne nicht. Zutatenmengen, Gerät, Hitze oder Garschritte nennt der Text nicht.
Der Rückverweis. „Wie zuvor vermeldt ist“ zielt auf die vorangehenden Nummern des Kapitels: das Blancmanger vom Stockfisch (rum-1240), dort selbst nur eine Zeile, und die Stockfisch-Gerichte danach, etwa die spanischen Krapfen mit Stockfisch-Gehack (rum-1242). Wie Rumpolt aus einem Blancmanger weitere Speisen wie Torten und Krapfen macht, steht beim Barsch (rum-1132).
Wer wandert? Am nächsten liegt, dass der Stockfisch selbst als Handelsware „in alle Landt“ wandert; das Satzgefüge ließe auch das Gericht als Subjekt zu.
Praxis. Aus diesem Text lässt sich nichts kochen, und wir ergänzen kein Verfahren. Wer ein Stockfisch-Gericht aus diesem Kapitel nachkochen will, beginnt bei den ausgeführten Nummern, etwa rum-1242.
Nein. Es ist die zwölfte und letzte Nummer des Stockfisch-Kapitels, eine Schlussbemerkung ohne Mengen und Arbeitsschritte. Rumpolt verweist auf das Blancmanger vom Stockfisch (rum-1240) und die daraus gemachten Speisen und schließt mit dem Satz, man könne viel aus Stockfisch zubereiten, „es ist aber der muͤhe nicht wehrt“.
Es ist Rumpolts Schreibung für spanisch manjar blanco, den Blancmanger, eine weiße Speise. Beim Kapaun nennt er den Namen selbst „auff Spanisch“ (rum-0682) und kocht ihn dort mit Reis, Rahm oder Milch und Brühe; beim Hecht (rum-0979) mit Reismehl und Mandelmilch. Für den Stockfisch steht im Kapitel nur die Überschrift (rum-1240).
Rumpolt nennt einen Grund: Die Ungarn haben „vorhin Fisch vollauff“, also ohnehin reichlich Fisch. Dazu zitiert er den Spruch eines Ungarn, „Bidesck Bestia“, den er selbst mit „der Schelm stinckt“ übersetzt. Mehr sagt der Text nicht; ein einzelner Spruch taugt nicht als Beleg für ungarische Essgewohnheiten.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Rumpolts Schreibung für spanisch manjar blanco, „weiße Speise“, den Blancmanger. Beim Kapaun sagt er selbst: „man nennets auff Spanisch Manscho Blancko“ (rum-0682). Das Blancmanger vom Stockfisch steht in diesem Kapitel als Nummer 4 (rum-1240).
„vorhin“ heißt hier „bereits, schon“, „vollauff“ „im Überfluss, reichlich“: Die Ungarn haben schon Fisch genug.
Rumpolt übersetzt den Ausruf selbst: „der Schelm stinckt“. Das ist der einzige belegte Sinn. Dass Bidesck das ungarische büdös „stinkend“ wiedergibt, liegt nahe, ist aber eine Vermutung; ebenso, dass Bestia dem lateinischen bestia „Tier“ entspricht, das Rumpolt mit „Schelm“ wiedergibt.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Stockfisch | stockfish Q213725 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Manscho Blancko
Gewählte Lesart: Rumpolts eigener Gerichtsname, seine Schreibung für spanisch manjar blanco; im Fließtext als Druckform belassen, die Entsprechung Blancmanger steht in der Anmerkung, wie bei rum-1240 und rum-1132.
Andere mögliche Lesart:
Bidesck Bestia
Gewählte Lesart: Rumpolts eigene Übersetzung „der Schelm stinckt“ ist der einzige belegte Sinn und wird so wiedergegeben.
Andere mögliche Lesart:
wandert in alle Landt (Subjekt)
Gewählte Lesart: Der Stockfisch wandert in alle Länder, als Handelsware; so folgt es aus dem vorangehenden „so ist es doch ein Stockfisch“.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 14.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.