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Amarellen (Sauerkirschen) im Teig ausgebacken

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Gebackene Amarellen: mit einem Teig umhüllt - wie man den Teig machen soll, ist zuvor beschrieben - und rasch ausgebacken.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Amarellen Amarellen - Supermarkt, Wochenmarkt -
Teig Teig - - -
(erschlossen) Backfett (nicht genannt) - - Butterschmalz

Welches Gericht ist das? Sauerkirschen, mit Teig umhüllt und in heißem Fett ausgebacken, heute am ehesten Kirschen im Backteig. Rumpolt gibt nur drei Schritte: Früchte in den Teig, den Teig nach früherer Angabe bereiten, rasch ausbacken.

Der Teig. Die Zeile nennt weder Zutaten noch Konsistenz. Wir folgen dem ausführlichen Rezept für ausgebackene Weichseln mit Stiel (rum-1494): ein Teig aus Mehl und Wein. Das ist ein Schluss aus diesem Nachbarrezept, nicht Wortlaut dieser Zeile; ein Eierteig wäre bei Rumpolt ebenso denkbar.

Das Fett. „Ausbacken“ heißt Backen in heißem Fett. Welches Fett, sagt die Zeile nicht; in den Nachbarrezepten (rum-1494, rum-1666) ist es heiße Butter.

Praxis. Sauerkirschen gut abtrocknen, durch einen glatten, nicht zu dünnen Teig aus Mehl und Wein ziehen und portionsweise in heißer Butter oder Butterschmalz rasch goldbraun ausbacken. Zucker nennt diese Zeile nicht.

Warum ist das Rezept nur eine Zeile lang?

Rumpolt wiederholt den Teig nicht, sondern verweist mit „wie vorhin vermeldt ist“ auf eine andere Stelle. Vor dieser Nummer haben wir einen Teig zum Ausbacken von Obst nicht gefunden; ausführlich beschrieben ist er erst später, etwa bei den ausgebackenen Weichseln mit Stiel und den Äpfeln im Weinteig.

Was sind Amarellen?

Sauerkirschen. Rumpolt unterscheidet Amarellen und Weichseln als zwei Sorten, beide sind heute als Sauerkirschen im Handel.

Welchen Teig nehme ich?

Die Zeile nennt keinen. Für die Praxis nehmen wir einen Teig aus Mehl und Wein, wie ihn Rumpolt bei den ausgebackenen Weichseln mit Stiel beschreibt. Das ist ein Schluss aus diesem Nachbarrezept.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

18. Amarellen gebacken, mit einem Teig eyngemacht, wie vorhin vermeldt ist, wie man den Teig machen sol, vnd geschwindt außgebacken.
Amarellen

Sauerkirschen (FWB amarelle: „Sauerkirsche, Amarelle, Frühweichsel“; Fischer: kleine rote Sauerkirsche). Rumpolt führt Amarellen und Weichseln nebeneinander, für ihn sind es zwei Sorten derselben Frucht. Die zweite Bedeutung im FWB, kleine frühe Pfirsiche, passt nicht zu Rumpolts Gebrauch.

mit einem Teig eyngemacht

Hier nicht „in einer Sauce gegart“ und nicht „eingelegt“: Die Frucht wird mit einem Teig umhüllt. Rumpolt gebraucht „eynmachen“ mit Teig auch bei Pasteten („von weissem oder grobem Teig eyngemacht“) und für das Anrühren des Teigs selbst („wie man den Teig eynmachen sol“).

wie vorhin vermeldt ist

Rumpolts feste Verweisformel: wie zuvor beschrieben. Für den Teig verweist er damit auf eine andere Stelle des Buchs, statt ihn hier zu wiederholen.

geschwindt außgebacken

„Geschwind“ heißt rasch, zügig. „Ausbacken“ ist Backen in heißem Fett.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Amarellensour cherry Q68438267

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartmit einem Teig eyngemacht

Gewählte Lesart: Mit einem Teig umhüllt. Gegenstand sind die Amarellen, und die ausführlichen Rezepte für Obst im Teig (Weichsel mit Stiel, Weichsel-Küchlein) tauchen die Früchte in den Teig und backen sie dann aus.

Andere mögliche Lesarten:

  • Mit einem Teig zubereitet, der Teig angerührt - So gebraucht Rumpolt „den Teig eynmachen“ in anderen Verweiszeilen. Dort ist aber der Teig Gegenstand, hier die Frucht; die Lesart bleibt mit „umhüllt“ verträglich.
  • Eingemacht im Sinn von in Sauce gegart oder eingelegt - Hier ist weder Sauce noch Konservierung genannt, „mit einem Teig“ und „außgebacken“ schließen das aus.

Lesartwie vorhin vermeldt ist, wie man den Teig machen sol

Gewählte Lesart: Verweis auf einen Teig zum Ausbacken von Obst, wie ihn Rumpolt in den ausführlichen Obstrezepten beschreibt (Mehl und Wein, die Früchte in heiße Butter). Vor dieser Nummer haben wir einen solchen Teig nicht gefunden; er steht erst später im selben Kapitel und im Kapitel „Von allerley Gebackens“.

Andere mögliche Lesarten:

  • Verweis auf einen der früher im Buch beschriebenen Pasteten- oder Roggenteige - Das sind Teige zum Umschlagen und Backen im Ofen, nicht zum raschen Ausbacken in Fett; zu „geschwindt außgebacken“ passen sie nicht.
  • Rumpolt gebraucht „vorhin“ hier locker oder hat sich in der Reihenfolge vertan - Möglich, aber nicht belegbar; deshalb nur als Alternative.

LesartTeigzusammensetzung

Gewählte Lesart: Offen. Rumpolt kennt zum Ausbacken sowohl Weinteige aus Mehl und Wein als auch Eierteige; die Zeile sagt nur „den Teig“.

Andere mögliche Lesart:

  • Teig aus Mehl und Wein, wie bei den ausgebackenen Weichseln mit Stiel - Gleiche Fruchtart und gleiches „geschwindt außbacken“; deshalb unsere Praxis, aber nicht Wortlaut dieser Zeile.

LesartBackfett

Gewählte Lesart: Heiße Butter, wie in den ausführlichen Rezepten für Sauerkirschen im Teig; die Zeile selbst nennt kein Fett, Schmalz ist ebenso möglich.

Andere mögliche Lesart:

  • Butter oder Butterschmalz in der Pfanne - Heutige Umsetzung; Butterschmalz verbrennt beim Ausbacken weniger leicht.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1300
LagerkücheLagerküche
Verweisrezept: Es übernimmt die Wertung der ausführlichen Rezepte für Obst im Teig (Sauerkirschen mit Stiel, Weichsel-Küchlein, Äpfel im Weinteig: jeweils ja). Sauerkirschen, Mehl, Wein und Backfett, kein frisches Fleisch oder Fisch, gebacken wird in der Pfanne.
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.