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Dörrpfirsiche in Wasser und Wein, mit Zucker bestreut

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Getrocknete Pfirsiche. Nimm halb Wasser und halb Wein, lass es damit einmal aufkochen, und wenn du es anrichtest, bestreue es mit weißem Zucker. So ist es eine gute Speise.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Duͤrre Pfersig Getrocknete Pfirsiche - Supermarkt -
halb Wasser Wasser - - -
halb Wein Wein - Supermarkt -
weissem Zucker weißer Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Ein schlichtes Kompott aus getrockneten Pfirsichen in einer Mischung aus halb Wasser und halb Wein, beim Anrichten mit weißem Zucker bestreut. Das Gemisch gibt den trockenen Früchten Flüssigkeit zurück, der Wein bringt Säure und Aroma, das Wasser mildert ihn.

Wie kommen die Pfirsiche in den Sud? Rumpolt nennt die Früchte nur in der Überschrift, der Satz danach handelt allein von der Flüssigkeit. Am naheliegendsten ist, dass die Pfirsiche im Wasser-Wein-Gemisch angesetzt werden und mitkochen: So steht es ausdrücklich bei den Dörrkirschen (rum-1402) und den dürren Weichseln (rum-1498), beide mit derselben Mischung. Ein Übergießen der Früchte mit heißem Sud steht nicht im Text.

Wie lange? Ein Sudt auffthun heißt bei Rumpolt, einmal aufwallen lassen. Bei weichen Dörrpfirsichen reicht das, harte Früchte brauchen länger, bis sie weich sind. Hitze und Dauer nennt der Text nicht.

Zucker erst zum Schluss. Der Zucker kommt beim Anrichten obenauf und ist die einzige Süße; der Sud selbst bleibt ungesüßt.

Warm oder kalt? Der Text sagt es nicht. Bei den Dörrkirschen erlaubt Rumpolt beides.

Praxis. Die Pfirsiche in einem Topf mit dem Wasser-Wein-Gemisch knapp bedecken, etwa mit trockenem Weißwein, aufwallen lassen und bei kleiner Hitze weich ziehen lassen, je nach Trocknung etwa 15 bis 30 Minuten (Schätzung, probieren). Warm anrichten und mit weißem Zucker bestreuen. Mengen nennt der Text nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Getrocknete Pfirsiche, Wein, Wasser und Zucker brauchen keine Kühlung, ein Topf am Feuer genügt. Wie lange die Früchte brauchen, hängt von ihrer Trocknung ab; der Text nennt keine Zeit.

Was bedeutet „ein Sudt auffthun“?

Bei Rumpolt heißt das, die Flüssigkeit einmal aufwallen zu lassen, also kurz aufkochen. Die Pfirsiche kochen dabei am wahrscheinlichsten mit, wie bei seinen Dörrkirschen; ein Übergießen mit heißem Sud steht nicht im Text.

Serviert man das warm oder kalt?

Das Rezept sagt es nicht. Bei den Dörrkirschen im selben Kapitel lässt Rumpolt beides zu.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

162. Duͤrre Pfersig. Nim̃ halb Wasser vnd halb Wein, laß darmit ein Sudt auffthun, vnd wenn du es anrichtest, so bestraͤw es mit weissem Zucker, so ist es ein gute Speiß.
Duͤrre Pfersig

Dürr heißt trocken, getrocknet, wie bei den dürren Äpfeln (rum-1326) und Kirschen (rum-1402). Pfersig ist der Pfirsich. Die Frucht steht nur in der Überschrift, der Zubereitungssatz bezieht sich auf sie.

ein Sudt auffthun

Bei Rumpolt eine feste Wendung für einmal aufwallen lassen, also kurz aufkochen. Sud ist hier die siedende Flüssigkeit, kein eigenes Gericht.

bestraͤw es mit weissem Zucker

Bestreue es mit weißem Zucker. Der Zucker kommt nach Rumpolts Brauch erst beim Anrichten darauf.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

halb Wasserwater Q283
halb Weinwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartDuͤrre Pfersig

Gewählte Lesart: Getrocknete Pfirsiche: dürr heißt bei Rumpolt durchweg trocken (dürre Äpfel rum-1326, dürre Kirschen rum-1402), Pfersig ist im ganzen Buch der Pfirsich (rum-1443, rum-1803).

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere Steinfrucht, etwa Aprikose - Nicht gestützt: Rumpolt verwendet Pfersig überall für den Pfirsich.

Lesartlaß darmit ein Sudt auffthun (Verbleib der Pfirsiche)

Gewählte Lesart: Die Pfirsiche werden im Wasser-Wein-Gemisch angesetzt und kochen mit; so verfahren die Parallelrezepte mit Dörrkirschen (rum-1402, „setz zu mit halb Wasser vnnd halb Wein“) und dürren Weichseln (rum-1498, „Nim̃ sie … setz zu“).

Andere mögliche Lesarten:

  • Den Sud getrennt aufkochen und heiß über die Pfirsiche gießen - Der Text nennt kein Übergießen; möglich, wenn die Früchte schon weich sind, aber ohne Beleg im Rezept.
  • Die Früchte nur kurz im aufwallenden Sud erwärmen und sofort anrichten - Wörtlich nahe an „ein Sudt auffthun“; harte Dörrpfirsiche würden dabei aber kaum weich.

Lesartein Sudt auffthun

Gewählte Lesart: Einmal aufwallen lassen, kurz aufkochen: feste Wendung, die Rumpolt in rund achtzig Rezepten so gebraucht.

Andere mögliche Lesart:

  • auffthun als öffnen, aufmachen - Wörterbuchbedeutung des Verbs allein; in der festen Wendung mit Sudt ergibt sie keinen Sinn.

LesartWein

Gewählte Lesart: Wein ohne Farbangabe; Rumpolt legt sich nicht fest.

Andere mögliche Lesarten:

  • Trockener Weißwein - Praxis-Vorschlag, mildes Aroma neben der Frucht.
  • Rotwein - Ebenso möglich, der Text schließt ihn nicht aus.

LesartWarm oder kalt

Gewählte Lesart: Der Text sagt es nicht; das Bestreuen beim Anrichten passt zu direktem Auftragen aus dem Topf.

Andere mögliche Lesarten:

  • Warm - Praxis-Vorschlag: der Zucker löst sich in der Restwärme teilweise.
  • Kalt - Bei den Dörrkirschen (rum-1402) erlaubt Rumpolt ausdrücklich beides.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1444
LagerkücheLagerküche
Getrocknete Pfirsiche, Wein, Wasser und Zucker sind haltbar und brauchen keine Kühlung; ein Topf am Feuer genügt. Wie lange die Früchte brauchen, hängt davon ab, wie hart sie getrocknet sind - der Text nennt keine Zeit.
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.