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Panada von Reis in Rindfleischbrühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Du kannst auch eine Panada aus Reis machen. Wenn der Reis in Rindfleischbrühe gesotten ist, mach sie mit Eigelb oder ohne - auf beide Arten ist sie gut.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Reiß Reis - - -
Rindtfleischbruͤh Rindfleischbrühe - Metzger -
Eyerdotter Eigelb (optional) - - -

Welches Gericht ist das? Reis wird in Rindfleischbrühe gesotten, bis er zum Brei wird, und wahlweise mit Eigelb gebunden. Rumpolt nennt das Panada, ein Wort, das sonst für eine Brotsuppe steht; bei ihm gibt es die Panada aus Weißbrot (Nr. 210, rum-1492), aus Reis in Erbsenbrühe (Nr. 159, rum-1441) und aus Gerste (Nr. 160, rum-1442). Heute erinnert das Gericht an einen Reisbrei oder eine dicke Reissuppe mit Ei.

Durchgestrichen oder nicht. Bei der Reis-Panada in Erbsenbrühe wird der Reis durchgestrichen; in dieser Nummer steht davon nichts. Der Reis gibt beim Sieden Stärke ab und bindet den Brei von selbst, ein eigener Bindeschritt ist nicht nötig. Heute siedet man ihn weich, bis er zerfällt, und rührt ihn glatt.

Das Eigelb. Rumpolt stellt es frei. Eigelb macht den Brei sämiger und reichhaltiger; bei der Weißbrot-Panada schreibt er: „ruͤr Eyerdotter darein/ so wirt es glat“. Wann es hineinkommt, sagt diese Nummer nicht. Heute verquirlt man es mit etwas heißer Brühe und rührt es vom Feuer genommen ein, damit es nicht gerinnt; das ist moderne Praxis, kein Textbefund.

Praxis. Reis in Rindfleischbrühe bei schwacher Hitze sieden und gelegentlich rühren, damit nichts ansetzt. Bis der Reis zerfällt, dauert es etwa 20 bis 30 Minuten; das ist ein Erfahrungswert, der Text nennt keine Zeit. Mengen, Mengenverhältnis und Salz nennt der Text nicht; gesalzen wird nach Geschmack.

Was ist Panada bei Rumpolt?

Ein in Brühe gesottener Brei. Das Wort steht sonst für eine Brotsuppe, und so gebraucht es Rumpolt auch bei einer Panada aus Weißbrot (rum-1492): „Diese Speise nennet man Panada“. Er macht sie aber auch aus Reis, hier in Rindfleischbrühe und in einer anderen Nummer in Erbsenbrühe (rum-1441), und aus Gerste (rum-1442).

Muss Eigelb hinein?

Nein. Rumpolt schreibt „mach jn mit Eyerdotter oder nicht/ so ist es auff beyde manier gut“. Mit Eigelb wird der Brei sämiger.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Reis ist Trockenvorrat, gekocht wird in einem Topf am Feuer. Die Rindfleischbrühe braucht frisches Fleisch und muss vor Ort gekocht werden; das Eigelb kann man weglassen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

170. Du kanst auch vom Reiß ein Panada machen, wenn er mit Rindtfleischbruͤh gesotten, so mach jn mit Eyerdotter oder nicht, so ist es auff beyde manier gut.
Panada

Das Wort meint sonst eine Brotsuppe, und so verwendet es Rumpolt auch in Nr. 210 (rum-1492): Weißbrot in Hühner- oder Rindfleischbrühe gesotten, mit Eigelb glatt gerührt, „Diese Speise nennet man Panada“. Hier und in Nr. 159 (rum-1441) besteht die Panada aus Reis, in Nr. 160 (rum-1442) aus Gerste. Gemeint ist also ein in Brühe gesottener Brei.

mach jn mit Eyerdotter oder nicht

Rumpolt stellt das Eigelb frei: „so ist es auff beyde manier gut“. Beide Fassungen sind gleichwertig.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Reißrice Q5090
Rindtfleischbruͤhmeat stock Q67860017
Eyerdotteryolk Q16336079

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartPanada

Gewählte Lesart: Ein in Brühe gesottener Brei, hier aus Reis. Rumpolt gebraucht das Wort für Reis (Nr. 159, Nr. 170), Gerste (Nr. 160) und Weißbrot (Nr. 210).

Andere mögliche Lesart:

  • Brotsuppe aus Weißbrot und Brühe - Die geläufige Bedeutung des Worts und Rumpolts eigene Definition in Nr. 210; hier verworfen, weil der Text ausdrücklich Reis nennt.

LesartKonsistenz des Reises

Gewählte Lesart: Der Reis wird in der Brühe weich gesotten; ob er danach durchgestrichen wird, sagt Nr. 170 nicht, deshalb steht es nicht in der Übersetzung.

Andere mögliche Lesarten:

  • Wie in Nr. 159 (rum-1441) durch ein Sieb oder Tuch streichen - Das „auch“ knüpft an die durchgestrichene Reis-Panada an und legt es nahe, der Wortlaut dieser Nummer nennt es aber nicht.
  • Heute: den Reis weich sieden, bis er zerfällt, und glatt rühren - Heutige Ausführung ohne Passieren; die Stärke des Reises bindet den Brei.

LesartEyerdotter (Zeitpunkt)

Gewählte Lesart: Nr. 170 sagt nur „mit Eyerdotter oder nicht“; Zeitpunkt und Menge bleiben offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Kurz vor dem Anrichten einrühren wie bei der Weißbrot-Panada - Nr. 210 (rum-1492): „wenn du es schier wilt anrichten/ so ruͤr Eyerdotter darein“; nur Analogie, hier nicht angewiesen.
  • Heute: Eigelb mit etwas heißer Brühe verquirlen und vom Feuer genommen einrühren, nicht mehr kochen - Verhindert, dass das Eigelb gerinnt; moderne Praxis.

LesartSalz

Gewählte Lesart: Nr. 170 nennt kein Salz; nichts ergänzt.

Andere mögliche Lesart:

  • Mild gesalzene Brühe wie in Nr. 210 - Bei der Weißbrot-Panada ist die Brühe „lindt gesaltzen“ (rum-1492); für diese Nummer nicht belegt. Heute nach Geschmack salzen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1452
LagerkücheLagerküche
Gut geeignet: Reis ist Trockenvorrat, gekocht wird in einem Topf am Feuer. Die Rindfleischbrühe setzt frisches Fleisch voraus und muss im Lager erst gekocht werden. Das Eigelb ist freigestellt. Mengen und Garzeit nennt der Text nicht.
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Stand dieser Fassung: 16.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.