Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Damhirsch-Ziemerpastete, warm

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Ziemerpasteten vom Damhirsch, warm, zubereitet, wie man Hirschpasteten zubereitet.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Dendel Zemer Damhirsch-Ziemer (Rückenstück) - Wildhändler -

Welches Gericht ist das? Eine warm aufgetragene Pastete aus dem Ziemer, also dem Rückenstück, vom Damhirsch. Rumpolt gibt unter Nr. 20 nur die Überschrift und verweist für die Zubereitung auf die Hirschpasteten, die im selben Kapitel unmittelbar davor stehen. Zum Vergleich, nicht als Herleitung: Heute erinnert das an einen Wildrücken im Teigmantel.

Welche Hirschpastete ist gemeint? Rumpolt schreibt nur „wie man Hirsch Pastetẽ zurichtet“, ohne Nummer. In Frage kommen Nr. 17, die gespickte Hirschpastete im groben Teig (rum-1745), Nr. 18, die Ziemerpastete im Roggenteig mit Salzzitronen und Pfeffersoße (rum-1746), und Nr. 19, die warme Hirschknödel-Pastete (rum-1747). Am nächsten liegt Nr. 18, weil sie ebenfalls einen Ziemer verarbeitet und warm aufgetragen wird. Festgelegt ist das nicht.

Warm. Die Angabe unterscheidet diese Pastete von der folgenden Nr. 21, der kalten Pastete vom Hinterlauf des Damhirschs.

Praxis. Wer die Pastete backen will, folgt dem Verfahren eines der genannten Hirschrezepte und setzt den Damhirsch-Ziemer an die Stelle des dortigen Fleisches. Teig, Würzung, Beigaben und Backzeit stehen dort, nicht hier; die Angaben dieser Seite (Schwierigkeit, Lagerküche) richten sich deshalb nach diesen Zielrezepten.

Wie wird die Damhirsch-Ziemerpastete gemacht?

Rumpolt beschreibt das nicht eigens, sondern verweist auf seine Hirschpasteten: „wie man Hirsch Pastetẽ zurichtet“. Das sind die drei Rezepte unmittelbar davor, Nr. 17 bis 19 (rum-1745, rum-1746, rum-1747). Welches davon gemeint ist, lässt er offen; am nächsten liegt die Ziemerpastete Nr. 18, weil auch sie ein Rückenstück verwendet und warm aufgetragen wird.

Was ist ein Dendel?

Ein Damhirsch. Dendel ist eine Nebenform von Dandel, so verzeichnet es das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm. Rumpolt behandelt den Damhirsch in einem eigenen Kapitel neben dem Hirsch.

Was ist ein Ziemer?

Das Rückenstück, beim Wild ebenso wie bei Rumpolt beim Hammel. Mit dem Vogel gleichen Namens hat das Wort hier nichts zu tun.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

20. Dendel Zemer Pasteten warm, wie man Hirsch Pastetẽ zurichtet.
Dendel

Damhirsch (Dama dama). Dendel ist eine Nebenform von Dandel (Grimm, Deutsches Wörterbuch, s. v. dandel). Rumpolt widmet dem Damhirsch ein eigenes Kapitel „Vom Dendel Wildpret“, das auf das Hirschkapitel folgt.

Zemer

Ziemer, das Rückenstück. Das Deutsche Wörterbuch führt Ziemer als Rückenstück beim Wild; Rumpolt verwendet das Wort ebenso beim Hirsch und beim Hammel. Nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Vogelnamen Ziemer (Krammetsvogel, Drossel).

wie man Hirsch Pastetẽ zurichtet

Wie man Hirschpasteten zubereitet. Der Strich über dem e steht für ein ausgelassenes n. Gemeint sind die Hirschpasteten unmittelbar davor im selben Kapitel, Nr. 17 bis 19 (rum-1745, rum-1746, rum-1747).

warm

Warm aufzutragen. Rumpolt kennzeichnet in diesem Kapitel mehrfach, ob eine Pastete warm oder kalt gegessen wird; die folgende Nr. 21 ist eine kalte Pastete vom Damhirsch.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Pasteten aus Fleisch und Geflügel
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartDendel

Gewählte Lesart: Damhirsch. Dendel ist eine Nebenform von Dandel (Grimm, Deutsches Wörterbuch), und Rumpolt führt den Damhirsch in einem eigenen Kapitel „Vom Dendel Wildpret“ neben dem Hirschkapitel. Im Titel deshalb „Damhirsch“.

Andere mögliche Lesarten:

  • Druckform „Dendel“ im Titel beibehalten und nur erklären - Möglich, aber die übrigen Damhirsch-Rezepte des Buches führen im Titel einheitlich „Damhirsch“; die Druckform steht in der Anmerkung.
  • Reh oder Hirschkuh - Durch die Wörterbücher nicht gedeckt; Rumpolt führt Hirsch und Damhirsch in getrennten Kapiteln.

LesartZemer

Gewählte Lesart: Ziemer, das Rückenstück vom Damhirsch, wie bei Rumpolts „Zemer vom Dendel“ im Damhirsch-Kapitel (rum-0344). Das Deutsche Wörterbuch belegt Ziemer als Rückenstück beim Wild.

Andere mögliche Lesarten:

  • „Zemer“ als Name einer eigenen Zubereitungsform - Ohne Beleg; Rumpolt gebraucht das Wort durchgehend für das Fleischstück, auch bei Hirsch und Hammel.
  • Ziemer als Vogelname (Krammetsvogel) - Gleichlautendes Wort; im Zusammenhang mit dem Damhirsch ausgeschlossen.

Lesartwie man Hirsch Pastetẽ zurichtet

Gewählte Lesart: Verweis auf die Hirschpasteten Nr. 17 bis 19 unmittelbar davor im selben Kapitel; am nächsten liegt Nr. 18 (rum-1746), die Ziemerpastete im Roggenteig, weil sie dasselbe Stück verarbeitet und warm aufgetragen wird.

Andere mögliche Lesarten:

  • Nr. 17, die gespickte Hirschpastete im groben Teig (rum-1745) - Ausdrücklich eine Hirschpastete und die erste der Reihe; Rumpolts Plural „Hirsch Pasteten“ schließt sie ein.
  • Nr. 19, die warme Hirschknödel-Pastete (rum-1747) - Ebenfalls warm und vom Hirsch, verarbeitet aber Knödel statt eines ganzen Stücks.
  • Allgemeines Verfahren aller Hirschpasteten, keine bestimmte Nummer - Der Plural spricht dafür; praktisch läuft es auf die Wahl eines der drei Verfahren hinaus.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1748
LagerkücheLagerküche
Nur eine Überschrift, die auf die Hirschpasteten (Nr. 17 bis 19) verweist; eine eigene Zubereitung steht hier nicht. Dazu käme ein frisches Rückenstück vom Damhirsch und eine Pastete, die Teig und eine Backgelegenheit braucht.
Alle Rezepte aus Ein new Kochbuch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 09.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.