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Kalte gebratene Tauben, mit Pomeranze oder Zitrone gespickt

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit150 Min.BuchEin new Kochbuch (~1581)

Brate die Tauben und lass sie kalt werden. Spicke die kalten Tauben mit sauren Zitronen oder mit sauren Pomeranzen. So sind sie gut und zierlich auf den Tisch zu geben.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Tauben Tauben (Haustauben) - Geflügelhändler, Wochenmarkt -
sauren Limonien saure Zitronen - - Pomeranze (Bitterorange); der Text nennt beide gleichwertig
sauren Pomerantzen saure Pomeranzen - gut sortierter Supermarkt, Wochenmarkt (Bitterorange, im Winter) Zitronen; der Text nennt beide gleichwertig

Welches Gericht ist das? Nummer 14 im Kapitel von den zahmen Tauben: gebratene Tauben, die kalt auf den Tisch kommen und erst dann mit saurer Zitrone oder Pomeranze besteckt werden. Mengen, Zeiten, Hitze, Fett, Gewürz und Gerät nennt Rumpolt nicht.

Braten und auskühlen. Der Text sagt nur „die gebraten“. Heutiger Richtwert: die Tauben ganz bei mittlerer Hitze durchbraten, je nach Größe und Gerät etwa 30-45 Minuten, danach 1-2 Stunden vollständig auskühlen lassen (Schätzung, der Text gibt keine Zeit an). Etwas Fett nach Bedarf und eine Prise Salz sind heutige Zugaben; der Text nennt beides nicht. Kalt ist die Haut fester und hält die eingesteckten Stücke, und die Zitrusfrucht bleibt frisch.

Spicken mit Zitrone oder Pomeranze. Hier wird kein Speck eingezogen. Geschälte Zitronen- oder Pomeranzenspalten oder dicke Scheiben in kleine Einschnitte der Haut oder zwischen Brust und Keule stecken. Welche Form die Stücke haben, sagt der Text nicht. Beim kalten Kalbsschlegel schneidet Rumpolt die Pomeranze „breit/ vnd fein duͤnn“ (rum-0130), bei den kalten Rebhühnern kommt es ihm auf die Farben an (rum-0754). Zitrone und Pomeranze stehen hier gleichwertig nebeneinander, eine von beiden genügt.

Praxis. Am Vortag braten, kühl lagern, erst beim Auftragen spicken.

Was bedeutet „spicken“ in diesem Rezept?

Bestecken: Zitrone oder Pomeranze wird in die schon gebratenen, kalten Tauben gesteckt. Speck nennt der Text nicht. Dasselbe Verfahren beschreibt Rumpolt beim Kalbsschlegel, wo er die Pomeranze breit und fein dünn schneidet (rum-0130). Welche Form die Stücke bei den Tauben haben, sagt dieses Rezept nicht.

Zitrone oder Pomeranze?

Eins von beiden. Rumpolt nennt saure Zitronen oder saure Pomeranzen als gleichwertige Möglichkeiten.

Was sind Pomeranzen und wo bekomme ich sie?

Pomeranzen sind Bitterorangen, saurer und herber als gewöhnliche Orangen. Du bekommst sie im Winter gelegentlich in gut sortierten Supermärkten oder auf dem Wochenmarkt. Wer keine findet, nimmt nach dem Text Zitronen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Die Hauptzutat sind frische Tauben, die nicht überall erhältlich sind, und das Gericht wird kalt aufgetragen: Tauben und Zitrusfrüchte müssen bis zum Anrichten gekühlt bleiben. Am besten am Vortag braten, kühl lagern und erst beim Auftragen spicken.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

14. Kalte Tauben, die gebraten, spickt man mit sauren Limonien, oder sauren Pomerantzen, ist es gut vnd zierlich auff ein Tisch zu geben.
Kalte Tauben/ die gebraten

Der Eintrag steht im Kapitel „Von zamen Tauben“ und meint Haustauben. Gemeint sind Tauben, die gebraten und dann kalt geworden sind.

spickt man

Spicken im Sinn von Bestecken: Die gebratenen, kalten Tauben werden mit Zitrone oder Pomeranze besteckt; Speck nennt der Text nicht. Beim Kalbsschlegel schneidet Rumpolt die Pomeranze „breit/ vnd fein duͤnn“ (rum-0130). Wie die Stücke ins Fleisch kommen, sagt dieser Text nicht.

Limonien

Zitronen, nicht Limetten. „Sauer“ heißt bei Rumpolt frisch, im Unterschied zu gesalzenen Zitronen.

Pomerantzen

Pomeranze, die Bitterorange. Sie steht hier gleichwertig neben der Zitrone, nicht als Zusatz.

zierlich

Schön anzusehen, fein angerichtet.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Haustauben
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Taubenpigeon Q83363036
sauren Limonienlemon Q1093742
sauren Pomerantzenbitter orange Q27657260

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartspickt man mit sauren Limonien/ oder sauren Pomerantzen

Gewählte Lesart: Die kalten Tauben werden mit Stücken von Zitrone oder Pomeranze besteckt. Form und Menge sagt der Text nicht. Beim Kalbsschlegel schneidet Rumpolt die Pomeranze breit und fein dünn (rum-0130), bei den kalten Rebhühnern nennt er geschälte Zitronen (rum-0754); das sind Parallelen, keine Belege für die Tauben.

Andere mögliche Lesarten:

  • Geschälte Zitronen- oder Pomeranzenspalten oder dicke Scheiben in kleine Einschnitte der Haut oder zwischen Brust und Keule stecken - Heutige Umsetzung für die Praxis; im Text so nicht beschrieben.
  • Schalenstreifen statt Fruchtstücken - Möglich, aber dieser Text nennt keine Schalen.
  • Spicken mit Speckstreifen - Nicht gemeint: Der Text nennt keinen Speck, und die Tauben sind schon gebraten und kalt.

Lesartdie gebraten

Gewählte Lesart: Der Text sagt nur, dass die Tauben gebraten sind. Ob ganz oder halbiert, am Spieß oder in der Pfanne, mit oder ohne Fett, bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Ganze Tauben bei mittlerer Hitze durchbraten, etwas Fett nach Bedarf - Heutige Umsetzung für die Praxis; Fett und Gerät nennt der Text nicht.
  • Am Spieß braten - Bei gebratenem Geflügel naheliegend, hier aber nicht genannt.

LesartSalzen und Würzen

Gewählte Lesart: Der Text nennt weder Salz noch Gewürz; den Geschmack trägt die Säure der Zitrusfrucht.

Andere mögliche Lesart:

  • Beim Braten leicht salzen - Heutige Zugabe, im Text nicht genannt.

Lesartsauren Limonien

Gewählte Lesart: Frische Zitronen; so gebraucht Rumpolt das Wort durchgehend, im Unterschied zu gesalzenen Zitronen.

Andere mögliche Lesart:

  • Limetten - Das Wort allein entscheidet es nicht, Rumpolts Sprachgebrauch spricht aber für die Zitrone.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXXXIXb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0785
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Die Hauptzutat sind frische Tauben, die nicht überall erhältlich sind, und das Gericht kommt kalt auf den Tisch. Tauben und Zitrusfrüchte bis zum Anrichten gekühlt halten; am Vortag braten, erst beim Auftragen spicken.
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Stand dieser Fassung: 08.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.