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Hattele von Tauben, gebraten, in Sauce oder in Pastete

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

GeflügelHauptspeise · GeflügelMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Hattele von Tauben, zu braten und in einer Sauce zu garen oder in Pasteten eingeschlossen, ist auf allerlei Arten gut und wohlschmeckend.

Welches Gericht ist das? Kein ausgearbeitetes Rezept, sondern eine Überschrift im Kapitel von den zahmen Tauben: Hattele von Tauben, die man braten, in einer Sauce garen oder in eine Pastete geben kann. Zutaten, Mengen, Würze und Garzeiten nennt der Text nicht. Heute erinnert das entfernt an eine Geflügelroulade oder Geflügelpastete; das ist ein Vergleich, keine Übersetzung.

Was heißt Hattele? Das Wort ist in den geprüften Wörterbüchern nicht belegt. Rumpolt beschreibt die Speise beim Kalb (rum-0121): dünn geschnittene, mit dem Messerrücken geklopfte Scheiben, mit gehacktem Rinderfett und Kräutern bestreut, einzeln aufgewickelt und am Spieß gebraten. Ob er es bei den Tauben genauso meint, welches Stück der Taube er nimmt und ob Fett und Kräuter dazukommen, steht hier nicht. Die Machart bleibt deshalb offen.

Drei Wege. Braten, in Sauce garen und in die Pastete geben nennt Rumpolt jeweils nur mit einem Wort. Einmachen heißt bei Fleisch, die Speise in Brühe oder Sauce zu garen, nicht sie haltbar zu machen; welche Sauce, sagt der Eintrag nicht. Beim dritten Weg kommen die Hattele in eine Pastete, ob roh oder vorgegart, bleibt offen.

Praxis. Eine eigene Anleitung gibt es nicht. Die Arbeitsschritte für Hattele stehen beim Kalb: am Spieß (rum-0121), in Brühe (rum-0136) und warm in der Pastete (rum-0126). Wer die Speise mit Tauben nachstellen will, nimmt diese Rezepte als Anleihe und entscheidet Stück, Hitze und Garzeit selbst, weil Rumpolt hier nichts vorgibt.

Warum fehlt eine ausführliche Anleitung?

Die Vorlage nennt zu dieser Nummer nur diese eine Zeile, eine Anleitung ist nicht überliefert. Auch die beiden folgenden Nummern im Taubenkapitel sind bloße Aufzählungen. Wir ergänzen bewusst nichts.

Was ist „Hattele“?

Das Wort ist in den Wörterbüchern nicht belegt, seine Herkunft ist offen. Die Speise beschreibt Rumpolt beim Kalb: dünn geschnittene, mit dem Messerrücken geklopfte Fleischscheiben, mit gehacktem Rinderfett und Kräutern bestreut, aufgewickelt und am Spieß gebraten. Ob er es bei den Tauben genauso macht, sagt dieser kurze Eintrag nicht.

Was bedeutet hier „einmachen“?

Bei Fleisch meint Rumpolt damit, die Speise in einer Brühe oder Sauce zu garen, nicht sie haltbar zu machen. „In Pasteten eyngemacht“ heißt, dass die Hattele in eine Pastete kommen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Der Text ist nur eine Überschrift ohne eigene Zutaten- oder Garangaben, die eigentliche Anleitung für Hattele steht beim Kalb.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

18. Hattele von Tauben zu braten vnd eynzumachen, oder in Pasteten eyngemacht, ist auff allerley manier gut vnd wolgeschmack.
Hattele

Rumpolts Name für die Speise. In den geprüften Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt, die Bedeutung ist offen. Beschrieben ist die Speise beim Kalb (Nr. 31, rum-0121): dünne, geklopfte Scheiben, mit gehacktem Rinderfett und Kräutern aufgewickelt und am Spieß gebraten. Rumpolt gebraucht das Wort bei Kalb, Wild, Geflügel und Fisch, es meint also eine Speise und kein bestimmtes Stück. Welches Taubenfleisch hier gemeint ist, sagt der Text nicht.

eynzumachen / eyngemacht

Bei Fleisch heißt „eynmachen“ bei Rumpolt das Garen in einer Brühe oder Sauce, nicht das Konservieren im heutigen Sinn. Das zweite „eyngemacht“ steht bei den Pasteten; dort ist gemeint, dass die Hattele in die Pastete kommen. Wie Rumpolt Tauben sonst in Pasteten gibt, zeigt rum-0776 („in Pasteten eynzumachen“).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Haustauben
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartHattele

Gewählte Lesart: Druckform beibehalten, Bedeutung des Wortes offen. Das Wort ist in den geprüften Wörterbüchern nicht als Küchenwort belegt; gleichlautende Wörter wie „hattle“ (lachen) sind nicht einschlägig. Rumpolt beschreibt die Speise selbst beim Kalb (rum-0121) und beim Damhirsch (rum-0351).

Andere mögliche Lesarten:

  • Name nach dem Zusammenhalten der Röllchen am Spieß - Rumpolt sagt beim Damhirsch (rum-0351), die gewickelten Scheiben fielen am Spieß nicht heraus, „darumb heißt man sie Hattele“. Das ist seine eigene Erklärung, kein Wörterbuchbeleg.
  • Fleischröllchen oder Rouladen - Beschreibt die Form der Kalbsrezepte, ist als Wortbedeutung aber unbelegt und trägt bei Rumpolts Hattele von Fisch nicht.

LesartHattele von Tauben (Machart)

Gewählte Lesart: Wie bei den Kalbs-Hattele (rum-0121): dünn geschnittenes, geklopftes Fleisch, mit gehacktem Fett und Kräutern bestreut, aufgewickelt und am Spieß gebraten. Das ist ein Vergleich innerhalb des Buches; für die Tauben ist die Machart nicht überliefert, auch nicht, welches Stück gemeint ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Machart offen lassen, nur auf die Kalbsrezepte verweisen - Moderne Vorsicht und Grundlage der Zubereitungsnotiz: Der Eintrag beschreibt keine Zubereitung, die Einzelschritte stehen beim Kalb und nicht hier.

Lesarteynzumachen

Gewählte Lesart: In Brühe oder Sauce garen; welche Brühe oder Sauce, legt der Eintrag nicht fest. So gebraucht Rumpolt das Wort bei Fleisch, die Kalbs-Hattele in Brühe (rum-0136) zeigen, was bei Hattele damit gemeint sein kann.

Andere mögliche Lesarten:

  • In einer Sauce garen - Die Fassung der Übersetzung, wie bei den übrigen Taubenrezepten; sie legt die Flüssigkeit nicht genauer fest als der Text.
  • Haltbar machen, Einkochen im heutigen Sinn - Trägt nicht: Rumpolt nennt weder Gefäß noch Lagerung, und bei Fleisch steht das Wort durchgehend für ein Gericht in Brühe oder Sauce.

Lesartin Pasteten eyngemacht

Gewählte Lesart: In Pasteten eingeschlossen, also in eine Pastete gegeben. So überträgt die Sammlung dieselbe Wendung bei den gefüllten Tauben (rum-0776, „in Pasteten eynzumachen“).

Andere mögliche Lesarten:

  • In Pasteten gegart - Sachlich naheliegend, weil eine Pastete gebacken wird; die Zeile nennt aber keinen Backschritt und sagt nicht, ob die Hattele roh oder vorgegart hineinkommen.
  • In Pasteten eingemacht (wörtlich) - Am nächsten am Wortlaut, heute aber als Konserve missverständlich; die Erklärung steht deshalb in der Anmerkung.
  • In Pasteten eingeschlagen - Frühere Fassung der Übersetzung; legt ein Einwickeln nahe, das der Text nicht nennt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LXXXIXb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0789
LagerkücheLagerküche
Keine Anleitung überliefert: nur eine Überschrift ohne Zutaten, Mengen oder Garangaben.
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Stand dieser Fassung: 08.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.