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Saiblingspasteten, kalt oder warm

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Saiblingspasteten, es sei kalt oder warm.

Welches Gericht ist das? Eine Pastete mit Saibling, die kalt oder warm gegessen werden kann. Rumpolt gibt zu Nr. 5 nur diese Überschrift: keinen Teig, keine Würzung, keine Backangabe, keine Mengen. Heute erinnert das an eine Fischpastete oder an Fisch im Teigmantel.

Welcher Fisch? Die Zeile sagt nur Sälmling. Wir lesen wie im ganzen Kapitel Saibling; möglich ist auch ein junger, einjähriger Lachs.

Kalt oder warm. Rumpolt kennt kalt gegessene und warm aufgetragene Pasteten; hier lässt er beides offen. Ob die Pastete frisch aus dem Ofen oder ausgekühlt auf den Tisch kommt, entscheidet man beim Servieren.

Teig und Füllung. Beides nennt der Text nicht. Ausgeschrieben hat Rumpolt die kalte Saiblingspastete im Kapitel über Fischpasteten (rum-1787): den Fisch mit Pfeffer, Ingwer, Salz und Butter in Roggenteig eingeschlagen, zierlich geformt, gebacken und kalt werden lassen. Das ist eine Parallele, keine Angabe für diese Zeile.

Praxis. Saibling beim Fischhändler vorbestellen und bis zum Einschlagen kühl halten. Backtemperatur und Backdauer nennt Rumpolt nicht; am Fisch die Garprobe machen. Für die kalte Fassung die Pastete vollständig auskühlen lassen und gekühlt aufbewahren.

Warum fehlt eine ausführliche Anleitung?

Rumpolt nennt zu dieser Nummer nur die Überschrift; warum, lässt sich nicht klären. Ausgeschrieben hat er eine kalte Saiblingspastete in seinem Kapitel über Fischpasteten (rum-1787): den Fisch mit Pfeffer, Ingwer, Salz und Butter in Roggenteig eingeschlagen und gebacken. In den Rezepttext dieser Nummer übernehmen wir daraus nichts.

Was ist ein Sälmling?

Rumpolts Kapitel heißt „Von Sälmling seind zwölfferley Speiß“. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt sälmling als kleinen Lachs oder lachsähnlichen Fisch, wohl auch speziell den Saibling; das Grimmsche Wörterbuch kennt am Rhein den einjährigen Lachs unter diesem Namen. Wir lesen hier Saibling, der junge Lachs bleibt eine mögliche Alternative.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt. Frischer Fisch muss bis zum Einschlagen kühl bleiben, die kalte Fassung auch nach dem Backen, und zum Backen braucht es Hitze von oben und unten, etwa einen Lehmofen oder einen Dutch Oven mit Glut auf dem Deckel. Weil Rumpolt hier weder Teig noch Backdauer angibt, muss man sich an seiner ausgeschriebenen kalten Saiblingspastete (rum-1787) orientieren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

5. Saͤlmling Pasteten, es sey kalt oder warm.
Saͤlmling

Hier als Saibling gelesen. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt sälmling als „kleiner Lachs oder lachsähnlicher Fisch; wohl auch speziell Saibling“; das Grimmsche Wörterbuch kennt am Rhein den einjährigen Lachs unter diesem Namen.

Pasteten

Fisch in einer gebackenen Teighülle. Teigart, Form und Würzung nennt diese Zeile nicht.

es sey kalt oder warm

Rumpolt kennt kalt gegessene und warm aufgetragene Pasteten; hier lässt er beides zu. Dieselbe Formel steht bei ihm auch beim Hausen (rum-0862), beim Stör (rum-0877) und beim Huchen (rum-0927).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Vom Saibling
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSaͤlmling (Kapiteltier)

Gewählte Lesart: Saibling. Die Zeile steht als Nr. 5 im Kapitel „Von Sälmling seind zwölfferley Speiß vnd Trachten zu machen“. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt sälmling als „kleiner Lachs oder lachsähnlicher Fisch; wohl auch speziell Saibling“, Campe nennt den Saibling. Wie in den übrigen Nummern des Kapitels lesen wir Saibling.

Andere mögliche Lesart:

  • Junger, einjähriger Lachs - Ebenfalls belegt: Das Grimmsche Wörterbuch nennt am Rhein den einjährigen Lachs sälmling (nach Gesner und Hohberg), das Elsässische Wörterbuch die Lachsbrut. Für Rumpolt in Frankfurt ist diese Lesart gut möglich; die Zeile entscheidet es nicht.

LesartPasteten

Gewählte Lesart: Fisch in einer gebackenen Teighülle: So sind Rumpolts ausgeschriebene Fischpasteten gebaut, auch die kalte Saiblingspastete (rum-1787, „in ein Ruckenteig eyngeschlagen“). Übersetzung und Titel behalten das Wort „Pasteten“.

Andere mögliche Lesart:

  • Pastete als Füllung oder Farce ohne Teighülle - Der heutige Sprachgebrauch kennt Pastete auch als streichfähige Masse; Rumpolts Fischpasteten sind aber Teighüllen, und die Überschrift gibt keinen Anlass, davon abzuweichen.

LesartTeig, Füllung und Garweise

Gewählte Lesart: Wie bei Rumpolts ausgeschriebener kalter Saiblingspastete im Kapitel über Fischpasteten (rum-1787): der Fisch mit Pfeffer, Ingwer, Salz und Butter in Roggenteig eingeschlagen, zierlich geformt und gebacken. Das ist eine Parallele aus einem anderen Kapitel, keine Angabe dieser Zeile.

Andere mögliche Lesart:

  • Nichts ergänzen, nur den Namen wiedergeben - Die Zeile selbst nennt weder Teig noch Füllung noch Backweise. Deshalb ergänzt die Übersetzung nichts; die Parallele steht nur in den Erläuterungen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0936
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Pastete mit frischem Fisch als Hauptzutat. Rumpolt nennt hier nur die Überschrift; ausgeschrieben steht die kalte Saiblingspastete im Kapitel über Fischpasteten (rum-1787): der Fisch mit Pfeffer, Ingwer, Salz und Butter in Roggenteig eingeschlagen und gebacken. Frischer Saibling braucht bis zum Einschlagen eine durchgehende Kühlkette, die kalte Fassung auch nach dem Backen; zum Backen braucht es Hitze von oben und unten, etwa einen Lehmofen oder einen Dutch Oven mit Glut auf dem Deckel.
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Stand dieser Fassung: 11.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.