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Durchgetriebene Erbsen, warm, mit Schmalz und Sauerkraut

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 90 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Durchgetriebene Erbsen, gut geschmälzt, gib warm auf den Tisch. Daneben Sauerkraut, mit Essig begossen und mit Salz bestreut. So isst man sie am Rheinstrom gern.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Durchtriebene Erbeß Durchgetriebene Erbsen - Trockenerbsen, Supermarkt -
wol geschmaͤltzt gut geschmälzt - Metzger, Supermarkt Butter
saur Kraut Sauerkraut - - -
Essig Essig - - -
Saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Ein warmer Erbsenbrei: gekochte Erbsen, durch ein Sieb gestrichen und gut mit Fett angemacht. Daneben steht Sauerkraut, das nur mit Essig begossen und gesalzen wird. Das Fett des Breis und die Säure des Krauts ergänzen sich. Im selben Kapitel folgt als Gegenstück Nr. 15 (rum-1297): derselbe Brei, kalt mit Essig.

Durchgetriebene Erbsen. Das Durchtreiben setzt gekochte Erbsen voraus, auch wenn der Text das nicht eigens sagt. Rumpolt beschreibt das Verfahren in den Nachbarrezepten: In Nr. 9 (rum-1291) werden geschälte, gesottene Erbsen gestoßen, bis sie „durch ein Durchschlag lauffen“, in Nr. 6 (rum-1288) streicht er gesottene grüne Erbsen durch ein Haartuch. Das Durchstreichen hält Hülsenreste zurück und macht den Brei glatt. Heute: Trockenerbsen weich kochen und durch ein Sieb oder ein Passiergerät streichen.

Gut geschmälzt. „wol“ heißt gut, eine Menge steht nicht da. Geschmolzenes Schmalz unter oder über den warmen Brei geben, so dass er glänzt; als Orientierung ein bis zwei Esslöffel pro Portion, das ist keine Angabe des Textes.

Sauerkraut. Kalt oder zimmerwarm, ungegart, mit Essig begossen und mit Salz bestreut.

Praxis. Ungeschälte Trockenerbsen brauchen etwa eine bis anderthalb Stunden, geschälte weniger. Die Erbsen müssen vollständig weich sein, bevor sie durchs Sieb gehen. Das Durchstreichen von Hand ist mühsam, ein grobes Sieb und ein Löffel genügen aber. Warm anrichten, das Kraut daneben.

Was bedeutet „durchtriebene Erbeß“?

Durchgetriebene, also passierte Erbsen: gekocht und durch ein Sieb oder Tuch gestrichen, so dass ein glatter Brei entsteht. Rumpolt nennt dieselben Erbsen in Nr. 7 (rum-1289) „gekocht vnd durchgestrichen“ und im selben Satzzusammenhang „durchtriebene Erbeß“.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Trockenerbsen, Schmalz und Sauerkraut sind Vorrat und brauchen keine Kühlung. Schnell geht es aber nicht: Die Erbsen müssen vollständig weich kochen und danach durch ein Sieb oder einen Durchschlag gestrichen werden.

Welches Fett soll ich für „geschmälzt“ verwenden?

Der Text sagt nur „geschmälzt“. Vom Wort her liegt Schmalz nahe. Rumpolt macht passierte Erbsen in den Nachbarrezepten Nr. 7 und 9 (rum-1289, rum-1291) mit Butter an, Butter ist deshalb ebenso möglich.

Wird das Sauerkraut gekocht?

Der Text nennt keinen Garschritt: Das Kraut wird nur mit Essig begossen und mit Salz bestreut und neben die warmen Erbsen gestellt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

14. Durchtriebene Erbeß wol geschmaͤltzt, vnnd warm auff ein Tisch geben, darneben saur Kraut mit Essig begossen, vnd mit Saltz bestraͤwt, also essen sie sie am Rheinstrom gern.
Durchtriebene Erbeß

„Durchtrieben“ heißt hier: durch ein Sieb oder Tuch gestrichen, passiert. Rumpolt gebraucht das Wort selbst so: In Nr. 7 (rum-1289) heißen dieselben Erbsen erst „gekocht vnd durchgestrichen“, gleich darauf „die durchtriebene Erbeß“; ebenso spricht er von durchtriebenen Zwiebeln (rum-0596) und Pflaumen (rum-1797). Mit der heutigen Bedeutung „gerissen“ hat das nichts zu tun. „Erbeß“ sind Erbsen.

wol geschmaͤltzt

„wol“ heißt hier „gut“, „geschmälzt“ heißt mit Fett angemacht. Welches Fett und wie viel, sagt der Text nicht.

am Rheinstrom

Rumpolt nennt die Gegend selbst. Das folgende Rezept Nr. 15 (rum-1297) schreibt dieselben durchgetriebenen Erbsen, kalt mit Essig, dem Spessart zu. Mehr als „so isst man sie dort gern“ sagt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Gemüse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Essigvinegar Q41354
Saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartDurchtriebene Erbeß

Gewählte Lesart: Durchgetriebene, also passierte Erbsen. Rumpolt gebraucht das Wort durchgehend für durch Sieb oder Tuch Gestrichenes: Nr. 7 (rum-1289) nennt dieselben Erbsen „gekocht vnd durchgestrichen“ und dann „die durchtriebene Erbeß“; ebenso rum-0596 (Zwiebeln), rum-1797 (Pflaumen) und das Schwesterrezept rum-1297.

Andere mögliche Lesart:

  • Ausgesuchte, erlesene Erbsen. - Für diese Bedeutung gibt es keinen gesicherten Beleg, und sie widerspricht Rumpolts eigenem Gebrauch des Wortes. Verworfen.

Lesartwol

Gewählte Lesart: „gut“: „wol geschmaͤltzt“ = gut mit Fett angemacht.

Andere mögliche Lesart:

  • „reichlich“ geschmälzt. - „wol“ lässt sich verstärkend lesen, eine Menge nennt der Text aber nicht. Deshalb keine Steigerung in der Übersetzung.

Lesartgeschmälzt (Fettsorte)

Gewählte Lesart: Mit Schmalz angemacht; das Wort ist von Schmalz abgeleitet.

Andere mögliche Lesart:

  • Mit Butter angemacht. - In Nr. 7 und 9 (rum-1289, rum-1291) macht Rumpolt passierte Erbsen mit Butter an. Die Fettsorte nennt dieser Text nicht.

Lesartgeschmälzt (Art der Zugabe)

Gewählte Lesart: Fett nach dem Anrichten über die Erbsen gießen, wie Rumpolt es in Nr. 9 (rum-1291) beschreibt („geuß Butter daruͤber“). Dieser Text sagt es nicht ausdrücklich.

Andere mögliche Lesart:

  • Geschmolzenes Fett unter den warmen Brei rühren. - Heutige Praxis; der Text schließt es nicht aus.

LesartErbsen vor dem Durchtreiben

Gewählte Lesart: Gekochte Erbsen; in Rumpolts Erbsenreihe meist aus Lauge geschält und gesotten (Nr. 9 und 11, rum-1291, rum-1293). Sorte und Garschritt nennt Nr. 14 nicht, das Durchtreiben setzt das Garen aber voraus.

Andere mögliche Lesarten:

  • Frische grüne Erbsen. - Auch grüne Erbsen werden bei Rumpolt passiert (Nr. 6, rum-1288, durch ein Haartuch); hier steht keine Angabe.
  • Trockenerbsen weich kochen, dann durch ein Sieb streichen. - Heutige Praxis, siehe Zubereitung.

Lesartsaur Kraut

Gewählte Lesart: Ungegart, nur mit Essig begossen und mit Salz bestreut, wie der Text sagt.

Andere mögliche Lesart:

  • Vorher erwärmt oder gegart. - Im Text nicht belegt; wer es warm möchte, ergänzt das selbst.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXLIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1296
LagerkücheLagerküche
Ja: Trockenerbsen, Schmalz und Sauerkraut sind Vorrat und brauchen keine Kühlung. Kein Goldstandard, weil die Erbsen lange kochen und danach durch ein Sieb oder einen Durchschlag gestrichen werden müssen; das kostet Zeit und braucht Gerät.
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.