Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Du kannst auch eine solche Birnenfüllung nehmen und mit Eiern binden. Nimm eine Tortenpfanne und streiche sie am Boden mit Butter aus. Backe Pfantzel und lege sie in die Tortenpfanne, gib die Birnenfüllung hinein, setze sie in einen heißen Ofen und lass sie backen.
Stürze es auf Brot und nimm das Pfantzel davon weg, denn die Tortenpfanne hat die Füllung gehalten, sodass es ganz herausgekommen ist. Du kannst die Füllung zerschneiden, länglich oder kurz, wie du willst, und gib sie warm auf den Tisch. Bestreue es mit weißem Zucker, so wird es gut und wohlschmeckend. Und diese Speise nennt man Turtelet von Birnen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Fuͤll von Biern | Füllung von Birnen | - | - | - |
| Eyern | Eier | - | - | - |
| Butter | Butter | - | - | - |
| Pfantzel | Pfannkuchen | - | - | - |
| Brot | Brot | - | - | - |
| weissem Zucker | weißer Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine Birnenfüllung, mit Eiern gebunden, wird in einer gebutterten und mit dünnen Pfannkuchen ausgelegten Tortenpfanne im heißen Ofen gebacken, dann auf Brot gestürzt, in Stücke geschnitten und warm mit weißem Zucker bestreut. Gegessen wird die gebackene Füllung; einen Teigboden hat das Gericht nicht.
Die Füllung. „Ein solche Füll von Biern“ meint die Füllung aus dem Rezept unmittelbar davor (rum-1306): gekochte Birnen, mit schwarzen Rosinen klein gehackt, in Butter geröstet, mit Zucker, gestoßenem Zimt und ein wenig Mehl dunkelbraun gerührt und kalt gestellt. Ausdrücklich nennt Rumpolt den Bezug nicht, doch eine andere Birnenfüllung beschreibt er nicht. Die Eier binden die Masse, damit sie im Ofen fest wird und sich nach dem Stürzen schneiden lässt. Wie viele Eier, sagt der Text nicht.
Pfantzel. Pfantzel sind dünne Pfannkuchen. Wie sie gemacht werden, steht in diesem Rezept nicht; Rumpolt beschreibt sie an anderer Stelle: Eier mit ein wenig Mehl durch ein Haartuch streichen und in Butter hauchdünn backen, „gar dünn … wie ein Papier“ (rum-0913, rum-1354). Hier legen sie die Pfanne aus, halten die Füllung beim Stürzen zusammen und werden danach abgenommen, wie in rum-1502, wo Rumpolt sagt, man solle „das Pfantzel herab“ ziehen.
Das Brot. Gestürzt wird „auff Brot“. Ob ein Laib, eine Scheibe oder ein Brot nur als Unterlage gemeint ist und ob es mitgegessen wird, sagt Rumpolt nicht.
Praxis. Die Füllung nach rum-1306 vorbereiten und auskühlen lassen, dann mit Eiern binden. Einige sehr dünne Pfannkuchen aus Eiern und wenig Mehl in Butter backen. Eine Tortenpfanne oder flache Backform am Boden mit Butter ausstreichen, mit den Pfannkuchen auslegen, die Füllung einstreichen und im heißen Ofen backen, bis sie fest ist; Temperatur und Backzeit nennt Rumpolt nicht. Auf eine Brotunterlage stürzen, die Pfannkuchen abziehen, in längliche oder kurze Stücke schneiden, warm auftragen und mit weißem Zucker bestreuen.
Ein dünner Pfannkuchen. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt pfanzelte als Pfannkuchen, und Rumpolt beschreibt seine Pfantzel selbst: Eier mit wenig Mehl, hauchdünn in Butter gebacken, „wie ein Papier“ (rum-0913, rum-1354). Hier legen sie die Tortenpfanne aus und halten die Füllung beim Stürzen zusammen.
Nach dem Text nicht: Rumpolt sagt, man solle das Pfantzel nach dem Stürzen „davon hinweg“ nehmen. Auf den Tisch kommt die geschnittene Füllung mit Zucker.
Die Füllung aus dem Rezept unmittelbar davor (rum-1306): gekochte Birnen, mit schwarzen Rosinen gehackt, in Butter geröstet, mit Zucker, gestoßenem Zimt und etwas Mehl dunkelbraun gerührt. Rumpolt schreibt nur „ein solche Füll“; eine andere Birnenfüllung beschreibt er nicht.
So nennt Rumpolt kleine Speisen aus der Tortenpfanne, etwa aus Äpfeln, Feigen, Mandeln oder Krebsen. Mit einem Törtchen aus Teig hat das nichts zu tun: Hier wird eine Birnenfüllung im Pfannkuchen gebacken, gestürzt und geschnitten.
Eingeschränkt. Es ist eine Torte: Du brauchst eine Tortenpfanne und einen heißen Ofen, ersatzweise Kohlen unter der Pfanne und Glut auf dem Deckel, wie Rumpolt es in anderen Rezepten macht. Die Füllung aus rum-1306 muss vorher gekocht, gehackt und geröstet werden.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Birnen.
Birnenfüllung. „Ein solche“ verweist auf das Rezept davor (rum-1306), in dem Rumpolt gehackte Birnen mit Rosinen, Zucker, Zimt und etwas Mehl in Butter röstet.
Anmachen, vermengen; hier: die Füllung mit Eiern binden.
Tortenpfanne: die Pfanne, in der man Torten bäckt. Hier steht sie im heißen Ofen; in anderen Rezepten setzt Rumpolt sie auf Kohlen und deckt sie mit einem Deckel zu, auf den ebenfalls Glut kommt (rum-0913, rum-1199).
Pfannzelte, ein Pfannkuchen: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt pfanzelte als in Schmalz gebackenen Kuchen, Pfannkuchen, Grimms Wörterbuch führt mittelhochdeutsch phanzëlte als Pfannkuchen. Bei Rumpolt sind es dünne Eierpfannkuchen, „gar dünn … wie ein Papier“ (rum-0913). Hier kleiden sie die Tortenpfanne aus und werden nach dem Stürzen abgenommen.
Rumpolts Name für kleine Speisen, die in der Tortenpfanne gebacken werden: aus Äpfeln, Feigen, Mandeln, Krebsen, Lachs oder Kräutern. Meist sind es Küchlein in Butter; hier ist es eine gestürzte, in Stücke geschnittene Birnenfüllung. Ein Teigboden gehört nicht dazu.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Eyern | chicken egg Q15260613 |
| Butter | butter Q34172 |
| Brot | bread Q7802 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Pfantzel
Gewählte Lesart: Dünne Pfannkuchen, die die Tortenpfanne auskleiden: so gebraucht Rumpolt das Wort durchgehend (rum-0913, rum-1199, rum-1354, rum-1502), und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt pfanzelte als Pfannkuchen.
Andere mögliche Lesart:
Fuͤll von Biern
Gewählte Lesart: Die Füllung aus rum-1306 (gehackte Birnen mit Rosinen, Zucker, Zimt und etwas Mehl in Butter geröstet): „ein solche“ verweist zurück, und das Rezept unmittelbar davor ist das einzige, das eine Birnenfüllung herstellt.
Andere mögliche Lesart:
nim̃ das Pfantzel davon hinweg
Gewählte Lesart: Der Pfannkuchen wird nach dem Stürzen abgenommen und nicht mitgegessen; in rum-1502 heißt es beim selben Handgriff „zeuch das Pfantzel herab“.
Andere mögliche Lesart:
auff Brot
Gewählte Lesart: Brot als Unterlage, auf die das Gebackene gestürzt wird; ob Laib oder Scheibe und ob es mitgegessen wird, bleibt offen.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.