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Wildschweinknödel in aufgetriebener Pastete aus Roggenteig

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Wildschweinknödel, eingeschlagen in eine Pastete, die aus Roggenteig aufgetrieben ist.

Welches Gericht ist das? Knödel aus gehacktem Wildschweinfleisch, eingeschlossen in eine Pastete, deren Hülle aus Roggenteig von Hand hochgezogen ist. Mehr sagt die Zeile nicht: Zutaten, Würzung, Zeiten und Garschritt fehlen.

Wildschwein. Die Zeile nennt nur „Schweinen Knoͤdel“. Sie steht aber mitten in einer Reihe von Wildpasteten (Hirsch, Dendel, Reh, Hase, Wildschwein, Gämse, Steinbock), die unmittelbar vorangehende Nr. 26 heißt ausdrücklich „Schweinen Wildpret“, und dieselben „Schweinen Knoͤdel“ stehen im Wildschweinkapitel (rum-0437). Deshalb ist hier Wildschwein gemeint; der Wortlaut allein würde es nicht entscheiden.

Roggenteig, aufgetrieben. „Ruckenteig“ ist Roggenteig, nicht ein Teig „für den Rücken“. „Auffgetrieben“ heißt, dass die Pastetenwand aus festem Teig hochgezogen wird, sodass sie ohne Form steht; mit Aufgehen hat das nichts zu tun.

Eingeschlagen. „Eyngemacht in eine Pasteten“ meint hier, dass die Knödel in die Teighülle eingeschlossen werden, nicht Einkochen und nicht Garen in einer Sauce.

Praxis. Wer die Pastete nachbauen will, findet das ausgeführte Verfahren bei Rumpolts Kalbsknödel-Pastete (rum-0137): Knödel aus fein gehacktem Fleisch formen, roh in die aufgetriebene Pastete legen und mit ihr im Ofen backen. Ob die Wildschweinknödel vorher schon gegart wurden, wie im Wildschweinkapitel im Gescharb oder im Pfeffer, lässt diese Zeile offen.

Warum fehlt eine ausführliche Anleitung?

Zu dieser Nummer ist nur diese eine Zeile überliefert; warum, lässt sich nicht klären. Die Wildschweinknödel behandelt Rumpolt im Wildschweinkapitel (rum-0437), eine Knödelpastete führt er beim Kalb vollständig aus (rum-0137). Daraus ein Rezept zusammenzusetzen, wäre eine eigene Ergänzung, deshalb steht hier keins.

Wildschwein oder Hausschwein?

Die Zeile sagt nur „Schweinen Knoͤdel“. Weil sie in einer Folge von Wildpasteten steht, die Nachbarnummer ausdrücklich „Schweinen Wildpret“ heißt und dieselben Knödel im Wildschweinkapitel vorkommen, ist Wildschwein gemeint.

Was ist Rückenteig?

Roggenteig. „Rucken“ ist eine ältere Form von Roggen. Mit dem Rücken hat das Wort nichts zu tun.

Heißt „eyngemacht“ hier eingekocht?

Nein. Gemeint ist, dass die Knödel in die Pastete eingeschlossen werden. Von Haltbarmachen oder einer Sauce ist in der Zeile keine Rede.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

27. Schweinen Knoͤdel eyngemacht in eine Pasteten, die von Ruckenteig auffgetrieben ist.
Schweinen Knoͤdel

Knödel aus Wildschweinfleisch. „Schweinen“ allein könnte auch Hausschwein sein; hier entscheidet die Umgebung: Die Nummer steht in einer Reihe von Wildpasteten, Nr. 26 heißt „Schweinen Wildpret“, und im Wildschweinkapitel stehen dieselben „Schweinen Knoͤdel“ (rum-0437).

Ruckenteig

Roggenteig, nicht „Rückenteig“. Grimms Wörterbuch führt unter Roggen die älteren Formen „rucken, ruckin“, Lexer und das Mittelniederdeutsche Wörterbuch kennen „ruckenbrôt“ als Roggenbrot. Rumpolt gebraucht das Wort durchgehend für den Teig seiner Wildpasteten.

eyngemacht

Hier „in die Pastete eingeschlossen“. Nicht im heutigen Sinn von „eingemacht“ (haltbar gemacht) und nicht „in einer Sauce gegart“, denn das Ziel ist die Pastete. Gleich wiedergegeben bei den Rehknödeln (rum-1752).

auffgetrieben

Aufgetrieben, also hochgezogen: Die Pastetenwand wird aus festem Teig von Hand aufgebaut, sodass sie frei steht. Nicht „aufgegangen“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von Pasteten aus Fleisch und Geflügel
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSchweinen Knoͤdel (Tier)

Gewählte Lesart: Knödel aus Wildschweinfleisch. Die Nummer steht in einer Folge von Wildpasteten (Nr. 19 bis 29), die Nachbarnummer 26 heißt „Schweinen Wildpret“, und dieselbe Bezeichnung „Schweinen Knoͤdel“ steht im Kapitel „Vom Schweinen Wildpret“.

Andere mögliche Lesart:

  • Knödel aus Hausschweinefleisch - Der Wortlaut allein lässt es zu, denn „Wildpret“ steht in dieser Zeile nicht, und Rumpolt gebraucht „Schweinen“ auch für das Hausschwein. Nicht gewählt, weil die ganze Umgebung Wild ist.

LesartRuckenteig

Gewählte Lesart: Roggenteig. „Rucken“ ist eine ältere Form von Roggen (Grimm; Lexer und Mittelniederdeutsches Wörterbuch: „ruckenbrôt“ = Roggenbrot). So im ganzen Buch aufgelöst.

Andere mögliche Lesart:

  • Rückenteig, also ein Teig für ein Rückenstück - Ohne Beleg; die Wörterbucheinträge zu „rucken-“ im Sinn von Rücken betreffen Kleidung und Harnisch, nicht Teig.

Lesarteyngemacht in eine Pasteten

Gewählte Lesart: „In eine Pastete eingeschlagen“, also in die Teighülle eingeschlossen; dieselbe Wiedergabe wie bei den Rehknödeln (Nr. 24).

Andere mögliche Lesarten:

  • „in eine Pastete eingelegt“ oder „hineingetan“ - Liegt näher am Wortlaut, weil Rumpolt für das Einschlagen in Teig sonst „eyngeschlagen“ schreibt. Nicht gewählt, damit die Wiedergabe im Buch einheitlich bleibt; sachlich ändert sich nichts.
  • „eingemacht“ im heutigen Sinn, also haltbar gemacht - Passt nicht: Die Zeile beschreibt eine Pastete, keine Konserve.

Lesartauffgetrieben

Gewählte Lesart: „Aufgetrieben“ bleibt stehen, im Sinn von hochgezogen: Die Teigwand wird von Hand aufgebaut. So auch bei den Kalbs- und Hammelknödel-Pasteten.

Andere mögliche Lesarten:

  • „aufgezogen“ - Sachlich gleich und heute verständlicher; nicht gewählt, damit die Knödelpasteten des Kapitels gleich heißen.
  • „aufgegangen“ - Passt nicht: Gemeint ist das Formen der Wand, nicht ein Treiben des Teigs.

LesartZustand der Knödel

Gewählte Lesart: Offen. Im Wildschweinkapitel werden die Knödel im Gescharb gegart, im schwarzen Pfeffer oder weiß-sauer; dass sie so vorbereitet in die Pastete kommen, ist möglich, die Zeile entscheidet es nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Roh geformte Knödel, mit der Pastete gebacken - So führt Rumpolt die Kalbsknödel-Pastete aus; für den Nachbau naheliegend, für diese Nummer nicht belegt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1755
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung, Aufwand): Rumpolt nennt nur die Überschrift, Füllung, Teig und Garschritt fehlen. Als Pastete mit frischem Wildschweinfleisch braucht das Gericht Teig, eine Backgelegenheit und eine durchgehende Kühlkette.
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Stand dieser Fassung: 09.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.