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Gams in schwarzer Sauce auf ungarische Art

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

WildHauptspeise · WildLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Schwarz auf ungarische Art in einer Sauce gegart, wie vorhin erwähnt, so wie man Wildbret auf ungarische Art gart.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Wildpret Gamsfleisch - Wildhändler (auf Bestellung) -

Welches Gericht ist das? Ein Kurzeintrag im Gams-Kapitel: Das Gamsfleisch soll schwarz auf ungarische Art in einer schwarzen Pfeffersauce gegart werden. Ein eigenes Verfahren gibt Rumpolt hier nicht, er verweist auf das, was „vorhin“ für Wildbret beschrieben ist. Heute kommt dem am nächsten ein Wildpfeffer, Wild in einer mit Blut gebundenen, säuerlich abgestimmten Sauce.

Wo steht die Anleitung? Rumpolt nennt keine Nummer. Die ausführlichste Fassung steht beim Hirsch (rum-0314), deren Überschrift fast wörtlich „Wildpret auff Vngerisch schwartz eyngemacht“ lautet. Eine kürzere Fassung steht beim Reh (rum-0372). Hier dient die Hirsch-Fassung als Vorlage.

Woher kommt das Schwarz? In beiden Fassungen aus Blut mit Essig: beim Hirsch Hühnerblut, beim Reh das Blut des Tiers, dazu Pfeffer, Nelken und Zimt. Dieser Eintrag selbst nennt keine Zutat der Sauce.

Praxis. Aus diesem Eintrag allein lässt sich nichts nachkochen. Wer das Gericht ausführen will, folgt rum-0314 und setzt Gams statt Hirsch ein: das Wildbret in Wasser, Essig und Salz vorsieden, die Sauce aus Blut, Brühe, Brot, Äpfeln und Zwiebeln sieden und durchstreichen, mit Pfeffer, Nelken und Zimt würzen, das Fleisch darin nachsieden lassen und mit Mandel- oder Apfelgescharb oder Zimtzucker anrichten. Die Übertragung deckt Rumpolt selbst: Das Apfelgescharb, schreibt er dort, passe auf allerlei Wildbret. Gams gibt es frisch beim Wildhändler oder Jäger, meist auf Bestellung.

Was bedeutet „eingemacht“ in diesem Rezept?

Bei Fleisch und Wildbret heißt „eingemacht“, dass das Gericht in einer Brühe oder Sauce gegart wird. Mit dem heutigen Einmachen, dem Konservieren, hat es nichts zu tun.

Wo steht, wie das Gericht gekocht wird?

Nicht in diesem Eintrag. Rumpolt verweist auf eine früher beschriebene Zubereitung. Ausgeführt steht sie beim Hirsch (rum-0314, Wildbret auf ungarische Art schwarz in Sauce gegart) und kürzer beim Reh (rum-0372).

Welches Wildbret ist gemeint?

Gams. Der Satz selbst sagt nur „Wildpret“, das Tier ergibt sich aus dem Kapitel, in dem der Eintrag steht („Von einem Gemß“). Dieselbe Zubereitung beschreibt Rumpolt für Hirsch und Reh, wer keine Gams bekommt, kocht nach diesen Fassungen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Der Eintrag ist ein reiner Verweis ohne eigenen Kochschritt. Die verwiesene Fassung braucht zudem frisches Wild und frisches Blut, beides nur mit Kühlkette.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

11. Schwartz eyngemacht auff Vngerisch, wie vorhin vermeldt ist, wie man Wildpret auff Vngerisch eynmacht.
eyngemacht / eynmacht

Bei Fleisch: in Brühe oder Sauce angerichtet, nicht konserviert oder in Zucker eingekocht.

auff Vngerisch

Rumpolts Herkunftsangabe für die Zubereitung. Was daran ungarisch ist, erklärt er nicht.

Schwartz

In den verwiesenen Fassungen (rum-0314, rum-0372) wird die schwarze Sauce aus Tierblut (Schweiß) und Essig mit Brot, Äpfeln, Zwiebeln und Gewürz bereitet; beim Hirsch färbt das Gewürz auch die Zwiebeln schwarz. Dieser Eintrag selbst nennt nichts davon.

wie vorhin vermeldt ist

Rückverweis auf eine früher im Buch beschriebene Zubereitung, ausgeführt beim Hirsch (rum-0314) und beim Reh (rum-0372). Im Gams-Kapitel selbst steht vorher nichts Passendes.

Wildpret

Wildbret, hier das Fleisch der Gams, die das Kapitel behandelt.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von der Gämse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Wildpretmeat Q10990

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWildpret

Gewählte Lesart: Gamsfleisch: Der Eintrag steht im Kapitel „Von einem Gemß“, und Rumpolts Kurzeinträge meinen das Kapiteltier.

Andere mögliche Lesart:

  • Beliebiges Wildbret - „Wildpret“ ist für sich ein allgemeines Wort, und die verwiesene Zubereitung gilt für mehrere Wildarten. Im Kapitelzusammenhang aber auf die Gams bezogen.

Lesartwie vorhin vermeldt ist

Gewählte Lesart: Verweis auf den schwarzen ungarischen Pfeffer beim Hirsch (rum-0314), dessen Überschrift „Wildpret auff Vngerisch schwartz eyngemacht“ fast wörtlich dem Verweis hier entspricht. Das ist eine Folgerung, Rumpolt nennt keine Nummer.

Andere mögliche Lesarten:

  • Verweis auf die schwarze ungarische Fassung beim Reh (rum-0372) - Ebenfalls vorher im Buch und schwarz; kürzer, mit Rehblut. Gleich gut möglich, deshalb beide verlinkt.
  • Verweis auf den gelblichen, süßen ungarischen Pfeffer beim Damhirsch-Rückenbraten (rum-0345) - Ausgeschlossen: Der Eintrag verlangt ausdrücklich schwarz.

LesartSchwartz

Gewählte Lesart: Schwarze Sauce aus Tierblut mit Essig, Brot, Äpfeln, Zwiebeln und Gewürz, wie in allen schwarzen ungarischen Fassungen Rumpolts (rum-0314, rum-0372).

Andere mögliche Lesart:

  • Dunkle Sauce ohne Blut, mit geröstetem Brot oder dunklen Gewürzen gefärbt - Bei Rumpolt nicht belegt; seine schwarzen Saucen sind Blutsaucen. Dieser Eintrag nennt allerdings selbst keine Zutat.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. LVIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0460
LagerkücheLagerküche
Ein reiner Verweiseintrag ohne eigenen Kochschritt. Wer die verwiesene Fassung kocht (rum-0314, rum-0372), braucht frisches Wild und frisches Blut mit Kühlkette; Gams gibt es zudem nur beim Wildhändler oder Jäger.
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Stand dieser Fassung: 04.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.